Kritik in sozialen Netzwerken
: Bosch-Misere – Frust entlädt sich im Grünen-Bashing

Ein Boschler aus Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) hat von internem Druck erzählt – jetzt wird auf Social Media diskutiert. Sorge und Schuldzuweisungen herrschen vor.
Von
Oliver Schaewen
Ludwigsburg
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Die Weltmarke Bosch zeigt in der Nähe des Stuttgarter Flughafen Flagge – aber wie geht es an den deutschen Standorten weiter?

IMAGO/Arnulf Hettrich

Demokratie lebt vom Diskurs – in den sozialen Medien redet man derzeit viel über das einstige deutsche Vorzeigeunternehmen Bosch. Der geplante Stellenabbau am Standort in Schwieberdingen wird den „Altparteien“ angekreidet. Kritiker lasten insbesondere den Grünen eine verfehlte Energiepolitik an. Die teils oberflächliche Empörung zeigt, wie sehr der Stellenabbau die Region bewegt.

Anlass für die jüngste Diskussion auf Facebook, war der Artikel dieser Zeitung „Man will Leute loswerden – Bosch-Mitarbeiter stehen unter Druck“. Hinter den Kulissen brodelt es offenbar. Ein Boschler berichtete unter dem Pseudonym Richard Pohlschmidt, dass der mögliche Verlust des Arbeitsplatzes bei den Mitarbeitern große Ängste auslöse und sie sich Druck „von oben“ ausgesetzt sähen.

Bosch unterhält in Schwieberdingen eine eigene Werksfeuerwehr – nun gilt es, mit aufflammenden Protesten der Mitarbeiter umzugehen.

Foto: KS-Images.de / Andreas Rometsch

Der Abbau von 1750 von etwa 5200 Stellen allein in Schwieberdingen und insgesamt 13.000 Arbeitsplätzen bis 2030 ist beschlossene Sache. Der Umgangston sei rauer geworden, bestätigte eine Mitarbeiterin, die sich nach Erscheinen des Artikels meldete. „Auch ich bin im Alter des Kollegen und genau so wird mit mir umgegangen“, schreibt die Mittfünfzigerin.

„Abfindungen werden individuell und unverschämt auf den Tisch gelegt.“ Jede Woche werde nachgefragt, ob man sich nun weg von Bosch bewege. „Eine äußerst negative mentale Situation für jeden, den es trifft.“ Intern werde keine Stelle als geeignet bewertet: „Man will uns ja auch loswerden.“

Kritik an „überheblichen“ Gewerkschaften und Bosch-Angestellten

Die Reaktionen im sozialen Netzwerk Facebook auf den Artikel zeigen: Leser suchen nach Schuldigen. „Wer jetzt immer noch Altparteien unterstützt, der wird halt arbeitslos“, schreibt ein aufgebrachter User. Es regiert eine Mischung aus Frust über Versäumnisse der Politik, aus Kritik am Bosch-Management, das Arbeitsplätze ins billige Ausland verlagere, und einer „Überheblichkeit“, die man bei Gewerkschaften, aber auch bei saturierten Bosch-Angestellten glaubt ausmachen zu können.

Die Kritik an der Energiepolitik der Grünen erhält hohe Zustimmungswerte, was aber nicht weiter ausgeführt wird. Im Artikel hatte sich Richard Pohlschmidt differenzierter geäußert. Das alte Geschäftsmodell funktioniere nicht mehr, aus billiger russischer Energie die deutsche Automobilindustrie lukrativ zu befeuern. Der Krieg Russlands in der Ukraine und die Überlegenheit der chinesischen E-Automobilindustrie sowie Donald Trumps Zollpolitik teile die Welt in „Blöcke“: Die Produktion „local for local“, also kontinentbezogen, erhöhe die Kosten. Unter anderem auch deshalb verlagere Bosch seine Werke in Billiglohnländer wie Ungarn.

Das Verlagern von Arbeitsplätzen ins Ausland wird von einzelnen Usern als Verrat bewertet. Die Konzernchefs hätten das Know-how und damit ihre Seele „verscherbelt“ in „Länder, die jetzt davon profitieren und Deutschland abhängen“, schreibt ein Kritiker, während ein anderer dem Unternehmen vorhält, zu wenig in Zukunftstechnologien investiert zu haben.

Die Beiträge wirken oft einseitig und fragmentarisch

Diese Zusammenhänge erscheinen in der Diskussion auf Facebook nur fragmentarisch. Die Beiträge beschränken sich auf einseitige Schuldzuweisungen. Es wird das Bild von Boschlern als Grünen-Wähler in schicken Vorstadt-Reihenhäusern gezeichnet, die für eine Vier-Tage-Woche und Lohnerhöhung gestreikt hätten. Im Unterton wird deutlich, dass manche der Facebook-User Missgunst gegen den Wohlstand von Bosch-Angestellten hegen und sich in Schadenfreude ergehen.

„Hoffentlich erwischt es viele Altparteienwähler“, schreibt einer, dessen Wortwahl eine Nähe zu einer Partei vermuten lässt, die verspricht, künftig alles besser zu machen. Untergangsstimmung zu verbreiten, wie es einige der Facebook-Kommentatoren tun, dürfte Rechtspopulisten in die Karten spielen.

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