Christopher Street Day in Stuttgart
: Kirche beklagt Hetze gegen queere Menschen – sieht aber auch Hoffnung

Stadtdekan Søren Schwesig klagt wegen der Anfeindungen nach einem Gottesdienst zum Christopher Street Day, dass sich das „Klima gegen queere Menschen verschärft hat“.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart

Pfarrer Axel Schwaigert von der Metropolitan Community Church (MCC) hat einen ökumenischen Gottesdienst zum CSD mitgestaltet.

Lichtgut/Christoph Schmidt

Nach einem ökumenischen Gottesdienst zum Christoph Street Day (CSD) in der Leonhardskirche sehen sich die Veranstalter mit Hasskommentaren in den sozialen Medien konfrontiert. Der evangelische Stadtdekan Søren Schwesig spricht von einer beunruhigenden Entwicklung: „Ich glaube, dass solche Äußerungen den allgemeinen gesellschaftlichen Trend widerspiegeln. Das Klima gegenüber queeren Menschen hat sich deutlich verschärft.“

Pfarrer Axel Schwaigert von der Metropolitan Community Church (MCC), der den CSD-Gottesdienst mitgestaltet hat, engagiert sich seit 25 Jahren für Sichtbarkeit und Akzeptanz der queeren Community und sagt: „Der Wind ist deutlich kälter geworden!“ Es gebe Christen, die absolut fromm leben und nicht akzeptieren wollten, „dass es Menschen gibt, die in gleichgeschlechtlichen Gemeinschaften anders leben“. Wenn sie seine Predigten störten, versuche er, sich „möglichst freundlich“ mit ihnen auseinanderzusetzen.

„Absolut furchtbar ist, dass die CDU bei der CSD-Demo nicht dabei ist“

Mit Sorge beobachtet Schwaigert, „wie Hasskommentare von Anhängern der AfD“ das Netz überfluten. Als er vor 25 Jahren auf Kirchentagen für eine bunte Welt unterwegs war, habe es viele Anfeindungen gegeben. Mit der Zeit hätten die Proteste dann aber nachgelassen. Die Gesellschaft sei offener und toleranter geworden. Nun aber beobachtet er mit Entsetzen, wie es „im Zuge des Rechtsruckes“ zurück in die Vergangenheit gehe. „Absolut furchtbar“ findet es der MCC-Pfarrer, dass die CDU erstmals seit vielen Jahren der CSD-Demo am Samstag in Stuttgart fernbleibe. Die Begründung mit den Finanzen sei nur vorgeschoben. Man könne ja auch zu Fuß Flagge zeigen.

Respekt zollt Axel Schwaigert der LSU – Lesben und Schwulen Union, die am Sonntag bei der Infomeile des CSD mit einem Stand vertreten sei. „Man kann sich vorstellen, was da los sein wird, wie die LSU-Leute beschimpft werden“, sagt er.

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Das Engagement junger Menschen macht ihm Hoffnung für die Zukunft

Trotz der negativen Reaktionen ruft Pfarrer Schwaigert dazu auf, den Blick nicht nur auf den Hass zu richten. Er verweist auf eine ermutigende Entwicklung, die besonders bei jungen Menschen zu beobachten sei: „Wir sehen eine große Solidarität – gerade von jungen, auch nicht-queeren Menschen, die sich aktiv für eine bunte, vielfältige Welt einsetzen.“ Viele von ihnen hätten sich bei ihm angemeldet, um beim CSD mitzumarschieren. Da seien 16-Jährige darunter, die sich ein friedliches Miteinander wünschten.

Für Axel Schwaigert ist das ein starkes Signal, das ihm Hoffnung für die Zukunft macht. Trotz aller Anfeindungen zeige sich, dass queere Themen in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien – zumindest bei der jüngeren Generation.