Betrug mit EC-Karten: „Ihre EC-Karte ist defekt“ – Vier Jahre Haft für Betrüger

Mit einer dreist erbeuteten EC-Karte kaufen die Täter munter ein – und heben vor allem Bargeld am Bankomat ab.
Karl-Josef Hildenbrand/dpaDer „Herr Pedro“ schaut sich die EC-Karte ganz genau an. Mit der Handy-Lampe ist seine Analyse eindeutig: „Da sind schwarze Pünktchen drauf“, sagt er. Ein klarer Fall von Defekt oder Manipulation. Er nimmt die Karte mit, angeblich um sie umgehend auszutauschen. Allein Herr Pedro hat mit dieser Masche mehr als 30 000 Euro Beute gemacht. Der Mann gehört zu einer Gruppierung von Anrufbetrügern, die sich zuvor telefonisch als Bankmitarbeiter ausgeben und ihre Opfer mit einer Lügengeschichte in helle Aufregung versetzen. Der 30-Jährige allerdings nicht mehr: Das Stuttgarter Landgericht hat ihn zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt.
Es ist nur ein Fall unter vielen. Seit Monaten gibt es Anrufe einer unbekannten Frau, die sich mal Sabine Maier oder Sabine Müller nennt, und als angebliche Bankmitarbeiterin ihre Opfer erst einmal in Aufregung versetzt. Etwa so: Es seien 4200 Euro für Zalando abgebucht worden – ob der oder die Betroffene wirklich dort etwas bestellt hätten? Erst Alarmstimmung, dann die Rettung: Man habe die Überweisung gestoppt, sagt Frau Maier, aber offenbar sei da was an der EC-Karte manipuliert worden. Die müsse man begutachten und am besten dringend austauschen.
EC-Karten-Betrüger greift Polizisten an
Und dann klingeln freundliche Männer wie der Herr Pedro an der Wohnungstür. Seine Spuren ziehen sich von den Stuttgarter Innenstadtbezirken über Hedelfingen, Degerloch und Vaihingen bis nach Böblingen. Im telefonischen Direktkontakt mit der angeblichen Bankmitarbeiterin berichtet er von defekten EC-Karten – und geht erst dann, wenn die Sache mit der PIN geklärt ist. Die Straftat beginnt dann erst richtig: Der Kurier hebt Geld am Automaten ab und kauft hier und da im Supermarkt ein.
Wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs in elf Fällen und zwei weiteren Versuchen zwischen November 2024 und April 2025 hat die 5. Strafkammer des Landgerichts den 30-Jährigen zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Mit eingerechnet ist da noch ein Angriff auf Polizeivollzugsbeamte, die ihn nach seiner Festnahme im April in der Schwabstraße im Stuttgarter Westen in den Polizeigewahrsam bringen wollten. Fünf Beamte waren nötig, um den sich heftig wehrenden Festgenommenen in Zelle 008 zu schaffen.
Ermittlungserfolge gegen weitere Kuriere
Der Vorsitzende Richter Volker Peterke hatte schon zum Auftakt des Prozesses, dass er nach Aktenlage mindestens vier Jahre Haft zu erwarten habe, ein Geständnis vorausgesetzt. Außerdem ordnete er die Einziehung des Wertes der Beute an, genauer: 30 399 Euro. Ob die Summe je aufbringen kann, ist eher unwahrscheinlich. Der 30-Jährige aus Aleppo war mit seiner Familie aus Syrien geflüchtet, als Ältester von fünf Geschwistern vom Krieg und vom Tod von Vater und Bruder traumatisiert, drogensüchtig. Die Verwandtschaft hätte 16.000 Euro aufbringen wollen, für eine Entschädigung der 81 bis 94 Jahre alten Opfer und ein paar Monate Strafrabatt. Doch auch das scheiterte.
Die Drahtzieher, wie Sabine Maier oder Müller, bleiben weiter im Hintergrund. Doch gerade die Kuriere sind es, ohne die der Betrug nicht funktionieren würde. Und da gibt es immer mehr Ermittlungserfolge. Das zeigt ein weiterer Prozess bei der 3. Jugendstrafkammer gegen ein 20, 21 und 28 Jahre altes Trio. Und die Festnahme eines 34-Jährigen vergangene Woche im Kreis Karlsruhe. Der Deutsch-Russe soll seit dem 29. September in Gerlingen (Kreis Ludwigsburg), Herrenberg und Gärtringen (Kreis Böblingen) zugeschlagen haben – unter anderem als „Herr Nowak“.