Automobilauktion in Stuttgart
: Lieferung wäre möglich – ersteigert ein Bieter aus Teheran den Rolls-Royce?

Die mit Spannung erwartete Automobilauktion an diesem Samstag soll dem Auktionshaus Nagel die Tür zu einem neuen Geschäftsfeld öffnen. Interessenten gibt es in der ganzen Welt.
Von
Torsten Schöll
Stuttgart
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  • Für den Autoexperten Thomas Kamm verkörpert der Rolls Royce 20/25 von 1934 den Luxus einer längst vergangenen Automobil-Epoche.

    Torsten Schöll
  • Das Auto, das durch „die Nitribitt“ bekannt wurde: der Mercedes-Benz 190 SL (W121). Das beim Nagel zum Verkauf stehende Exemplar stammt aus dem Jahre 1958 und wurde in den 1980er-Jahren bei einer aufwendigen Restaurierung komplett auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt. Das Auto geht mit der Hälfte des Schätzpreises von 140.000 Euro bei der Auktion an den Start.

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  • Kein Schnäppchen: Der rote Triumph TR SS Superleggera ist ein echtes Einzelstück. Das spannendste Teil an diesem Auto ist die kleine Plakette „Touring“. Die Mailänder Karosseriewerkstatt hat das Rennfahrzeug auf einem Triumph-Chassis aufgebaut und darauf einen handgefertigte Aluminium-Karosserie gedengelt. Das Auto, mit einem Schätzpreis von rund 300.000 Euro, wurde dadurch extrem leicht.

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  • Die besten „Pferde“ im Stall: Die Logos von Ferrari und Porsche ähneln sich bekanntlich. Beide vereint das steigende Pferd im Wappen. Preislich lässt der mit knapp 500.000 Euro taxierte feuerrote Ferrari Modificata seinen Stall-Nachbarn klar hinter sich. Der zitronengelbe Porsche 911 T 2.4 „Ölklapppe“-Coupé von 1972 wird auf rund die Hälfte geschätzt.

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  • Im Rolls Royce, der bei Nagel versteigert wird, lässt sich mit Sicherheit standesgemäß reisen. Vorausgesetzt, man hat einen Chauffeur.

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  • Der Fiat 500 F von 1968 zeigt sich trotz seines Alters in bestem Zustand. 2002 wurde er gründlich restauriert. Der „Cinquecento“ ist mit einem Schätzpreis von rund 20.000 Euro der perfekte Start in die Sammelleidenschaft. „Dieses Auto wird nie mehr seinen Wert verlieren“, sagt Automobilexperte Thomas Kamm.

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  • Bei der ersten Automobilauktion des Stuttgarter Auktionshauses Nagel sind Fahrzeuge von Mercedes und Porsche stark vertreten.

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  • Jedes Detail zählt bei den edlen Karossen, die am Samstag in Stuttgart unter den Hammer kommen.

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  • Andreas Horn und seine Frau würden gerne bei der Auktion mitbieten. Der Porsche 911 Targa hat es ihnen angetan. Der Schätzpreis für das Fahrzeug liegt bei rund 200.000 Euro. Ob der Cannstatter den Zuschlag erhält, wird sich am Samstagnachmittag erweisen.

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Mit der ersten Automobilauktion seit 30 Jahren fordert am Samstag das Stuttgarter Auktionshaus Nagel die Schwergewichte RM Sotheby’s und Bonhams heraus. Was Nagel aufgefahren hat, um „einen Fuß in die Tür“ der internationalen Automobilauktionen zu bekommen, konnten Interessenten schon am Donnerstag und Freitag im Waldbaur-Areal in Stuttgart-West vorab inspizieren.

Beim Durchschreiten der Schauräume wird schnell klar: Für Autoenthusiasten dürfte Walhalla gerade in der Rotebühlstraße liegen. Im Waldbaur-Areal gegenüber dem Feuersee hat das Auktionshaus Nagel genügend Platz gefunden, um die mehr als 20 edlen und vor allem hochpreisigen Boliden aus knapp 100 Jahren stilgerecht zu präsentieren, bevor sie unter den Hammer kommen.

