Debatte um Fahrräder im Zug
: Grüne wollen Radler in der Bahn nicht einschränken

Die Grünen im Landtag betrachten die Gratis-Fahrradmitnahme in Zügen als einen wichtigen Baustein der Mobilität. Fahrgäste sehen das anders.
Von
Alexander Müller
Stuttgart
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Für die Grünen im Landtag muss auch weiter Platz für die kostenlose Mitnahme von Fahrrädern in Zügen sein.

Alexander Müller

Die Zahl der Räder, die in den öffentlichen Verkehrsmitteln mitgenommen werden, steigt stetig an. Darin sind sich alle Experten einig. Doch analog zur wachsenden Bedeutung des Zweirads für die Alltagsmobilität, wächst auch das Konfliktpotenzial zwischen Radfahrern und Fahrgästen vor allem in Zügen und S-Bahnen. Das Thema wird in den sozialen Medien heiß diskutiert und ruft nun auch die Politik auf den Plan.

Grüne sehen dadurch Verkehrswende gestärkt

In einer Pressemitteilung wollen die Grünen-Landtagsabgeordneten Hermino Katzenstein und Michael Joukov jegliche Debatte um eine mögliche Einschränkung der Mitnahme von Fahrrädern bereits im Keim ersticken. „Das kostenlose Angebot ist nicht bloß ein Service für Freizeitradler, sondern ein wichtiger Baustein sozial gerechter Mobilität“, betont Katzenstein, verkehrspolitischer Sprecher für Radverkehr. Gerade Familien und Menschen mit geringem Einkommen seien darauf angewiesen, Rad und Bahn zu kombinieren, um Ausflüge, Urlaubsfahrten oder alltägliche Wege erschwinglich zu gestalten. „Mobilität darf nicht vom Geldbeutel abhängen.“

Vielmehr sei es notwendig, den Nahverkehr insgesamt attraktiver und verlässlicher zu gestalten. „Die Bahn muss eine echte Alternative zum Auto sein – modern, transparent und nutzerfreundlich“, sagt sein Fraktionskollege Michael Joukov, zuständig für die Qualität im Schienenpersonennahverkehr (SPNV).

Zwar sei es unbezahlbar, die Bahn in jeden Ort zu bringen. Aber es sei möglich, die „letzte Meile“ mit dem Rad zu schaffen. „Die Kombination aus Bahn und Rad ist unschlagbar schnell. Nicht nur, aber insbesondere im Ballungsraum. Daher ist es unser Ziel, dass das Rad auch weiterhin Platz im Zug findet“, sagen die beiden Landtagsabgeordneten.

Die Diskussion um vermeintlich „blockierte Sitzplätze“ dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Regelung in Baden-Württemberg – andere Bundesländer erheben Gebühren von einem bis sechs Euro – eine Hürde abgebaut und die Verkehrswende gestärkt habe. „Eine Streichung der kostenfreien Fahrradmitnahme wäre ein Rückschritt für Klimaschutz, soziale Teilhabe und die Attraktivität des Nahverkehrs.“

Helfen Piktogramme auf dem Bahnsteig?

Anders sehen das hingegen zahlreiche Fahrgäste. Sie bemängeln unter anderem, dass größere Lastenräder oder E-Bikes den sowieso schon knapp bemessenen Raum in den öffentlichen Verkehrsmitteln blockieren. Diese gehörten aber nicht in den Zug, sondern vielmehr auf die Straße. „Denn sie haben eine Alternative“, heißt es in einem Schreiben an unsere Redaktion. „Im Gegenteil zum Beispiel zu Rentnern, Rollstuhlfahrern und Eltern mit Kinderwagen“.

Möglich wären laut eine Fahrgast auch Piktogramme auf den Bahnsteigen.

Foto: privat

Wieder ein anderer Leser geht viel pragmatischer vor: Das Grundproblem sei, dass die Radfahrer ungleichmäßig auf dem Bahnsteig verteilt seien, weil sich keiner merken könne, wo er sich genau hinstellen muss. Und die Fahrrad-Piktogramme auf dem Zug oder der S-Bahn, wo sich genau die Mehrzweckbereiche befinden, erkenne man erst, wenn der Zug angehalten habe.

Mit der neuen Generation der S-Bahnen und Stadtbahnen, die über weitere Abstellflächen nicht nur am Ende und am Anfang, sondern auch in der Mitte verfügen, „wird das Gerenne noch größer“. Vorstellen kann sich der Fahrgast daher ein Pilotprojekt am Cannstatter Bahnhof, bei dem man Fahrrad-Piktogramme auch auf dem Bahnsteig anbringt: „Dadurch könnten sich Radfahrer rechtzeitig richtig aufstellen und bereits verteilen.“

Voraussetzung dafür wäre aber, dass die Züge immer planmäßig in voller Länge verkehren und auch genau an der gleichen Stelle halten. Doch das ist selbst während der Sperrung der S-Bahn-Stammstrecke in der Stuttgarter Innenstadt nicht immer gelungen. Obwohl im Vorfeld bereits klar gewesen sein müsste, dass sich durch die damit verbundene Ausdünnung des Fahrplans, deutlich mehr Fahrgäste auf die verbleibenden Zugverbindungen drängen werden.

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