Erinnerung an verstorbenen Eisbär: Warum hat Walter Keller Wilbär gezeichnet?

Der einst von Walter Keller gezeichnete kleine Wilbär. Der Eisbär ist kürzlich im Alter von 16 Jahren gestorben.
Ines RudelUm den kleinen Eisbären in der Bärenanlage des Stuttgarter Zoos zu sehen, mussten die Besucher in der Wilhelma erst mal einen großen Menschenauflauf bewältigen. So hat Großvater Walter Keller damals die Enkel auf die Schulter und an die Hand genommen. Denn: Für Kinder war es schwierig, vorne an die Anlage zu kommen und etwas zu sehen. Die erwachsenen Besucher waren mit Fotos und Videokamera zugange. Da war kaum Platz für die kleineren Besucher. Den Kindern wurde kein Vortritt gewährt. Und: „Wir konnten ihn nur im Minutentakt sehen“, erinnert sich Walter Keller. Er sei traurig gewesen und hätte den Enkeln gerne mehr Zeit gegeben, um Wilbär kennenzulernen, sagt der Filderstädter.
Zum Trost für die Enkel gezeichnet
Seine Tochter hatte damals Fotos gemacht. Sie ist inzwischen verstorben, und die Fotos existieren nicht mehr. Aber eine Zeichnung. Und die erinnert noch heute an Wilbär. Denn zum Trost für die Enkel, die das Tier nicht richtig sehen konnten, hat Keller damals zum Zeichenstift gegriffen. So entstand ein Wilbär-Porträt für die Enkel mit weißer Schulkreide auf schwarzem Tonpapier, nachdem bei dem Massenandrang die Kinder manchmal einfach nichts sahen, außer sie wurden hochgehoben – und das nur für Augenblicke. So beschreibt es der heute 77-jährige ehemalige Rektor in Erinnerung an damals.
Zeichnung half ihnen über die Enttäuschung hinweg
Und wie hat das Bild auf die Enkel gewirkt? „Da die Enkel meine künstlerischen Fähigkeiten kannten, waren sie die Initiatoren, Wilbär zu zeichnen, und das hat ihnen über die Live-Show, die sie so nicht wahrnehmen konnten, hinweggeholfen“, berichtet Walter Keller. „Wir haben dann Wilbär nochmal zwei Jahre später besucht, da war er fast ausgewachsen. Meine Enkelin hatte dann eines Tages den Wunsch, Wilbär von meinem Bild abzuzeichnen.“ Der einstige Biologielehrer, der seit 1958 in die Wilhelma geht, findet, dass der zoologisch-botanische Garten in Stuttgart für Groß und Klein bis heute „eine super Oase und eine nachhaltige Bildungsstätte“ ist.