Rolls-Royce lässt Sammlerherzen in Stuttgart höherschlagen

Im Cockpit des 190 SL von 1958 funkeln die verchromten Armaturen. Bei Oldtimer-Fans, die ihren Liebling auch fahren wollen, dürfte dieses Fahrzeug zu den begehrtesten der Auktion gehören.

Foto: Torsten Schöll

Blitzendes Chrom, jede Menge Sterne und Pferde auf den Motorhauben und sogar eine Spirit of Ecstasy, die berühmte Kühlerfigur von Rolls-Royce, lassen hier die Herzen finanzkräftiger Sammler höherschlagen. Denn genau die dürften sich mehrheitlich am Samstag um die automobilen Preziosen ein Wettbieten liefern.

„Wir haben aber auch etwas für die sogenannten Jungsammler“, sagt Thomas Kamm, ein internationaler Experte für Sammlerfahrzeuge, mit dem das Auktionshaus Nagel bei dieser Versteigerung zusammenarbeitet. Ein knuffiger, top restaurierter Fiat „Cinquecento“ in einem quietsch-hellblauen „Azzuro Aqua Marina“, Baujahr 1968, kommt bei einer Taxe von rund 20.000 Euro für diese Klientel zum Beispiel als Einstieg ins Hobby in Frage. „Oder die Alfas“, empfiehlt Kamm. Ein Alfa Romeo Junior Zagato GT aus dem Jahr 1971 liegt zwischen vergleichsweise günstigen 35.000 und 50.000 Euro.

Dass es in der Autostadt Stuttgart überraschenderweise bisher kaum Automobil-Auktionen gegeben hat und wenn, dann nur markenrein bei Mercedes oder Porsche, wundert auch den Experten. Das genau ändern will Fabio Straub, der Chef des Auktionshaus Nagel, das vielen bisher vor allem als Spezialist für asiatische Kunst und Antiquitäten bekannt sein dürfte. „Wir lassen mit der ersten Automobilauktion seit fast 30 Jahren einen Versuchsballon starten“, betont Straub. Die Marktführer in diesem Segment seien RM Sotheby’s und Bonhams in Kanada und England. Die gilt es herauszufordern.

Ob das gelingt, entscheidet sich am Samstag, nachdem Auktionator Christoph Bouillon, unter anderem bekannt als Experte der Sendereihe „Kunst und Krempel“, das letzte Gebot aufgerufen hat. Spannend wird dann vor allem, in welchen Sphären die Boliden am oberen Ende der Taxierungsskala vorgestoßen sind. Neben der Rekonstruktion eines Stromlinien-Porsche Typ 60 K10-RR, der bei rund einer dreiviertel Million Euro angesiedelt ist, könnte auch ein feuerroter Ferrari 512 M „Modificata“ von 1996 die Nase vorn haben. Schätzpreis hier eine knappe halbe Million Euro. Das „Kronjuwel der Testarossa-Familie“, schwärmt Thomas Kamm.

Mercedes und Porsche sind bei der Auktion in Stuttgart stark vertreten

Preislich überraschend ist im Vergleich dazu der Rolls-Royce im Programm, der zwar mit 91 Jahren das älteste Automobil der Auktion ist. Mit unter 100.000 Euro Taxe ist die Luxuslimousine dafür aber ein echtes Schnäppchen. „Der Einlieferer hat das Fahrzeug eigens für die Hochzeit seiner Tochter aufwendig restaurieren lassen“, sagt Kamm. Bemerkenswert: Ein Interessent aus dem Iran hat sich bereits mehrmals beim Auktionshaus erkundigt, ob das Schmuckstück auf vier Rädern auch nach Teheran geliefert werden könnte. „Ja, es kann“, versichert Thomas Kamm mit einem Lächeln.

Andreas Horns Herz schlägt vor allem für Porsche und Mercedes, die, kein Wunder in Stuttgart, zahlenmäßig am stärksten bei der Auktion vertreten sind. Sein Favorit ist ein schwarzer Porsche 911 Targa „Softwindow“. Der Cannstatter Autoliebhaber hat bereits drei Oldtimer in der Garage, VW und Mercedes, wie er erzählt. Ob am Samstag der Porsche hinzukommt? „Wenn ich Zeit habe, biete ich mit“, sagt Horn am Freitag bei der Vorbesichtigung. Der Startpreis für das Schmuckstück liegt bei 92.000 Euro.

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