Ines Schwerdtner in Ludwigsburg
: „Eine historische Chance“ – Wie die Linke es in den Landtag schaffen will

Beim Sommerfest der Ludwigsburger Linken mit Parteichefin Ines Schwerdtner zeigt die Partei neues Selbstbewusstsein – doch findet sie auch Antworten auf die Probleme der Region?
Von
Maximilian Kroh
Ludwigsburg
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Linken-Chefin Ines Schwerdtner sprach in Ludwigsburg zu den Chancen der Partei auf den Einzug in den Landtag.

Imago/Mike Schmidt

Natürlich ist die Bahn zu spät. Das macht die Anreise von Köln nach Ludwigsburg für Ines Schwerdtner stressiger, als sie es sein müsste, der Zeitplan für die Parteichefin der Linken wird eng. Trotzdem steht sie am Mittwochnachmittag pünktlich auf dem Arsenalplatz, als das Sommerfest der Linken beginnt. Denn Schwerdtner ist auf einer Mission. Sie reist durchs Land, um ihre Basis kennenzulernen. Und so den Schwung aus dem Bund mitzunehmen, um die Linke in die Landesparlamente zu bringen.

Der Ton ist dabei klar gesetzt. „Politik kann anders sein. Die Linke ist anders“, sagt Schwerdtner auf der Bühne. Soziale Alternative, echtes Bollwerk gegen rechts – so hat sich die Linke schon im Bundestagswahlkampf präsentiert und so tut sie es auch weiterhin. Das kommt an, die Mitgliederzahlen steigen rasant, auch in Baden-Württemberg, wo die Partei bislang kaum ein politischer Faktor war. Im Kreis Ludwigsburg habe die Linke ihre Mitgliederzahlen seit Anfang des Jahres mehr als verdoppelt, von 150 auf über 350, sagt Konrad Ott, der Sprecher des Kreisverbands.

„Was sind die Probleme der Menschen vor Ort?“

Auf dem Arsenalplatz ist Ines Schwerdtner am Mittwochnachmittag der Star. Die Parteichefin steht für jedes Selfie bereit, lässt sich auf jedes Gespräch ein, lebt demonstrativ ein Gefühl des Miteinanders vor, obwohl sie noch nie hier war. „Darum geht es bei dieser Tour“, sagt sie. „Einerseits, in die eigene Partei zu hören, wie sie sich entwickelt hat. Aber auch zu hören, was die Probleme der Menschen vor Ort sind.“

Ines Schwerdtner (zweite von links) mit den Direktkandidaten der drei Ludwigsburger Wahlkreise: Ingrid Petri, Nadja Schmidt und Steve Burgstett (von links).

Foto: Andreas Essig

Die Probleme in der Region sind aus Schwerdtners Sicht schnell identifiziert. „Der Südwesten ist eine Region, der es lange gut ging“, sagt sie im Gespräch. „Aber auch hier schlägt langsam das Gefühl von Deindustrialisierung, die Sorge vor wirtschaftlichem Abstieg ein.“ Antworten will die Linke darauf mit einer „aktiven Industriepolitik“, formuliert es die Parteichefin, also einem Staat, der eingreift. „Das deutsche Wirtschaftsmodell mit billiger Arbeitskraft und billiger Energie kommt an sein Ende. Deshalb braucht es in den zentralen Industrieregionen eine Politik, die Transformation staatlich fördert.“

Schwerdtner gilt als Finanzexpertin ihrer Partei, sie sitzt im Haushaltsausschuss des Bundestags. In Zeiten, in denen im Bund ein gigantisches Finanzloch klafft und auch die Kommunen kaum mehr schwarze Zahlen schreiben, fordert sie eine Reform der Schuldenbremse, eine Vermögenssteuer („Da gehen uns jährlich 100 Milliarden Euro durch die Lappen“) und Entlastung der Kommunen. „Es wäre relativ einfach, den Kommunen ihre Altschulden zu erlassen“, sagt sie.

Unter ihrer Führung steht die Linke für ein Investitions- statt Sparprogramm, abgesehen vom Militär gilt das nahezu für jeden Bereich. Bessere Infrastruktur könne wieder Unternehmen anlocken, bessere Bezahlung könne Personal in Kitas und Schulen bringen und es so indirekt Eltern ermöglichen, mehr zu arbeiten.

Doch der größte Jubel auf dem Arsenalplatz brandet nicht dann auf, als die Parteichefin über die sozialen Themen spricht, sondern als sie sich klar gegen rechts positioniert. Der Bundestagswahlkampf habe gezeigt, dass es gut ankomme, dass die Linke standhaft bleibe, „wenn die Faschisten erstarken in Deutschland“, ist Schwerdtner überzeugt. „Diese Mischung, bei den konkreten Alltagssorgen der Menschen anzusetzen, und in den wichtigen Fragen unserer Zeit Haltung zu beweisen, überzeugt immer mehr Menschen.“

Und so steht Schwerdtners Linke nach der Bundestagswahl auch für ein neues Selbstbewusstsein. Selbst in Baden-Württemberg, wo die Partei bislang noch nie im Landtag saß, für die Wahl im kommenden Jahr zuletzt aber ein Wählerpotenzial von bis zu elf Prozent vorausgesagt bekam. „Ich gehe fest davon aus, dass wir nächstes Jahr in den Landtag kommen“, sagt die Ludwigsburger Direktkandidatin Nadja Schmidt deshalb.

„Wir werden das System in Baden-Württemberg verändern“

Demnächst schon soll es losgehen mit dem Haustür-Wahlkampf, der sich schon vor der Bundestagswahl bewährt hat. „Wir fragen ab, welche Themen den Leuten für die Wahl wichtig sind, binden die neuen Mitglieder direkt ein, und bleiben sichtbar in der Öffentlichkeit“, fasst sie die Strategie zusammen. Schmidt ist seit Jahren dabei – „aber natürlich macht es mehr Spaß, wenn man einen Aufruf zur Organisation des Sommerfests startet und plötzlich 50 Rückmeldungen kommen“.

Es liegt also ein Hauch von Euphorie in der Luft, den auch die Parteispitze registriert. „Wir haben von Berlin aus mit großen Augen auf die Umfragen geschaut“, sagt Ines Schwerdtner. „Es ist eine historische Chance. Wenn wir es in den Landtag schaffen, werden wir das politische System in Baden-Württemberg verändern.“ 

StZ Kreis Ludwigsburg
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