Keine S-Bahn zwischen Bad Cannstatt und Hauptbahnhof: „Es ist schlimmer als beim VfB-Spiel“
Die Menschen stehen dicht an dicht im Zug, viele versuchen, doch noch reinzukommen, trotz des großen Gedränges. Aber einige Pendler bleiben auf dem Bahnsteig zurück. „Hier steige ich nicht ein“, sagt eine Frau, die am Mittwochmorgen auf dem Waiblinger Gleis eins wartet, „das tue ich mir nicht an.“ Sie macht ihrem Ärger Luft: „Das ist eine Zumutung.“ Sie ist von Schorndorf mit der S 2 nach Waiblingen gefahren und wollte dann in den Regionalzug nach Bad Cannstatt einsteigen. Dort arbeitet sie in der Medizinbranche.
Ersatzbusse für die S-Bahn Stuttgart
Seit Mittwoch müssen Pendler noch mehr Nervenstärke als sonst mitbringen. Bis Samstag 23. November, 0.45 Uhr, fahren zwischen Bad Cannstatt und Stuttgarter Hauptbahnhof keine S-Bahnen. Ein paar wenige Regionalzüge sind auf der Strecke unterwegs. Die Bahn hat einen Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Der Grund für die dreitägige Sperrung: Die Bahn muss Weichen am Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs erneuern.

Großer Andrang bei der S-Bahn am Mittwochmorgen auf Gleis eins in Waiblingen, die ohnehin schon voll ist
Foto: Eva SchäferDie Pendlerin aus Schorndorf ist schon vor Beginn ihrer Arbeit gestresst. Sie habe bereits im Betrieb Bescheid gesagt, dass sie später kommt. Aber Minusstunden anzusammeln sei auch eine Belastung. „So viel Urlaub habe ich auch nicht“, sagt sie. Da sie am Bein etwas gehandicapt sei, hätte sie es auch nicht geschafft, in den wenigen Minuten Umsteigezeit in Waiblingen vom Gleis fünf auf Gleis eins zu kommen. Die S 3 um 8.15 Uhr hat sie nicht erreicht. Der übervolle Mex ist ohne sie weitergefahren, nun nimmt sie die nächste S 3 um 8.30 Uhr. Die ist im hinteren Wagen zum Glück nicht so voll wie befürchtet. So muss sie nicht in Sardinenbüchsen-Manier nach Bad Cannstatt.

Die Busse des Ersatzverkehrs von Bad Cannstatt nach Stuttgart starten stadtauswärts und nehmen dann eine Schleife auf dem Wilhelmsplatz.
Foto: Eva SchäferViele Pendler wenden sich an die beiden Reisendenlenker der Bahn mit ihren gelben Westen , die am Gleis in Cannstatt bereit stehen – im Schichtbetrieb von 6 bis 22 Uhr. „Wenn ich das Ganze gewusst hätte, hätte ich anders geplant“, sagt ein Mann, der nach Filderstadt will. Viele versuchen, sich zu orientieren. Mit Plakaten ist der Weg zu den Ersatzbussen, die im 5- und 10-Minuten-Takt rollen, ausgeschildert. „Ich habe nicht gedacht, dass die Ersatzbusse stadtauswärts auf dieser Seite starten“, sagt eine Frau aus Sechselberg, die zu einem Pflegekurs ins Bürgerhospital will und eigentlich um 9 Uhr dort sein wollte.
„Hier sind die Busbuchten“, erklärt ein Busfahrer. Auch ein Sprecher der Bahn macht deutlich, dass nur auf dieser Straßenseite Busse halten können. „Die Ersatzbusse fahren dann eine Schleife über den Wilhelmsplatz.“ Auch Autos stauen sich am Cannstatter Wilhelmsplatz, da geht es ebenso mühsam voran. Proppenvolle Stadtbahnen aus Fellbach rollen vorbei. „Es war schlimmer als beim VfB-Spiel“, sagt Jona Santelli, der morgens zur Uni fuhr, „dicht an dicht. Die in Cannstatt konnten nicht einsteigen, weil es so voll war.“ Sein Kommilitone habe drei Bahnen ausfallen lassen, weil er nicht reingekommen sei. Abseits der Stoßzeiten sieht alles anders aus – um 10.30 Uhr bot die S-Bahn von Cannstatt nach Fellbach viel Raum. „Doch was nützt mir das, wenn ich um 8.30 Uhr da sein muss?“, sagt die Schorndorfer Pendlerin.
Informationen online: www.vvs.de/bauarbeiten-aktuell und www.s-bahn-stuttgart.de







