Tapinoma magnum in Esslingen: Zäher Kampf an der Ameisen-Mauer – „Es ist ein sehr langsamer Prozess“

Das Ködergel enthält die Vorstufe eines Nervengifts, das im Verdauungstrakt der Ameisen seine Wirkung entfaltet.
Roberto BulgrinEine etwa 700 Meter lange Lärmschutzmauer im Esslinger Stadtteil Sirnau wird von invasiven Ameisen besiedelt. Über Jahre hat sich dort unbemerkt eine Superkolonie der eigentlich im Mittelmeerraum heimischen Art Tapinoma magnum gebildet. Abermillionen Ameisen leben dort und machen den Anwohnern das Leben schwer.
„Der Wasserkocher ist das liebste Küchenutensil geworden“, erzählte ein Mitglied des örtlichen Bürgerausschusses bei einem vor Ort Termin Anfang August. Mit dem heißen Wasser werden die Ameisenstraßen und -nester übergossen. Eine andere erzählt: „Wenn die Biomülltonnen bei gutem Wetter draußen stehen, sind sie schwarz vor Ameisen.“
Esslingen: Die invasiven Ameisen sind „sehr mobil“
Aber es wird etwas getan: Die Stadtverwaltung hat Schädlingsbekämpfer engagiert, die mit einem Ködergel gegen die Tiere vorgehen. Das Gel, das die chemische Vorstufe eines Pestizides enthält, ist laut Stadt mit einem Lockstoff versetzt, der die Ameisen dazu bringt, das Mittel in die Nester tief im Hang zu bringen. Einmal gefressen, wird das Gel im Verdauungstrakt der Tiere zu einem Nervengift umgewandelt. In ihren Nestern geben sie das Gift an den Nachwuchs weiter.
Insgesamt neun Mal waren die Schädlingsbekämpfer der Firma Puschmann bereits vor Ort, berichtet Matthias Scheider, Leiter des Esslinger Grünflächenamts. „Die Ameisen nehmen das Gel sehr gut an. Sie sind sehr hungrig“, sagt er. Allerdings sei es ein schwieriger Kampf: „Die Ameisen sind sehr mobil und wechseln ihren Standort je nach Störung“, sagt Scheider. „Es sind auch angrenzende Gärten betroffen. Dort ist ein Rückgang erkennbar.“
Die große Frage: Kann die Ameisen-Superkolonie in Sirnau getilgt werden?
Bei einem der Bekämpfungstermine im August sagte Sabine Göggerle von der Hochdorfer Schädlingsbekämpfungsfirma „der Puschmann“, dass eine Tilgung noch möglich wäre. Matthias Scheider äußert sich zurückhaltender: „Es ist ein sehr langsamer Prozess und wir sind noch nicht lang genug dabei. Die Ameisen sind sicher schon länger vor Ort. Da können in zwei Monaten noch keine genauen Angaben gemacht werden.“

Die Schädlingsbekämpferin Sabine Göggerle bringt das Ködergel an einer Ameisenstraße an.
Foto: Roberto BulgrinEinsatz von Ködergel in Esslingen für andere Tiere wohl ungefährlich
Eventuell im kommenden Frühjahr könne man Prognosen machen, wie erfolgreich die Bekämpfung ist. „Deshalb sprechen wir in diesem Zusammenhang eher vom ‚Ameisenmanagement’“, erklärt Scheider.
Ob das Gift auch für insektenfressende Tiere schädlich ist, dazu gibt es laut Scheider vom Hersteller keine Angaben. „Die Erfahrung der Schädlingsbekämpfer zeigt, dass Amphibien und Vögel keine Schäden nehmen.“
„Eigentlich ist Tapinoma magnum nicht problematischer als heimische Ameisenarten“, erklärt die Schädliungsbekämpferin Sabine Göggerle. Das Besondere sei jedoch, dass, statt einer Königin, in zahlreichen sogenannten Satellitennestern viele Königinnen leben. Lässt man die Ameisen sich in Ruhe vermehren, können sie durch ihre große Anzahl über Jahre hinweg unbemerkt beispielsweise Wege untergraben oder sich in Verteilerkästen einnisten und so Stromausfälle verursachen.
Die Stadt Esslingen bittet Bürgerinnen und Bürger, sich bei einem begründetem Verdachtsfall an das Naturkundemuseum Stuttgart zu wenden, wo an der Ausbreitung geforscht wird. Erkennen kann man die Ameisenart beispielsweise anhand der großen Menge an Tieren sowie dem sauren Geruch, wenn man sie zerdrückt. Am besten sendet man zur Identifizierung mehrere Fotos und den Standort per E-Mail an: tapinoma@smns-bw.de.