Zukunft des Spielkartenmuseums
: Nimmt Leinfelden-Echterdingen die Millionenspende an?

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen ist klamm. Gleichzeitig tut sich die Verwaltungsspitze schwer, die Millionenspende zum Erhalt des Deutschen Spielkartenmuseums anzunehmen. Warum?
Von
Natalie Kanter
Stuttgart
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Die Stadt Leinfelden-Echterdingen muss schauen, wofür sie ihr Geld noch ausgeben kann – und wofür nicht.

Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen wird das laufende Jahr – Stand jetzt – mit einem Defizit von 15 Millionen Euro abschließen, erklärt Oberbürgermeister Otto Ruppaner auf Nachfrage. Grund dafür ist unter anderem die deutlich gestiegene Kreisumlage, die nun bei knapp 36 Millionen Euro liegt. Die Folgen sind groß: So kann es sich die Kommune aktuell nicht leisten neue Projekte anzugehen – wie beispielsweise die von der SPD und der CDU angemahnte Sanierung und Erweiterung der Eichbergschule. „Zum Jahresende werden die letzten finanziellen Mittel aufgebraucht sein“, teilt der OB mit. Dann werde eine Kreditaufnahme notwendig, um zentrale Investitionen zu finanzieren.

Die Stadt muss, wie zu erfahren war, einen Nachtragshaushalt erstellen, den Rotstift ansetzen und auch Gebäude sowie Grundstücke, die der Stadt gehören verkaufen. Am 10. und 11. Oktober werden die Fraktionen gemeinsam mit der Verwaltungsspitze dazu ganztags in Klausur gehen. Die CDU-Fraktion verwehrt sich im Vorgriff dagegen, bei den örtlichen Vereinen anzusetzen, fordert vielmehr ein schnelleres Handeln bei Grundstücksverkäufen ein.

Unverständlich ist der CDU-Fraktionschefin Ilona Koch, warum es der Verwaltungsspitze dennoch schwer fällt, die Millionenspende für das Spielkartenmuseum in Leinfelden-Echterdingen anzunehmen. Koch ist auch die Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Deutschen Spielkartenmuseums. Ein Unternehmer hatte sich bereit erklärt, bis zu einer Millionen Euro zu spenden, wenn sich die Stadt bereit erklärt, dass der Bestand der Spielkartensammlung in seiner Gesamtheit in Leinfelden-Echterdingen erhalten bleibt. „Die Verwaltung hat sich nach reiflicher Abwägung dazu entschieden, die Spende nicht zur Annahme zu empfehlen“, schreibt der OB dazu unserer Zeitung. Das gespendete Geld würde nur für wenige Jahre reichen. Es handele sich um eine einmalige Unterstützung. Eine nachhaltige Museumsentwicklung brauche aber eine langfristige finanzielle Perspektive.

Zur Erinnerung: Im März dieses Jahres hatte sich die Mehrheit des Gemeinderates dafür ausgesprochen, den bestehenden Vertrag mit dem Landesmuseum zu kündigen, die Stellen für das Museum aus dem Stellenplan zu nehmen, das Deutsche Spielkartenmuseum in Leinfelden-Echterdingen abzuwickeln. Allein die Christdemokraten stimmten in großen Teilen dagegen.

Volker Claus, der Vize-Vorsitzende des Fördervereins, hat derweil die jüngste Gemeinderatssitzung genutzt, um Briefe zu verteilen. Darin wirbt er dafür die Spende anzunehmen und zukunftsfähige Maßnahmen für das Museum zu erarbeiten. Allerdings sind an die Spende auch Bedingungen geknüpft. „Von Seiten der Stadt muss das Projekt ,Wir wollen das Museum loswerden, je eher desto besser‘ für die kommenden fünf Jahre aufgegeben werden.“ Das Museum müsse wieder handlungsfähig gemacht werden. Dazu gehöre die Neubesetzung der Museumsleitung sowie die Beibehaltung der noch bestehenden Personalstellen. Es müssten weitere Sponsoren ins Boot geholt werden.

Der Förderverein hat sich zur Zukunft des Spielkartenmuseums in Leinfelden-Echterdingen Gedanken gemacht und Anregungen der Besucherinnen und Besucher des Tages der offenen Tür Ende August aufgegriffen. Am Dienstag, 7. Oktober, wird sich der Kulturausschuss des Gemeinderates dazu beraten. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Bürgersaal der Echterdinger Zehntscheuer.

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