Neue Ortsvorsteherin in Kleinbottwar
: Marion Baudisch ist dem Ruf nach einer Frau an der Spitze gefolgt

In Steinheim-Kleinbottwar hat eine Wachablösung stattgefunden und mit Marion Baudisch erstmals eine Ortsvorsteherin das Sagen – die vor allem in Sportlerkreisen bekannt sein dürfte.
Von
Christian Kempf
Ludwigsburg
Jetzt in der App anhören

Marion Baudisch geht ihre Aufgabe voller Elan an.

Werner Kuhnle

Der Steinheimer Teilort Kleinbottwar ist auch als „Dorf der Frauen“ bekannt. Diese Bezeichnung geht auf die 1970er-Jahre und auf die für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Situation zurück, dass die Positionen des Briefträgers, des Sparkassenchefs und des Bäckermeistes allesamt in weiblicher Hand waren. Vor allem aber hatte mit Gertrud Weiler eine Bürgermeisterin bis zur Eingemeindung 1971 das Sagen. Weiler war sogar die erste Rathauschefin überhaupt in ganz Baden-Württemberg.

Ein bisschen wird an diese Tradition nun angeknüpft. Denn Marion Baudisch wurde zur Ortsvorsteherin gewählt. Bisher war das Amt stets von Männern bekleidet worden, zuletzt von Horst Trautwein.

Hauchzart vor dem bisherigen Amtsinhaber

Die Wachablösung hat ihren Ursprung in der Kommunalwahl im Juni. Die CDU hatte in Kleinbottwar am besten abgeschnitten. Und es hat sich im Laufe der Zeit eine Art Gewohnheitsrecht etabliert, wonach die stärkste Fraktion einen Kandidaten als Ortsvorsteher vorschlagen kann. CDU-intern hatte Andreas Roth stimmentechnisch die Nase vorn, winkte aber dem Vernehmen nach aus beruflichen Gründen ab. Marion Baudisch rangierte auf Rang zwei, wenn auch nur hauchzart vor Horst Trautwein.

Der Ball lag also gewissermaßen bei ihr – und sie nahm ihn auf. „Aus den Reihen der Bürgerschaft kam der Wunsch, dass vielleicht eine Frau das Amt ausüben sollte. Diesem Wunsch wollte ich Rechnung tragen“, erklärt die 56-Jährige. „Ich habe mich dann als einzige Kandidatin zur Wahl gestellt, bin im Ortschaftsrat einstimmig gewählt worden. Der Vorschlag wurde vom Gemeinderat bestätigt. Horst Trautwein hat sich nicht mehr aufstellen lassen“, fügt sie hinzu.

Ihr Vorgänger habe zwischenzeitlich eine Übergabe gemacht, sie auch durch den Ort gefahren und auf den neuesten Stand gebracht. Das Feld ist also bereitet, Baudisch kann loslegen. Klar sei allerdings, dass die Stadt angesichts ihrer angespannten Kassenlage in Kleinbottwar keine großen Wünsche erfüllen könne, konstatiert sie. „Ich trete auch nicht mit einer festen Agenda an. Mein Ziel ist vor allem, im Kleinen das Miteinander zu stärken“, erklärt die zweifache Mutter. Im Ort sei der Gemeinschaftssinn ohnehin schon sehr ausgeprägt. Das habe der diesjährige Martinsumzug wieder eindrucksvoll bestätigt, bei dem fast ein Drittel der Einwohner auf den Beinen gewesen sei. „Dass es so bleibt, da will ich meinen Teil dazu beitragen“, sagt Baudisch.

Der Martinsumzug mobilisiert in Kleinbottwar viele Bürger.

Foto: Archiv (Marion Baudisch)

Für noch mehr Zusammenhalt dürfte es sorgen, wenn sich die Idee von Baudisch realisieren lässt, ein Dorfplatzfest zu stemmen. „Das gab es mal. Ich fände schön, wenn wir das wiederbeleben könnten. Das geht aber nur mit den Vereinen“, erklärt die neue Ortsvorsteherin. Auch deshalb will sie ins Gespräch mit den maßgeblichen Akteuren gehen, um abzuklopfen, wo der Schuh drückt und was man sich wünscht. Bewusst ist ihr, dass sie gelegentlich den Blitzableiter spielen muss, wenn die Leute in Kleinbottwar mit bestimmten Entwicklungen und Zuständen unzufrieden sein sollten. „Davor habe ich aber keinen Bammel. Ich muss auch unpopuläre Entscheidungen vertreten. Wichtig ist dabei eine gute Kommunikation“, sagt Marion Baudisch.

Zerreißprobe: zwischen Ehrenamt, Beruf und Familie

Helfen dürfte ihr bei all dem, dass sie nicht zum ersten Mal in der Verantwortung steht. Baudisch hat früher verschiedene Ämter in der Tischtennissparte des TSG Steinheim ausgefüllt bis hin zur Leitung. Die Männermannschaft spielte seinerzeit in der Zweiten Liga, die Abteilung war die größte in diesem Sport in ganz Süddeutschland. „Das war halbprofessionell, was wir da geleistet haben. Und das Ehrenamt war ganz selbstverständlich Teil meines Lebens“, sagt Baudisch. Allerdings wurde es für sie zunehmend zu einem Kraftakt, ihre Funktionärstätigkeit mit Familie und ihrem Beruf als Gerichtsvollzieherin zu vereinbaren. Die zwei Kinder brauchten Zuwendung, die Sponsoren des Vereins mussten bei der Stange gehalten, Spiele organisiert werden.

Eine 60-Stunden-Woche im Job war gang und gäbe. „Mein Mann und ich haben uns eigentlich nur noch die Klinke in die Hand gegeben“, sagt sie. Sie zog deshalb die Reißleine, wollte die Ehe nicht riskieren – und legte eine Ehrenamtspause ein.

Nun ist Marion Baudisch aber wieder bereit für zusätzliche Aufgaben. Der 29-jährige Sohn steht mittlerweile längst auf eigenen Beinen, die Tochter ist mit 17 ebenfalls aus dem Gröbsten raus. „Jetzt habe ich die zeitlichen Möglichkeiten und mit 56 Jahren auch noch die Power. Mir macht es einfach Spaß, mich einzubringen und in einem gewissen Rahmen mitzugestalten. Das war meine Motivation, bei den Kommunalwahlen zu kandidieren“, sagt sie.

Dass sie am Ende so viele Stimmen auf sich vereinigen konnte und sogar Ortsvorsteherin werden würde, „damit habe ich allerdings nie gerechnet“. Und folglich auch nicht damit, Geschichte zu schreiben: als erste Frau in dem Amt im Dorf der Frauen.

StZ Kreis Ludwigsburg
Montag - Samstag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus Ludwigsburg und dem Kreis im kompakten Überblick: Von Montag bis Samstag schicken wir Ihnen unseren Newsletter mit den fünf beliebtesten Themen unserer Leserinnen und Leser in Ihr E-Mail-Postfach. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden.