Autozulieferer: 116 Arbeitsplätze, Jahrzehnte Firmengeschichte – Hintergründe zum Nidec-Aus

Hier am Nidec-Standort in Bietigheim-Bissingen stehen wohl in einem Jahr die Maschinen still.
Andreas Essig- Nidec will die Produktion in Bietigheim-Bissingen schließen – 116 Jobs fallen bis Ende 2027 weg.
- IG Metall kritisiert fehlende Infos und verlangt Transparenz sowie Verhandlungen über Alternativen.
- Betriebsrat betont die Betroffenheit von Familien und langjährigen Beschäftigten am Standort.
- Zusätzliche Brisanz: Berichte über einen Finanzskandal bei der japanischen Konzernmutter.
- Historie: Werk geht auf SWF zurück, 2006 von Nidec-Teil übernommen, 2009 Teilverlagerung nach Polen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am Dienstag hat die IG Metall nach einer Betriebsversammlung bekannt gegeben, dass der Motorenspezialist Nidec seine Produktion am Standort Bietigheim-Bissingen schließen will. 116 Beschäftigte sollen bis Ende 2027 ihren Arbeitsplatz verlieren. Das Unternehmen war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
„Die Kolleginnen und Kollegen haben ihre Arbeit gemacht. Sie haben hochwertige Produkte gefertigt, Kunden betreut, Probleme gelöst und sogar andere Standorte mit ihrem Know-how unterstützt. Sie sind nicht verantwortlich für strategische Entscheidungen des Managements“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Björn Berger: „Deshalb dürfen sie jetzt auch nicht die Rechnung dafür bezahlen.“
Konzernmutter in Finanzskandal verwickelt
Bei dem Abbau der Arbeitsplätze gehe es nicht nur um reine Zahlen: „Hinter den 116 Arbeitsplätzen stehen Menschen, Familien und Lebensgeschichten. Viele Kolleginnen und Kollegen haben ihr gesamtes Berufsleben an diesem Standort verbracht.“ Der Betriebsrat wird laut IG Metall in den nächsten Tagen Berater hinzuziehen. Was die Leute ärgere, sei, dass sie keine Informationen bekommen hätten, während das Unternehmen bereits Berater beauftragt und Räume für den Vertrieb gesucht hätte.
Zusätzliche Brisanz erhält die Entwicklung bei Nidec laut Gewerkschaft durch Berichte über Vorgänge bei der japanischen Konzernmutter. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte am 30. September über die Aufarbeitung eines Finanzskandals innerhalb des Konzerns berichtet.
Ein Zusammenhang zwischen den im Bericht behandelten Vorgängen und der geplanten Produktionsschließung in Bietigheim-Bissingen sei nicht belegt, betont die IG Metall. Aus Sicht von Betriebsrat und IG Metall würden die Berichte jedoch die Notwendigkeit vollständiger Transparenz über die wirtschaftlichen und strategischen Hintergründe der Entscheidung unterstreichen.
Die Geschichte des Werks
Das Nidec-Werk in Bietigheim geht auf das Unternehmen SWF zurück, das 1923 in Stuttgart-Feuerbach gegründet worden war. 1942 und 1942 verlegte SWF seinen Sitz nach Bietigheim. Mit der Eingliederung in den Firmenverband der ITT entwickelte sich das Unternehmen zu einem der größten Hersteller von elektrischem Autozubehör.
1999 erfolgte die Übernahme durch den französischen Konzern Valeo. 2006 hatte Nidec für 142 Millionen Euro sechs Unternehmungen in Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien, den USA und Mexiko mit insgesamt 1700 Mitarbeitern gekauft – darunter den Teil für Elektromotoren und Aktuatoren des Valeo-Werks in Bietigheim-Bissingen. Durch den Zukauf wollte Nidec die Elektromotoren, die vor allem für die Automobilindustrie bestimmt waren, auch in Japan und anderen asiatischen Staaten stärker vertreiben.
Nidec verlagert 2009 einen Teil der Fertigung nach Polen. Das betraf die Fertigung von Wellen für die Elektromotoren, die in Sitzverstellungen, Schiebedächern, ABS oder als Scheibenheber Verwendung finden. Mehr als 100 der 340 Mitarbeiter in Bietigheim-Bissingen verloren 2009 dadurch ihren Arbeitsplatz.
