75 Jahre Instituts français: Ein Akzent, der Stuttgart gut tut


Kenner französischer und deutscher Eigenheiten: Kabarettist Alfons bei der Gala zur 75-Jahr-Feier des Institut français im April in Stuttgart
Daniela WolfBonjour Stuttgart! Am Sonntag enden die 22. deutsch-französischen Wochen. Zur Finissage spielt der französische Pianist Jonathan Fournel im Kursaal Werke von Beethoven und Chopin – der Schlussakkord eines zwölftägigen dichten Programms, das mit einer Gala anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Instituts français in Stuttgart begann.
Im Kern dieses Jubiläums steht die deutsch-französische Freundschaft, der eine tiefe Feindschaft vorausging, verbunden mit unendlich viel Kriegsleid. Diese Feindschaft in den vergangenen acht Jahrzehnten überwunden zu haben, zählt zu den großen Errungenschaften der Nachkriegszeit und ist beständiger Grund zu feiern – nicht nur an Jahrestagen wie jetzt.
Die Geschichte de Instituts français in Stuttgart – zuerst in der Diemershaldenstraße in der Halbhöhe und seit 2013 in der Schlossstraße am Berliner Platz und damit mittendrin – zeigt, dass die durch Versöhnungsbereitschaft und viele vertrauensbildende Maßnahmen entstandene Freundschaft mehr ist, als ein Schlagwort in Sonntagsansprachen. Sie ist gelebte Praxis. Davon zeugt die starke Nachfrage nach Angeboten des 1951 in Stuttgart eröffneten französischen Kulturinstituts – vorweg nach seinen Sprachangeboten. Davon zeugen auch viele französische Spuren in der Stadt, über die ein neu entwickelter Audioguide (Balado – La France à Stuttgart) kenntnisreich informiert.

Das Institut français in der Schlossstraße 51.
Foto: Lichtgut/Leif PiechowskiZugleich gibt es ein erkennbares Bemühen in der Stuttgart, wie auch in der Region, sich mit den französischen Nachbarn nicht nur gut verstehen, sondern sich auch tatsächlich näher kommen zu wollen, wobei der Begriff Nachbarschaft durchaus wörtlich zu nehmen ist. Allein in der Landeshauptstadt leben rund 3000 französische Bürger und setzen hier einen wohlklingenden, sympathischen Akzent.
Diese Freundschaft findet ihren Ausdruck auch in symbolischen Akten, wie dem Pflanzen von Straßburger Reben in einem Cannstatter Weinberg oder der Einweihung des Straßburger Platzes zwischen Landtag und Oper 2024. Daran lohnt es ebenso zu erinnern, wie an die Tatsache dass die beiden Städte schon seit 1962 eine beidseits gut gepflegte Städtepartnerschaft verbindet. Dazu passt die Zahl von rund 70 Vereinen, Institutionen und Schulen, die regelmäßig im Austausch miteinander sind.
Die Städtepartnerschaft von 1962 zeugte von Weitsicht
Erinnert werden sollte in dem Zusammenhang auch an die Wegbereiter: Straßburgs früheren Bürgermeister und Präsidenten des Europäischen Parlaments, Pierre Pflimlin, dem ein Platz beim Stuttgarter Rathaus gewidmet ist, sowie an seinen Amtskollegen Arnulf Klett. Die Partnerschaft, die sie 1962 besiegelten, zeugte von Weitsicht. Sie datiert noch ein Jahr vor dem Élysée-Vertrag, dem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag von 1963, und wurde von ihren Nachfolgern konsequent vertieft.
Der französische Kabarettist Alfons brachte die Unterschiede in der Lebensart dies- und jenseits des Rheins beim 75-Jahr-Jubiläum des Instituts français köstlich auf den Punkt: „Die Franzosen haben 1963 vorgeschlagen: ,Lasst uns einen Rotwein auf die Freundschaft trinken‘, aber ihr Deutschen wolltet ja einen Vertrag schließen. Ich hoffe, ihr habt noch eine Kopie davon, wir haben nämlich keine Ahnung, wo er ist.“ Der Freundschaft tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil. Auf die nächsten 75 Jahre: Santé!