Christopher Street Day 2026: Alles, was man zur großen CSD-Demo in Stuttgart wissen muss

Die Stadträtin und Aktivistin Laura Halding-Hoppenheit demonstriert seit den 1980ern in Stuttgart für die Rechte der queeren Community (Foto aus dem Jahr 2025).
IMAGO/Arnulf Hettrich- Stuttgart feiert zwei Wochen lang CSD – Höhepunkt ist die Demo am Samstag, 25. Juli.
- Aufstellung ab 11.30 Uhr in der Rotebühlstraße, Abmarsch 14 Uhr, Finale 17 Uhr am Schlossplatz.
- Neu ist die „Little Pride“ für Alleinstehende, Treffpunkt 13.30–14.30 Uhr am Theater der Altstadt.
- Sicherheit: Sperren, Polizeipräsenz und Awareness-Team – Appell, nicht allein an- und abzureisen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In diesen Tagen steht Stuttgart im Zeichen des Regenbogens. Gute zwei Wochen lang feiert die LSBTIQA+-Community (und ihre Freunde und Allies) den Christopher Street Day (CSD) und weist so auf ihre Anliegen hin. Denn auch wenn sich in Sachen Akzeptanz und Gleichberechtigung viel getan hat, steigt die Gewalt gegen queere Menschen – auch in Deutschland, auch in Baden-Württemberg, auch in der Landeshauptstadt. Für umso wichtiger halten es die Aktivisten, mit der Stuttgart Pride ein Zeichen zu setzen: für Vielfalt, gegen Queerfeindlichkeit und Ausgrenzung.
Der unumstrittene Höhepunkt der CSD-Kulturwochen ist die CSD-Demo, die in diesem Jahr am Samstag, 25. Juli, stattfindet. 156 Formationen haben sich angemeldet. Das schrammt knapp an den 161 vom vergangenen Jahr vorbei, als Stuttgart den größten CSD aller Zeiten feierte.
LSBTIQA+, queer, Allies – was bedeutet das?
Die Abkürzung LSBTIQA+ steht für lesbische, schwule, bisexuelle, trans, inter, queere, asexuelle Menschen, das Plus schließt darüber hinaus andere Geschlechter und/oder Sexualitäten mit ein.
Queer war früher im Englischen ein Schimpfwort für homosexuelle und Trans-Menschen. Die LSBTIQA+-Community hat sich das Wort zurückerobert und bezeichnet sich heute selbst so. Unter diesem „Regenschirm-Begriff“ versammeln sich inzwischen ganz viele sexuelle Orientierungen und Identitäten.
Allies (auf Deutsch Verbündete oder Unterstützer) sind Menschen, die selbst nicht Teil einer marginalisierten Gruppe sind, aber diese aktiv unterstützen und für ihre Rechte eintreten.
CSD-Demo – um was geht's?
„Ein leuchtendes Zeichen für Vielfalt, Respekt, Akzeptanz und Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft“ – als solches ist die CSD-Demonstration, organisiert von der Interessengemeinschaft (IG) CSD Stuttgart, gedacht. Sie ist der Höhepunkt der CSD-Kulturwochen und hat den Anspruch, mehr zu sein als eine große, bunte Gute-Laune-Party.
Deshalb sprechen die Veranstalter auch bewusst von einer Demonstration und nicht von einer Parade. Denn der CSD war und ist sehr politisch. Es geht darum, die Anliegen und Forderungen der queeren Community sichtbar zu machen. Das Motto für 2026 lautet: „Ohne uns kein Wir! Füreinander laut, miteinander stark.“ Und das macht auch deutlich, worum es geht: um Solidarität, gerade in Zeiten der politischen und gesellschaftlichen Spaltung.
Ein Jubiläum gibt es ganz nebenbei auch noch zu feiern: In diesem Jahr ist die Gründung der IG CSD Stuttgart 25 Jahre her. Deshalb dauert die CSD-Hocketse auch drei statt zwei Tage. Aber auch die IG CSD ist von den Kürzungen bei der Kulturförderung betroffen. „Wir brauchen Geld, es ist einfach so“, sagt Betina Starzmann aus dem Vorstandsteam. Deshalb werden an allen drei Tagen „Spendenengel“ unterwegs sein, erkennbar an ihren weißen Westen und den Spendendosen. „Wenn es auch zukünftig einen CSD in Stuttgart geben soll, brauchen wir Unterstützung aus der Community und darüber hinaus.“
Wann und wo geht's los?
Ab 11.30 Uhr stellen sich in der Rotebühlstraße zwischen Schwab- und Senefelder Straße die Trucks und Fahrzeuge in der Reihenfolge auf, in der sie bei der Demo durch die Stuttgarter Innenstadt fahren werden. Gegen 13 Uhr sind die Gruppen dran, die zu Fuß unterwegs sein werden. Um 14 Uhr setzt sich der Tross dann in Bewegung. Wenn um 17 Uhr die Demo den Stuttgarter Schlossplatz erreicht hat, findet dort bis etwa 18 Uhr die Abschlusskundgebung statt mit verschiedenen Redebeiträgen aus der LSBTIQA+-Community.
Wie verläuft die CSD-Demo-Strecke?
Über die Rotebühlstraße und den Rotebühlplatz werden die Demonstrierenden in die Eberhardstraße ziehen. Von dort geht es über die Markt- und die Münzstraße zum Karlsplatz. Die Abschlusskundgebung wird dann auf dem Schlossplatz abgehalten.

Der Streckenverlauf der Stuttgarter CSD-Demo in diesem Jahr.
Infografik StZN/ZapletalWas ist in diesem Jahr neu?
Zum ersten Mal gibt es am Samstag in Stuttgart eine „Little Pride“. Sie ist für Menschen gedacht, die gerne zur CSD-Demo oder zur Hocketse gehen würden, aber niemanden haben, der sie begleitet. Die „Little Pride“ ist von den Veranstaltern dazu erdacht worden, „in einem sicheren Rahmen und unverbindlich“ neue Leute kennenzulernen. Treffpunkt ist zwischen 13.30 und 14.30 Uhr vor dem Theater der Altstadt (Rotebühlstraße 89). Die Leute aus dem CSD-Orgateam sind an ihrem Teamshirt und der Regenbogenfahne zu erkennen.
Wer ist dabei?
Viele Vereine, Gewerkschaften und Parteien fahren mit oder schicken Fußgruppen. Der VfB Stuttgart und sein queerer Fanclub Stuttgarter Junxx zum Beispiel. Vertreter der Stuttgarter CDU wie Alexander Kotz (Fraktionschef im Stuttgarter Gemeinderat) werden auf dem Truck der Lesben- und Schwulenunion (LSU) Baden-Württemberg mitfahren. Im vergangenen Jahr hatte es Kritik gegeben, weil die CDU erstmals seit rund zehn Jahren nicht mit einem eigenen Wagen am CSD teilnahm.
Auch Kultureinrichtungen wie das Stuttgarter Theaterhaus mit der Gauthier-Dance-Kompanie, die Stuttgarter Fan- und Popkulturmesse Comic Con oder das Staatstheater sind vertreten.
Daneben sind auch weiterhin Formationen vieler Unternehmen mit von der Partie – ein Umstand, der von manchen als Kommerzialisierung einer eigentlich politischen Demo kritisiert wird. Die Autobauer Mercedes-Benz, Daimler Truck und Porsche zum Beispiel. Der Technologiekonzern Bosch. Das Modeunternehmen Hugo Boss und das Edelkaufhaus Breuninger. Der Wissenschaftsverlag Thieme. Die Stuttgarter Zeitung und Nachrichten und Hitradio Antenne 1. Die Outletcity Metzingen oder die Landesbank Baden-Württemberg. Die Fluggesellschaft Eurowings. Um nur ein paar zu nennen.
Wie schaut's mit Promis aus?
Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) wird am Samstag erst beim gemeinsamen Truck der Stadt, der SSB, des VVS, der Stadtwerke Stuttgart, des Klinikums Stuttgart und der SWSG vorbeischauen, teilte sein Sprecher mit. Anschließend werde der OB auf dem Lkw des VfB Stuttgart mitfahren.
Schirmperson der diesjährigen Stuttgart Pride ist Ulrike Groos, die Direktorin des Kunstmuseums. Die Stadträtin und Aktivistin Laura Halding-Hoppenheit (Freie Wähler), auch liebevoll „Mutter der Schwulen“ genannt, wird es sich nicht nehmen lassen, sich auf einem Trike durch Stuttgarts Straßen fahren zu lassen. Auf dem Lastwagen der Outletcity Metzingen fährt der Moderator und Entertainer Riccardo Simonetti mit. Die Schauspielerin Astrid M. Fünderich (“Soko Stuttgart“) wird bei der Abschlusskundgebung eine Rede halten.
Baden-Württembergs noch frischer Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) muss den CSD hingegen ausfallen lassen; ein Sprecher des Staatsministeriums teilte mit, er habe an dem Tag andere Termine. Dafür werden Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und Oliver Hildenbrand, Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit, (beide Grüne) da sein.
Auch die Landtagspräsidentin und Grünen-Politikerin Muhterem Aras hat sich angesagt.
Wie sieht das Sicherheitskonzept aus?
Laut der Stuttgarter Polizei wurde bislang keine Gegendemonstration angemeldet. Die Demostrecke wird mit Zufahrtssperren gesichert. Neben den Streifenbeamten und einem Präventionsteam ist die Polizei auf der CSD-Hocketse auch mit einer „Mobilen Wache“ präsent. Die Stuttgart Pride hat außerdem ein großes Awareness-Team im Einsatz.
Lars Lindauer, einer der Vorsitzenden der IG CSD Stuttgart, weiß, dass es häufig bei der An- und Abreise zur CSD-Demo zu brenzligen Situationen kommt: „Wir appellieren jedes Jahr an die Leute, nicht allein an- und abzureisen und auf dem Heimweg aufeinander zu achten.“ Dafür gebe es auch die Eve-App, die Unterstützung für einen sicheren Heimweg geben soll.
Wo wird überall gefeiert?
Die CSD-Hocketse, laut Veranstalter das größte queere Festival im Südwesten, geht 2026 in die Verlängerung und beginnt schon am Freitagabend mit Konzerten, Comedy und einer Drag-Show auf dem Marktplatz. Am Samstagabend treten auf der dortigen Kulturbühne unter anderem die Drag-Queens Vava Vilde und Cindy Jenner auf, aber auch die Stars der Musicals „& Julia“ und „Die Eiskönigin“.
Nebenan auf dem Schillerplatz steigt nach der Demo am Samstag die längst schon legendäre Open-Air-Disco. Auf dem sechs Meter hohen DJ-Pult legen nationale und internationale Szene-DJs wie Anna Andersson oder Edy Jabs Pop, House und elektronische Musik auf.
In den Stuttgarter Clubs wie dem Kowalski, dem Club Lehmann oder dem Proton geht die CSD-Nacht dann noch lange weiter.
Am Sonntag wird die Münzstraße zwischen Markt- und Karlsplatz zum „Markt der Möglichkeiten“. Hier präsentieren sich viele Vereine und Initiativen und informieren über ihre Arbeit. Kleine CSD-Besucherinnen und -Besucher werden im Familienbereich glücklich – oder wenn auf dem Marktplatz ab 14.45 Uhr noch einmal Anna und Elsa, die Eisköniginnen vom Möhringer Apollo-Theater, auftreten.
Die Ursprünge des CSD
Pride-Demos gehen auf die „Stonewall“-Aufstände von 1969 in New York zurück. Damals hatten sich Feiernde in der beliebten Homosexuellen-Bar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street im Greenwich Village von Manhattan gegen eine Polizei-Razzia gewehrt. Zum ersten Jahrestag der Auseinandersetzungen zogen etwa 4000 Menschen durch New York und forderten Gleichberechtigung – heute erinnert der jährliche Christopher Street Day weltweit daran.


