Rems-Murr-Kreis: Geschichte zum Anfassen: 7 spannende Ausflüge in die Vergangenheit

Diese römischen Grenzsoldaten bewachen das Tor des Ostkastells in Welzheim (Archivbild).
Jan PotenteWie fühlte sich ein Soldat, der die römische Grenze Limes bewachen und schützen musste? Wieso liegt ein Totenschädel im Waiblinger Wehrturm? Und was hatte es mit dem Silberschatz in Großerlach auf sich? Der Rems-Murr-Kreis ist reich an Geschichte und Spuren aus der Vergangenheit. Wir stellen sechs Ziele vor, die einen in längst vergangene Zeiten katapultieren.
1. Reise in die Zeit der Römer

Römische Soldaten unter sich (Archivbild).
Foto: Jan PotenteAuf dem frei zugänglichen Gelände des Ostkastells in Welzheim können Besucher in die längst versunkene Welt der Römer eintauchen. Nach Ausgrabungen in den 1980er Jahren wurde das Westtor des Ostkastells mit vier Toren wieder aufgebaut. Im archäologischen Park klären Tafeln über das Leben in der Römerzeit auf. Das Kastell lag am rund 550 Kilometer langen obergermanischen Limes, einer beeindruckenden Grenzbefestigung, die seit dem Jahr 2005 ein Unesco-Weltkulturerbe ist. Wie der Alltag der dort stationierten Soldaten aussah, wissen die Limes-Cicerones sehr genau. Sie sehen sich als „Reiseführer für die antiken Relikte der römischen Herrschaft“, schieben an Sonn- und Feiertagen Wache und machen die ferne Vergangenheit mit ihren Erzählungen wieder lebendig. An bestimmten Terminen bieten sie auch Nachtwachen, Nachtpatrouillen und Kastellinspektionen an.
2. Stadtmauer mit Studentenknast und Totenkopf

Die Stadtmauer ist teilweise überdacht und in einem rund 750 Meter langen Ring um die Waiblinger Altstadt (Archivbild).
Foto: Gottfried StoppelKaum eine Kommune in der Umgebung hat eine so gut erhaltene Befestigung wie Waiblingen. Rund um die Altstadt zieht sich eine ringförmige, rund 750 Meter lange und bis zu zwölf Meter hohe Hauptmauer. Ursprünglich war diese rund tausend Meter lang. Ein Großteil der erhaltenen Mauer ist öffentlich und kostenfrei zugänglich, ein Teil davon auch überdacht. Ein Rundgang gleicht einer Zeitreise ins Mittelalter: meterdicke Mauern mit Schießscharten, Wehrtürmen und uraltem Gebälk. Sogar eine ehemalige Arrestzelle, in der ein Totenkopf Wache hält, liegt auf der Route. Der Mauergang ist mal gut zwei Meter breit, mal so schmal, dass keine zwei Menschen nebeneinander gehen können. Ein guter Einstieg ist der Zugang neben dem Beinsteiner Tor in der Langen Straße 1. Von dort führt der Mauergang ohne Unterbrechung bis zum Postplatz. Danach gelangt man bergauf zum Hochwachtturm am höchsten Punkt der Altstadt. Dort sowie in der Weingärtner Vorstadt sind ebenfalls Überbleibsel der Stadtbefestigung erhalten geblieben.
3. Raritäten der lokale Technikgeschichte

Eines der Schmuckstücke aus der Techniksammlung in Backnang (Archivbild)
Foto: Gottfried StoppelMitte der 1990er Jahre ging die Backnanger Firma Kaelble Konkurs – so verschwand eine weitere Traditionsfirma aus der Stadt. Die ehemalige Fabrikhalle des Bau- und Zugmaschinenherstellers beherbergt inzwischen das Technikforum Backnang. Die Techniksammlung zeigt interessante Exponate aus der lokalen Industriegeschichte, sie versteht sich als Schau-Depot. Ein besonderes Schmuckstück ist eine von einem Privatmann restaurierte und gestiftete Zugmaschine aus dem Jahr 1971 mit 270-PS-Motor, die in dieser Ausführung keine hundert Mal gebaut wurde.
4. Eine Kirche als überdimensionales Bilderbuch

