Pflegekräfte aus dem Ausland
: Belastungen in der Pflege: „Nicht einfach Menschen leiden zu sehen“

Es werden immer mehr Pflegekräfte benötigt. Die Berufsschule für Pflege in Kornwestheim setzt deshalb auf Auszubildende aus dem Ausland. Diese zu halten, ist eine Herausforderung.
Von
Frederik Herrmann
Ludwigsburg
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In der Ausbildung zur Pflegefachfrau lernen Chrismaria Varghese und Thérèse Jocelyne Etounou Bene, wie sie Verbände wechseln, Patienten waschen und pflegen oder auch wie Thrombose behandelt wird.

Frederik Herrmann

Während in vielen Ländern der Welt Menschen verzweifelt Arbeit suchen und nicht finden, fehlt es in Deutschland an Personal – besonders im Gesundheitswesen. Fachkräfte und solche, die es werden wollen, werden hier dringend gesucht.

Deshalb sind Thérèse Jocelyne Etounou Bene und Chrismaria Varghese nach Deutschland gekommen, um in Ludwigsburg eine Ausbildung zur Pflegefachfrau zu absolvieren.

Die deutsche Sprache ist für viele eine Herausforderung

Die 30-jährige Thérèse Etounou Bene hat in Kamerun bereits eine Krankenpflegeausbildung abgeschlossen. Weil ihr jedoch wichtige Unterlagen fehlen, muss sie in Deutschland noch einmal von vorn beginnen. Sie hat viel auf sich genommen, um hier arbeiten zu können. „Ich vermisse meine Familie sehr“, sagt sie. Dennoch ist es ihr Ziel, später einmal Medizin zu studieren.

Die Ausbildung fällt ihr leicht. Verbände wechseln, Patienten waschen und pflegen – das ist für sie kein Problem. Nur die Sprache ist eine Herausforderung. Damit ist sie nicht allein. „Etwa die Hälfte unserer 300 Azubis kommt aus dem Ausland“, sagt Ursula Palmer, Leiterin der Berufsfachschule für Pflege der RKH Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim in Kornwestheim.

Die Schule bietet deshalb einen kostenlosen Sprachkurs an. Zwar müssten die Bewerber und Bewerberinnen beim Ausbildungsstart ein B2-Zertifikat vorlegen, „häufig stellt sich jedoch heraus, dass die tatsächlichen Kenntnisse schlechter sind“, sagt Palmer.

Hohe emotionale Belastungen in der Pflege

Auch für Chrismaria Varghese ist die Ausbildung eine große Herausforderung. Die 21-jährige Inderin ist vor eineinhalb Jahren nach Deutschland gekommen. In ihrer Ausbildung zur Pflegefachfrau durchläuft sie verschiedene Stationen. Zuletzt hat sie auf der Palliativstation gearbeitet. Dort werden die Patienten versorgt, die unheilbar krank sind – häufig Krebspatienten mit fortgeschrittener Erkrankung. „Es ist nicht einfach, die Menschen so leiden zu sehen“, sagt sie.

Zur Unterstützung der Schüler und Schülerinnen beschäftigt die Pflegeschule eine Sozialarbeiterin. Diese hilft nicht nur bei Fragen rund ums Visum, sondern bietet auch Lernberatung an und hat ein offenes Ohr für persönliche Probleme sowie für die Belastungen des Arbeitsalltags.

Zahl der Pflegebedürftigen steigt schnell an

Die Schulleiterin Palmer will mit diesem Angebot die Ausbildung attraktiver gestalten. Sie ärgert sich über das schlechte Bild des Berufs. „Natürlich ist der Schichtdienst anstrengend und die Bezahlung in anderen Branchen besser“, sagt sie. Doch der Beruf könne auch sehr erfüllend sein – gerade, wenn man gerne mit Menschen arbeitet.

Dennoch brechen viele Auszubildende die Lehre ab. Laut dem Bundesfamilienministerium lösen rund 30 Prozent der Pflegeschüler und Schülerinnen ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig auf. Zwar wechsle ein Teil nur den Träger, doch die hohe Abbrecherquote sei alarmierend.

An der Pflegeschule in Kornwestheim ist die Abbrecherquote dagegen geringer: 2024 haben hier nur 6,9 Prozent der Schüler und Schülerinnen die Ausbildung abgebrochen. Darüber freut sich die Schulleiterin sehr. Denn der Bedarf an Pflegepersonal steigt enorm.

Der Bedarf an Pflegepersonal wird immer höher, sagt Ursula Palmer, Leiterin der Berufsfachschule für Pflege der RKH Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim.

Foto: Frederik Herrmann

Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen das Rentenalter, immer mehr Menschen werden pflegebedürftig. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft könnte die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2040 von fünf auf sechs Millionen steigen.

„Ohne Personal aus dem Ausland könnten wir den Bedarf überhaupt nicht decken“, sagt Palmer. Für Etounou Bene und Varghese ist die Arbeit aber auch eine Chance, wie sie sagen. Sie sind glücklich über ihre Ausbildung in Deutschland. „Ich mag es, Menschen zu helfen“, sagt Etounou Bene. „Wenn ein Patient lächelt, dann macht mich das glücklich“, so Varghese. Ihr gemeinsames Ziel ist klar: „Wir wollen unsere Ausbildung beenden.“

Ausbildung in der Pflege

Dreijährige Ausbildung
Während die Schülerinnen und Schüler in der Schule für Pflegeberufe der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim den theoretischen Unterricht erhalten, sammeln sie die praktischen Erfahrungen in der Klinik oder in anderen Einrichtungen.

Auszubildende gesucht
Derzeit absolvieren rund 300 Schülerinnen und Schüler ihre Ausbildung an der Pflegeschule. Dabei bietet die Schule Kapazitäten für insgesamt 400 Auszubildende. Um die freien Plätze zu füllen, sucht die Schulleiterin Ursula Palmer nach neuen Interessierten.

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