Neue Kita-Gebühr
: Leinfelden-Echterdingens Rathauschef Ruppaner redet Tacheles

Trotz Elternprotest wird die Kinderbetreuung teurer. „Wir tun mehr als viele, verlangen weniger, als wir könnten. Die Arbeit unserer Belegschaft hat einen Wert“, sagt der OB dazu.
Von
Natalie Kanter
Stuttgart
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Bei der Kinderbetreuung in Leinfelden-Echterdingen habe sich vieles verbessert, betont Rathauschef Otto Ruppaner.

dpa/Patrick Pleul

559 Unterschriften hat die Elterninitiative KitaströphLE gegen die neue Kita-Gebühr gesammelt. Geholfen hat das nichts. Der Gemeinderat hat bei vier Gegenstimmen beschlossen, zum neuen Kita-Jahr die Kita-Gebühren trägerübergreifend zu erhöhen und so zu verändern, dass es künftig eine Preisstruktur mit festem Stundensatz für alle Wochenmodelle gibt. Wenn auch die Grünen am Rande der gleichen Sitzung den Antrag gestellt haben, in den städtischen Kitas einen Frühdienst einzurichten sowie Springkraft-Stellen zu schaffen. Sie wollen so für verlässlichere und längere Öffnungszeiten sorgen.

Für die Betreuung von Krippenkindern müssen Eltern mit der neuen Kita-Gebühr künftig durchschnittlich 12,7 Prozent mehr ausgeben. Eine Familie, die ein Kind unter drei Jahren in der Betreuung hat, wird künftig 3,25 Euro pro Stunde bezahlen. Bei den Kindergartenkindern, also allen über drei Jahren, wird es durchschnittlich um 7,2 Prozent teurer. Eltern zahlen hier für die Betreuungsstunde künftig 1,55 Euro. Bis dato variiert der Stundensatz, je nachdem, wie viele Stunden das Kind pro Woche betreut wird. Wer mehrere Kinder in der Betreuung hat, erhält Vergünstigungen.

Oberbürgermeister Otto Ruppaner hatte zuvor am Rednerpult Tacheles geredet. Seine Meinung zu der „in den sozialen Medien emotional geführten Debatte über die neue Kita-Gebühr“ und die Kinderbetreuungssituation hat er dabei mehr als deutlich gemacht. „Es wird Stimmung gemacht, es wird pauschalisiert, dramatisiert und Empörung geschürt“, sagt er. Das halte er für unredlich, der Stadtgesellschaft nicht angemessen.

Als er vor mehr als einem Jahr sein Amt angetreten habe, sei die Kinderbetreuung das bestimmende Thema gewesen. Dass Kinder gar kein Betreuungsangebot erhalten werden, sei im Raum gestanden. „Dauerhafte Notbetreuungen ließen viele Familien in Unsicherheit zurück“, erinnerte er. Das sei heute anders. Mehr als 30 zusätzliche Stellen für Betreuungskräfte seien geschaffen worden, neue Einrichtungen wurden gebaut und finanziert, die Spielgruppen der Malteser seien angestoßen worden...

Elternbeteiligung liegt ab Herbst bei 10,8 Prozent

Jährlich investierte die Stadt 2,8 Millionen Euro zusätzlich in die Kinderbetreuung, 28 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren. Die Elternbeteiligung an den Betriebskosten liege in Leinfelden-Echterdingen auch nach der Erhöhung der Kita-Gebühr bei 10, 8 Prozent – und damit noch weit entfernt von dem, was als angemessen gehalten werde.

„Wir tun mehr als viele, verlangen aber weniger, als wir könnten. Die Arbeit unserer Belegschaft hat einen Wert“, fasste der Rathauschef zusammen. „Das sei kein Anlass für eine Empörung, sondern ein Grund für Vertrauen.“

Seit kurzem steht fest: Die Stadt kann zum neuen Kitajahr jeder Familie einen Platz anbieten, allerdings nicht immer in der Wunsch-Kita und nicht immer zu den gewünschten Zeiten. „Wir sind zufrieden, dass die Warteliste nur noch mit wenigen Namen bestückt ist“, schreibt Alexander Renz für den Gesamtelternbeirat unserer Zeitung. Die Elternvertretung ist für die städtischen Kitas zuständig. Eine Betreuung von 8 bis 14 Uhr werde in Aussicht gestellt. Familien könnten so besser planen. Er schreibt aber auch: „In der aktuellen wirtschaftlichen Situation wünscht man sich stabile und gegebenenfalls längere Betreuungszeiten.“

Eltern der Initiative KitaströphLE wollen derweil einen trägerübergreifenden Stadtelternrat für die Kindergärten in Leinfelden-Echterdingen gründen. Die konstituierende Sitzung ist für den 3. Juli geplant. „Wir erhoffen uns durch diese Gründung ein echtes Sprachrohr für alle Eltern im Stadtgebiet“, schreiben sie dazu unserer Zeitung. Die Mütter und Väter wollen trägerübergreifende Gespräche führen und trägerübergreifende Themen aufgreifen.

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