Das Türkei-Referendum und Stuttgart: Zehn Fakten über Deutsch-Türken

Mehr als 9000 Einwohner Baden-Württembergs haben den deutschen und den türkischen Pass. (Symbolfoto)
dpaStuttgart - Die Zustimmung beim Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei war in Stuttgart besonders hoch. Die in Deutschland lebenden Türken sind für die AKP-Regierung in Ankara seit einigen Jahren eine feste Stütze. Viele von ihnen wohnen in Stuttgart und in der Region um die Landeshauptstadt. Ein Überblick über die türkischstämmigen Bürger in der Stadt und im Land.
Die Bundesrepublik und die Türkei schlossen 1961 ein Anwerbeabkommen, wonach unverheiratete türkische Gastarbeiter für zwei Jahre nach Deutschland kommen konnten. Danach sollten sie wieder in ihre Heimat zurückkehren und durch andere Landsleute ersetzt werden. Das geplante Rotationsprinzip wurde jedoch bald aufgehoben, da die Unternehmen ihre eingarbeiteten Mitarbeiter nicht wieder abgeben wollten. Auch der Familienzuzug, der ursprünglich nicht geplant war, wurde später erlaubt. Wegen einer sich verschlechternden Wirtschaftslage stoppte die Bundesregierung 1973 die Anwerbung von Gastarbeitern. Bis dahin nahmen mehr als 800.000 Männer und Frauen diese Möglichkeit wahr.
In Baden-Württemberg leben laut Statistischem Landesamt 262.094 Bürger mit türkischer Staatsangehörigkeit (Stand 31.12.2015). Davon sind mehr als 93 Prozent mindestens 18 Jahre alt (244.446). Rund 9000 Einwohner Baden-Württembergs haben laut Mikrozensus einen deutschen und einen türkischen Pass. Insgesamt leben laut dem Statistischen Bundesamt rund 2,85 Millionen Bürger mit türkischen Wurzeln in Deutschland.
Von den mehr als 262.000 Bürgern mit türkischer Staatsangehörigkeit in Baden-Württemberg lebt der größte Teil in der Landeshauptstadt. Hier sind 19.002 Einwohner mit einem türkischen Pass gemeldet, das entspricht rund 7,3 Prozent aller Türken in Baden-Württemberg. Insgesamt haben mehr als 34.000 Einwohner Stuttgarts einen türkischen Migrationshintergrund.
Zahlenmäßig wohnen die meisten türkischstämmigen Einwohner Stuttgarts in Bad Cannstatt. 6021 oder 8,5 Prozent der rund 70.000 Bewohner des Bezirks sind türkischer Abstammung. Höher ist der Anteil an der Gesamteinwohnerzahl nur in Zuffenhausen und Wangen. Hier hat mehr als jeder zehnte türkische Wurzeln.
In Birkach haben nur 184 türkischstämmige Bürger ihren Wohnsitz. In Degerloch, Botnang, Münster und Plieningen sind es weniger als 500. Degerloch hat mit nur 2,1 Prozent den geringsten Anteil von türkisch geprägten Bürgern an der Gesamteinwohnerzahl.
Viele Migranten wagen den Schritt in die Selbstständigkeit, darunter besonders viele türkischstämmige Bürger. Im vergangenen Jahr gab es bei der Stadt Stuttgart 67.826 Gewerbeanmeldungen, davon waren 3100 türkischer Abstammung, heißt es seitens der Stadt. Unter den Migranten wagt nur die Bevölkerungsgruppe aus dem ehemaligen Jugoslawien, die 13,6 Prozent aller von Migranten geführten Unternehmen leiten, öfter den Sprung in die Selbstständigkeit als die Türken (12,8 Prozent). Türkischstämmige Bürger sind besonders häufig im Gastgewerbe oder im Verkehrs-, Post- und Kurierdienst tätig.
Auch in den Landkreisen der Region um Stuttgart leben viele türkischstämmige Bürger. In den Landkreisen Ludwigsburg (18.110), Esslingen (16.621) und Böblingen (12.942) leben jeweils mehr als 10.000 Menschen mit türkischer Herkunft. Im Landkreis Göppingen (9469) und im Rems-Murr-Kreis (9763) sind es etwas weniger. Mehr als ein Viertel aller türkischstämmigen Bürger Baden-Württembergs (25,5 Prozent) wohnt in der Region Stuttgart.
In Deutschland stimmten 63,1 Prozent der Wähler mit „Evet“. In Stuttgart stimmten mit 66,7 Prozent besonders viele für die Verfassungsänderung. Nur in den Generalkonsulaten in Düsseldorf und in Essen war die Zahl der „Ja“-Stimmen auf deutschem Boden höher. Im zweiten Wahllokal in Baden-Württemberg, Karlsruhe, lag die Zustimmung bei 61,8 Prozent. Abgestimmt haben insgesamt mehr als 653.000 Menschen in Deutschland.
Deutschlandweit waren mehr als 1,43 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, in 13 Generalkonsulaten ihre Stimme abzugeben. In Baden-Württemberg war dies in Karlsruhe und Stuttgart möglich. 146.000 türkische Staatsbürger hätten in Stuttgart wählen können, 90.000 in Karlsruhe.
Beim Verfassungsreferendum waren 19.000 Stuttgarter wahlberechtigt, darunter 1000 Bürger mit türkischem und deutschem Pass.