Kritik an Stadt Ludwigsburg: Aggressive Stimmung bei Infotermin über Flüchtlingsunterkunft

Hat Mühe sich Gehör zu verschaffen: Baubürgermeisterin Andrea Schwarz.
Emanuel HegeEigentlich wollte Baubürgermeisterin Andrea Schwarz zum Auftakt der Infoveranstaltung am Dienstag gar nicht viel sagen, doch schon nach wenigen Sätzen beginnt es unter den rund 150 Bürgern zu brodeln. Es gibt Zwischenrufe, empörtes Geraune, einige winken resigniert ab. Der AfD-Kreisverband plante im Vorhinein eine Demonstration, die jedoch zu kurzfristig angemeldet wurde. Auch später, als die Verantwortlichen der Stadtverwaltung und des Landratsamtes an Stehtischen Fragen beantworteten, bleibt die Stimmung empört und teils giftig.
Der Infostand über die vorläufige Flüchtlingsunterkunft in der Hackstraße in Ludwigsburg-Hoheneck war eine denkwürdige Veranstaltung, die etwas über die aktuelle gesellschaftliche Stimmung verrät. Wer genau hinhört, merkt, dass die Bürger nicht nur stumpfe Empörung abladen – die Blickweisen auf die neue Unterkunft sind vielfältig, die Menschen wollen vor allem gut informiert werden. Die Stadt und das Landratsamt stehen weiterhin in der Kritik.
Keine generelle Ablehnung
Vanessa Oelmann aus Hoheneck steht etwas abseits der Diskussionen. Um die Empörung zu verstehen, müsse man wissen, dass es in der Hackstraße schon immer Konflikte gegeben hat. „Auf der einer Seite Wohnbebauung, auf der anderen Gewerbe.“ Die Stimmung sei also bereits aufgekratzt.
Thomas Maier hat gerade noch Bürgermeisterin Schwarz mit einem Zwischenruf unterbrochen, jetzt hat er sich etwas beruhigt. Er sorge sich vor allem um die Sicherheit auf dem angrenzenden Feldweg. „Dort fahren viele Kinder und Jugendliche zum Sportplatz, es braucht nur eine Person in der Unterkunft, die gewalttätig ist, und wir haben eine Katastrophe.“

Auf dieser Fläche hinter dem ehemaligen Hotel Krauthof soll die Unterkunft entstehen.
Foto: Werner KuhnleEinige Schritte weiter lehnt ein junger Mann gegen sein Fahrrad und beobachtet die Szenerie. „An sich komme ich mit der Unterkunft klar“, sagt Maurice Bolay. „Die müssen ja irgendwohin, wenn die Unterkunft nicht hier steht, dann halt woanders.“ 114 Menschen in einem Gebäude findet er jedoch viel. Das könne weder für die Nachbarschaft, noch für die Unterkunftsbewohner gut sein.
Auch die Hoheneckerin Phelma Blache hat Verständnis, dass die neue Unterkunft in der Hackstraße gebaut wird – der Bauplatz sei geeignet. Sie hätte sich aber eine andere Art der Infoveranstaltung gewünscht, sagt Blache und lässt den Blick über die heftig diskutierenden Gruppen schweifen. An den Stehtischen verstehe sie kein Wort und könne auch ihre Fragen nicht loswerden.
Bereits in den vergangenen Wochen standen Landratsamt und Stadtverwaltung wegen ihrer Kommunikation zur geplanten Unterkunft in der Kritik. Direkte Anwohner wurden in den Sommerferien informiert und durften sich dazu äußern, der Großteil der Bürger erfuhr aber erst durch die Presse von der neuen Unterkunft. „Da ist gehörig etwas schiefgelaufen“, kritisierte unter anderem SPD-Stadtrat Hubertus von Stackelberg.
Obwohl die Diskussionen nach einiger Zeit geordneter abliefen, kam das Format der Infoveranstaltung bei Lokalpolitikern und Bürgern nicht gut an. Zu kleinteilig, zu hitzig, zu wenig grundlegende Infos für alle. So gut wie alle Anwesenden bemängeln eine fehlende Transparenz, die Eile des Verfahrens und die fehlende Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung. Die Leute seien so aufgebracht, weil sie das Gefühl hätten, dass alles in der Stille ausgemacht werde, sagt Anwohner Helmut Bodmann. „Genau dieses Vorgehen gibt den extremen Kräften Aufwind.“
