Giftige Raupen in Auenwald: Eichenprozessionsspinner befällt Baum: Grundschüler müssen Umweg nehmen

Weil der hochallergische Eichenprozessionsspinner in Hohnweiler einen Baum befallen hat, ist der Weg zur Grundschule gesperrt
picture alliance/dpaVon weitem wirkt es wie eine übliche Baustelle: rot-weißes Flatterband, eine gesperrte Wiese, ein unpassierbarer Gehweg. Doch wer näher tritt, erkennt schnell – hier wird nicht gebaut. In Auenwald-Hohnweiler (Rems-Murr-Kreis) warnt aktuell ein Schild unmissverständlich: „Achtung! Eichenprozessionsspinner – Allergiegefahr!“
Auf Nachfrage bei der Gemeindeverwaltung klärt sich, was genau hinter der auffälligen Absperrung steckt: Raupen des Eichenprozessionsspinners haben sich auf einer Eiche ausgebreitet – an einem sensiblen Ort in unmittelbarer Nähe zur Grundschule und zu Tennisplätzen. „Wir haben bereits am Freitagmorgen den Bereich vorsorglich gesperrt“, erklärt Pierre Mayer, Leiter des Bauamts.

Der Eichenprozessionsspinner kann für Menschen aber auch Tiere gefährlich werden.
Foto: picture alliance/dpaDie pelzigen Raupen sind nicht nur lästig – sie gelten laut Experten als biologisches Warnsignal: für die Folgen des Klimawandels und ein aus dem Gleichgewicht geratenes Ökosystem. Ihre feinen Brennhaare, mit dem gefährlichen Protein Thaumetopoein angereichert, können bei Menschen Hautausschläge, Atemnot oder allergische Schocks auslösen – selbst wenn sie nur durch den Wind getragen werden.
Eichenprozessionsspinner: Warnsignal für Klimawandel-Folgen

Der befallene Baum liegt In unmittelbarer Nähe zu Schule und Sportstätten
Foto: Frank RodenhausenLaut Angaben des Landratsamts beginnt die kritische Phase Ende Mai. Besonders gefährlich wird es in den Hochsommermonaten Juli und August. Spaziergänger sollen laut Empfehlung der Behörde betroffene Gebiete meiden, das Forstamt mahnt zur Vorsicht.
Professionelle Entfernung der Eichenprozessionsspinner-Nester
Die Gemeinde betont im konkreten Fall, dass es sich bei der weiträumigen Absperrung, die auch den Fußweg zur Grundschule betrifft, um eine reine Vorsichtsmaßnahme handele. Ein professionelles Unternehmen sei bereits mit der Entfernung der Nester beauftragt worden. Dieses werde mit einem Spezialstaubsauger anrücken, denn ein Abbrennen könnte die Haare weiter verteilen. Solange auch nur ein Restrisiko besteht, bleibt das Areal abgesperrt, so Mayer.

Die Nester sollen abgesaugt werden.
Foto: picture alliance/dpaIn sensiblen Zonen – rund um Schulen, Kindergärten und Spielplätze – setzt die Gemeinde laut dem Bauamtsleiter auf ein regelmäßiges Monitoring. Der Fall in Hohnweiler ist in der Gemeinde Auenwald derzeit der einzige bekannte Befallsherd. Kreisweit gibt es hingegen mehrere Befunde.
Eichenprozessionsspinner: Massenbefall mit dramatischer Dynamik
Der Eichenprozessionsspinner lebt in typischen Gespinstnestern und zieht in langen Reihen über Eichenstämme. Ab Juli verpuppen sich die Raupen, im August schlüpfen die Falter. Ein Weibchen kann bis zu 150 Eier ablegen – ein Massenphänomen mit dramatischer Dynamik.
Klimawandel fördert Eichenprozessionsspinner-Ausbreitung
Der Naturschutzbund (Nabu) sieht einen klaren Zusammenhang mit dem Klimawandel. Wie aus einem Hintergrundpapier von Mai 2024 hervorgeht, fördert das warme, trockene Frühjahr die Vermehrung des Schädlings. Seit den 1990er Jahren nehmen Massenbefälle in Süddeutschland deutlich zu.
Auch der Deutsche Wetterdienst ist mittlerweile involviert. Mit Systemen wie PHENTHAUproc lässt sich per Wettermodell lokaler Befallsdruck vorhersagen – Frühwarnsysteme für eine neue Realität. In betroffenen Regionen wird geraten, Bänke oder Grillplätze nahe alter Eichen in den Sommermonaten zu meiden.
Tipps im Zusammenhang mit dem Eichenprozessionsspinner
Der akute Fall in Hohnweiler zeigt: Der Eichenprozessionsspinner ist mittlerweile auch im Rems-Murr-Kreis angekommen. Dank schneller Reaktion der Gemeinde, koordinierter Fachbekämpfung und Information durch Forst- und Gesundheitsbehörden ist die Lage unter Kontrolle – so weit es möglich ist in Zeiten des Klimawandels.
Doch das Signal ist klar: Aufmerksam bleiben, Abstand halten, Fachleute an den Insektenbefall ranlassen. So schützt man die Gemeinschaft und vor allem Kinder vor nagenden Brennhaaren und möglichen schweren Reaktionsketten.
