Cannstatter Volksfest: 8 Gründe, warum wir uns nicht darüber freuen, dass Wasen ist

Nicht alles auf dem Cannstatter Wasen ist eitel Sonnenschein.
Sebastian Gollnow/dpa- Das Volksfest polarisiert Stuttgart – acht Gründe sprechen gegen den Wasen-Besuch.
- Hohe Kosten schrecken ab: Maßpreise stiegen, günstiger nur werktags von 12 bis 15 Uhr.
- Trachten-Boom mit bayrischem Einschlag und fragwürdige Zeltmusik sorgen für Kritik.
- Wiesn-Grippe, rund 800 Straftaten und stressige ÖPNV-Fahrten mindern die Freude.
- Firmenfeiern bergen Peinlichkeiten, Anwohner in Bad Cannstatt klagen über Lärm und Müll.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Stuttgart teilt sich nicht nur in zwei Lager, wenn es um den VfB und die Kickers oder um „oben bleiben“ und Stuttgart 21 geht. Auch die Volksfeste auf dem Cannstatter Wasen haben Potenzial zur Spaltung. Während die einen sich schon Wochen vorher auf Zuckerwatte und Bierzelt freuen, legen nicht wenige ihren Jahresurlaub genau in diese drei Wochen, um fluchtartig die Stadt verlassen zu können und damit dem Volksfest und seinen Gästen aus dem Weg zu gehen. Diese acht Gründe könnten für eine Stadtflucht und gegen das Spektakel auf dem Wasen sprechen:
1. Volksfest ist nichts für arme Studis
Die Maß Bier ist so teuer wie noch nie. Die Preise sind im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen. Schon 2023 war die Maß kaum noch unter 13 Euro zu bekommen, etwa 13,60 Euro im Fürstenberg-Festzelt und 13,40 Euro beim Wasenwirt. 2026 steigen die Preise weiter an. Der Preis für die Maß Wulle liegt in diesem Jahr bei 15,40 Euro. Beim diesjährigen Frühlingsfest kostete der Liter Bier beim Göckelesmaier noch 14,60 Euro. Günstiger wird es von Montag bis Freitag von 12 bis 15 Uhr. Da sinkt der Preis auf 9,90 Euro.
Und auch sonst müssen Besucherinnen und Besucher tief in die Taschen greifen. Zum Bier noch etwas zu essen, eine Runde Achterbahn und ein paar Glückslose – schnell sind da an die 100 Euro weg. Studierende und Familien mit wenig Geld können sich einen Besuch oft nicht leisten.
2. Falsche Trachten auf dem Volksfest
Während man vor 15 Jahren in Stuttgart in Jeans und T-Shirt ins Festzelt ging, überwiegen heute Frauen und Männer in Dirndl und Lederhosen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um traditionell schwäbische Trachten, sondern viel mehr um bayrische. Ist das noch der Wasen oder nur noch eine kleine Wiesn?

Wo man hinschaut: Dirndl und Lederhosen am dem Wasen.
dpa3. Volksfest in den Zelten: Fragwürdige Musik
Erinnern Sie sich noch an die Diskussionen von 2022, als DJ Robin seinen Nummer-eins-Hit „Layla“ veröffentlichte? Viele Veranstalter:innen fragten sich damals: Sollen wir diesen Song, in dem auf sexistische Art und Weise über eine Prostituierte gesungen wird, bei unserem Fest spielen? Zumindest auf der Wiesn und dem Cannstatter Volksfest war der Song nicht nur einmal zu hören. Nicht wenige argumentierten damit, es gäbe Lieder mit durchaus frauenfeindlicheren Texten, die bereits seit Jahren gespielt werden würden. Stimmt. Aber macht es das besser?
4. Volksfest als Erkältungs-Hotspot
In München sprach man auch schon lange vor der Coronapandemie von der sogenannten Wiesn-Grippe, also davon, dass nach dem Oktoberfest viele krank wurden. Besser nur aus dem eigenen Maßkrug trinken!
5. Übergriffe und Straftaten auf dem Volksfest
Körperverletzung, Taschendiebstahl oder Beleidigung – rund 800 Straftaten sind im vergangenen Jahr beim Cannstatter Volksfest polizeilich registriert worden. Die meisten Fälle darunter: Körperverletzungen, Beleidigungen und Rauschgiftdelikte. Für die Polizei, die sogar ein eigenes Revier direkt auf dem Wasen-Gelände hat, ist das Volksfest vor allem ein großer Kraftakt. In zahlreichen Schichten arbeiten die Beamtinnen und Beamte.
6. Volksfest mit dem Arbeitsteam – Schunkeln mit dem Chef
Mittlerweile ist es bei vielen Firmen gang und gäbe, mit den Kolleginnen und Kollegen aufs Volksfest zu gehen. Da wird dann ein Tisch im Festzelt gemietet, alle essen, trinken und schunkeln zusammen. Pannen und Peinlichkeiten sind vorprogrammiert.
7. Bad Cannstatt und das Volksfest: Die armen Nachbarn
Während sich Touristen und Menschen aus dem Stuttgarter Umkreis über die Volksfeste auf dem Cannstatter Wasen freuen, haben die Bad Cannstatter selbst nur wenig Grund zur Freude. Zweimal im Jahr kämpfen sie mit den Hinterlassenschaften betrunkener Wasen-Gäste, Verkehrschaos und lauten Volksfestbesuchern, die durch die Straßen heimwärts ziehen.
8. Rückweg vom Volksfest: Halligalli im ÖPNV
Apropos Verkehrschaos: Bus-, S-Bahn- und vor allem Stadtbahnfahren macht vom 22. September bis 8. Oktober nur wenig Spaß. Vollgestopfte Züge kennen wir Stuttgarter bereits aus den Stoßzeiten, hinzu kommen jetzt aber grölende oder heulende Heimfahrer, die ihre Körperfunktionen nicht immer im Griff haben, und der eine oder andere betrunkene Fahrgast, der einen in ein „tiefgründiges“ Gespräch verwickeln will.
Dieser Text erschien erstmals am 3. Oktober 2024.