Die Wände der Martinskirche sind mit biblischen Geschichten bemalt (Archivbild).
Foto: Gottfried StoppelWie ein riesiges Bilderbuch sieht das Innere der Martinskirche in Waiblingen-Neustadt aus. Die Wände sind mit biblischen Geschichten und Figuren bemalt. Von Marias Geburt und Hochzeit über die Geburt Jesu und dessen Kindheit reichen die Darstellungen, auch diverse Heilige haben einen Auftritt. Der heilige Veit sitzt beispielsweise in einem großen gelben Kessel, das heiße Öl steht ihm bis zum Bauchnabel. Zwei Schritte weiter ist Veits Kollege Laurentius abgebildet. In einer hoch erhobenen Hand hält er sein Erkennungszeichen: den Grillrost, auf dem er der Legende zufolge qualvoll zu Tode gemartert worden ist. Für die Menschen im bildarmen Mittelalter müssen die Malereien, deren Farben einst viel kräftiger waren, wie ein kleines Wunder gewesen sein. Unbekannte Maler haben um 1380 den Chor und einige Jahrzehnte später die Wände des Kirchenschiffs mit den biblischen Szenen bemalt. Sie sind eine Besonderheit im Großraum Stuttgart und wurden mit viel Aufwand und Geld restauriert und gesichert. Lange Zeit waren die Wandmalereien in der Martinskirche unter Putz verborgen und vergessen. Entdeckt wurden sie zufällig: im Jahr 1954, als die Orgel im Chor ausgebaut und der Putz beschädigt wurde.
5. Ein Silberschatz? Ein dreister Betrug!

Ungefähr 37 Meter lang ist der begehbare Teil des Stollens in Großerlach. Im Jahr 1773 haben ihn Arbeiter mühselig in den Stubensandstein gehauen
Foto: Frank EpplerIm späten 18. Jahrhundert herrschte im kleinen Ort Großerlach Goldgräberstimmung: Damals entdeckten drei Bauern beim Graben eines Brunnens glänzendes Gestein. Ein angeblicher Experte identifizierte dieses als Silber und stellte Aktionären hohe Gewinne in Aussicht. Um an das Edelmetall zu kommen, wurde fleißig gebuddelt und sehr viel Geld investiert. Doch es kam, wie es kommen musste: Das Silberbergwerk „Gabe Gottes“ war ein Flop, der findige Geschäftsmann und vermeintliche Experte ein Betrüger, der im Gefängnis landete. Immerhin ist der knapp 40 Meter lange begehbare Teil des Stollens, den Arbeiter in den Stubensandstein schlugen, bis heute erhalten und frei zugänglich. Ein spannendes Zeitzeugnis, das beweist, dass die Welt früher eben auch nicht besser war.
6. Aufstand gegen den Adel

Herzog Ulrich kannte keine Gnade mit den Anführern des Geheimbunds: Sie wurden geköpft (Archivbild).
Foto: Gottfried StoppelWer sich nach Weinstadt-Beutelsbach aufmacht, bekommt gleich zwei Museen an einem Standort: In der Stiftstraße 11, im vorbildlich restaurierten historischen Beutelsbacher Rathaus aus dem Jahr 1534, sind das Museum Wiege Württembergs und das Museum Bauernkrieg untergebracht. In beiden Fällen spielte Beutelsbach eine wichtige Rolle. Der Ort gilt als Ursprung des württembergischen Königshauses und als der Platz, an dem der Tagelöhner Peter Gais 1514 den württembergischen Aufstand des „Armen Konrad” in Gang brachte. Er gilt als der bedeutendste Vorläufer des großen Bauernkriegs im Jahr 1525 und als Meilenstein auf dem Weg zur heutigen Demokratie.
7. 25 Bunker aus dem Kalten Krieg

Im ehemaligen Sperrgebiet sind rund 25 Bunker der US-Armee erhalten geblieben (Archivbild).
Foto: Gottfried StoppelMitten im Wald stehen bei Waldstetten (Ostalbkreis) insgesamt 25 fast identische Bunker – ein Überbleibsel aus der Zeit des Kalten Kriegs. Die ungefähr 14 auf zwölf Meter großen Gebäude hat die US-Armee Anfang der 1950er Jahre bauen lassen, als Lagerplatz für Lebensmittel, Waffen, Munition und Zelte. Die Depots wurden von US-Soldaten bewacht, die um das umzäunte Gelände patrouillierten und jeden kontrollierten, der an einer der drei Einfahrten auftauchte. Das ist Geschichte. Heute kann man ungehindert das Gelände erkunden. Große Tafeln, auf denen das Wegenetz eingezeichnet ist, helfen Besuchern bei der Orientierung auf dem weiträumigen Gelände. Das einstige militärische Sperrgebiet ist inzwischen ein Naturschutzgebiet, und die Natur hat sich das Gelände zurückerobert: Gut die Hälfte der einst sechs Meter breiten asphaltierten Wege sind zugewachsen, Vögel zwitschern und Schmetterlinge flattern von Blüte zu Blüte.
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