Campino trifft Strobl
: „Ich würde von einem Rechtsdruck sprechen“

Wenn der Punkrocker auf den Innenminister trifft: Campino und Strobl diskutieren beim Dokville-Festival über Rechtsruck in Deutschland.
Von
Anja Wasserbäch
Stuttgart
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Thomas Strobl (Mitte) und Campino werden beim Dokville Festival von Moderatorin Brigitta Weber befragt.

Lichtgut

Kann ein Gespräch zwischen Punkrock-Ikone und Innenminister einen konstruktiven Beitrag zur Debatte um den Rechtsruck leisten? Beim Dokville-Festival treffen Campino und Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl aufeinander – eine ungewöhnliche Zusammenkunft zu einem wichtigen Thema: dem Rechtsruck in Deutschland.

Mit einem überraschten Blick zurück eröffnete Campino die Diskussion: „Wer hätte 1982 gedacht, dass ich mal mit einem Innenminister im selben Boot sitzen würde, um die Demokratie zu verteidigen?“ Das Panel beim Dokville-Festival, einem Branchentreffen im Stuttgarter Hospitalhof, war prominent besetzt – und die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend hoch. Neben Campino, der mit den Toten Hosen im nächsten Jahr auf dem Cannstatter Wasen spielt, sitzt Thomas Strobl (CDU).

Strobl betont: „Unser Grundgesetz ist ein großartiges Geschenk.“ Und fügt mit Nachdruck hinzu: „Da fehlt mir wirklich jedes Verständnis, wenn ich heutzutage höre, in unserer pluralen Gesellschaft, in unserer Demokratie und in der Freiheit, in der wir leben, könne man manches gar nicht mehr sagen. Das Gegenteil ist richtig, man kann alles sagen, auch den größten Blödsinn.“

Beide eint die Meinung, dass es in Zeiten von Social Media alles schneller geht. Campino fordert von Kolleginnen und Kollegen keineswegs, dass sich alle positionieren müssten. Denn: „Das muss man aushalten können und wollen. Diese Shitstorms, diese Anfeindungen und die Möglichkeiten der anonymen Angriffe haben sich potenziert.“

Ganz klar sei die Politik in der Prävention gefragt, mehr Geld in Schulen, Jugendzentren und Sportvereine zu investieren, fordert Campino. Und an die CDU richtet sich seine Forderung, sich zu besinnen, für was man einmal angetreten ist. „Mein Vater war in den Gründungsjahren 1945 bis 1950 dabei. Wenn ich mir die Union heute ansehe, speziell in Bayern, glaube ich, dann sind wir auf dem falschen Weg.“

Campino erinnert sich, wie er für seinen Vater CDU-Handzettel in Briefkästen verteilen musste: „Das habe ich ihm bis heute nicht verziehen.“ Bis auf ein paar solcher Schmunzelmomente beherrscht die Schwere des Themas den Saal. „Ich würde eher von einem Rechtsdruck sprechen. Denn der Ruck impliziert, dass da irgendwas mit einer Schnelligkeit passiert ist“, erklärt Campino. Bilanz des Panels ist auch, dass der Rechtsruck keineswegs ein bundesdeutsches Phänomen ist. „In Europa sind eine ganze Menge rechte Parteien auf dem Vormarsch. In den USA erleben wir gerade eine Blaupause für die Art der strategischen Kriegsführung gegen die Demokratie“, bemerkt Campino. Was aber kann Kunst bewirken? Innenminister Strobl ist der Auffassung, dass Kunst und Kultur eine Wirkmacht haben und bittet Campino: „Nicht aufgeben! Weitermachen!“

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