Emmy-Preisträger im Bosch-Areal
: Wie Stuttgarter Animationskünstler der KI-Konkurrenz die Stirn bieten

Künstliche Intelligenz gilt als Bedrohung für die Filmbranche. Warum visuelle Effekte in Stuttgart dennoch boomen und ein Kreativteam aus dem Bosch-Areal sogar einen Emmy gewonnen hat.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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Amelie Dillig, Emanuel Fuchs, Heiko Burkardsmaier und Peter Lames vom Stuttgarter Studio Accenture Song mit ihrem Emmy.

privat

Die rasanten Fortschritte der Künstlichen Intelligenz sorgen auch in der Filmbranche für Diskussionen: Werden Algorithmen bald Animationskünstler ersetzen? Für Heiko Burkhardsmaier ist die Antwort klar. „KI kann nicht das, was Menschen können“, sagt der Teamleiter im Stuttgarter Accenture-Standort. Sie könne Abläufe beschleunigen und unterstützen, aber keine Geschichten erzählen, keine Emotionen bewerten und keine künstlerischen Entscheidungen treffen. „Und am Ende entscheidet die Qualität“, erklärt er, „nur dann ist ein Film oder eine Serie erfolgreich.“

Diese Qualität entsteht bei Accenture Song VFX im Stuttgarter Bosch-Areal. Rund 80 Beschäftigte arbeiten dort für internationale Film- und Serienproduktionen. Das Unternehmen zählt zu den führenden VFX-Dienstleistern weltweit und ist vor allem für Hollywood-Produktionen stark gefragt. Aktuell arbeitet das Team an einer neuen Staffel einer internationalen Erfolgsserie. Den Titel will Burkhardsmaier noch nicht nennen. „Bis Oktober sind wir ausgebucht“, sagt er.

 VFX – so werden visuelle Effekte genannt, die in der Film-, Fernseh-, Gaming- und Werbebranche eingesetzt werden, um Bilder zu kreieren oder zu verändern, die während des Drehs nicht realisierbar sind. Diese Effekte werden in der Postproduktion erstellt. Sie umfassen alles von computergenerierten Kreaturen, Explosionen, Hintergründen (etwa durch Greenscreen) bis hin zu komplexen Compositing-Aufgaben, und unterscheiden sich von den Spezialeffekten (SFX), die direkt am Film-Set erzeugt werden.

Die Aufgaben der Stuttgarter VFX-Spezialisten sind vielfältig und komplex: Sie erschaffen ganze Fantasiestädte oder entwickeln digitale Figuren, etwa Mischwesen aus Vogel Strauß und Pferd, die glaubwürdig und lebendig wirken müssen. Dass Stuttgart heute als eine der führenden Metropolen für visuelle Effekte gilt, ist auch das Ergebnis dieser Arbeit.

The Emmy goes to Stuttgart!

International für Aufmerksamkeit sorgte Accenture Song VFX zuletzt mit einem historischen Erfolg: Erstmals gewann das Unternehmen einen Emmy Award – den weltweit bedeutendsten Fernsehpreis. Für eine Folge der Miniserie „The Penguin“, die im selben Universum wie „Batman“ spielt, wurde Accenture-Artist Emanuel Fuchs in der Kategorie „Besondere visuelle Effekte“ ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand in Los Angeles statt.

CDU-Landeschef Manuel Hagel mit der Emmy-Trophäe, neben ihm: Heiko Burkardsmaier (links) und Emanuel Fuchs,

Foto: Maks Richter

„Ich kann den Gewinn immer noch nicht ganz fassen“, sagt Fuchs. „Seit Jahren arbeitet unser Team mit so viel Motivation und Herzblut an diesen Projekten – und dass unsere Arbeit nun mit einem Emmy belohnt wurde, ist einfach unglaublich.“ Zuvor war das Stuttgarter Studio in den vergangenen sechs Jahren zwar zehnmal nominiert gewesen, hatte aber keinen Preis erhalten. „Es gibt weltweit nur eine Firma, die mehr Nominierungen hatte als wir“, sagt Burkhardsmaier. „Diese Auszeichnung ist deshalb eine riesige Freude für das gesamte Team.“

„Der Standort Stuttgart steht unter Druck“

Trotz des Erfolgs sieht VFX Executive Producer Burkhardsmaier den Standort unter Druck. In mehreren europäischen Nachbarländern würden VFX-Unternehmen massiv mit öffentlichen Geldern unterstützt. „Eigentlich wäre ich dafür, dass niemand Förderungen bekommt“, sagt er. Da dies jedoch unrealistisch sei, müsse auch Baden-Württemberg mehr fördern. Die Wettbewerbssituation habe sich deutlich verschärft, die Lage sei ernst. Dass Bayern sich aus der Förderung der VFX-Branche verabschiedet habe, wertet er als Vorteil für den Standort Stuttgart.

„Das ist ein Stück Hollywood mitten in Stuttgart“

Rückendeckung kommt aus der Politik. Bei einem Besuch im Bosch-Areal sprach Manuel Hagel, CDU-Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, von „einem Stück Hollywood mitten in Stuttgart“. Hinter den beeindruckenden Animationen stünden, so Hagel, nicht nur Algorithmen, sondern „Menschen mit Mut, Können und Leidenschaft“.

Der CDU-Landeschef hob hervor, dass die in Stuttgart entwickelten Technologien weit über Film und Serien hinaus wirkten. Sie fänden Anwendung in Industrie, Architektur und Medizin und sorgten für konkrete Wertschöpfung. Es gehe nicht um Kultur für wenige, sondern um Arbeit für viele, also auch um die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Daraus folge der politische Anspruch, diesen Bereich gezielt weiter zu fördern und fortzuführen, was früher Christoph Palmer im Staatsministerium auf den Weg gebracht hätte.

Für Accenture Song VFX ist der Emmy ein Beweis dafür, dass menschliche Kreativität auch im Zeitalter der KI unverzichtbar bleibt – und dass Weltklasse längst nicht nur in Hollywood entsteht, sondern auch im Herzen von Stuttgart.

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