Fußball-WM
: Für die Türkei stehen die Fans früh auf - zum Public Viewing um 6 Uhr

Das Auftaktspiel der Türkei gegen Australien raubt den türkischen Fußballfans nicht nur die Nerven, sondern auch den Schlaf. Bei Türkspor Stuttgart wird gemeinsam geschaut.
Von
Kathrin Haasis
Stuttgart
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WM Türkei gegen Australien frühmorgendlichen Fernsehschauen beim ersten WM-Spiel der Türkei: WM Türkei gegen Australien frühmorgendlichen Fernsehschauen beim ersten WM-Spiel der Türkei

Frühmorgendliches Fernsehschauen beim ersten WM-Spiel der Türkei - am Sonntag zwischen 6 und 8 Uhr im Vereinsheim von Türkspor Stuttgart

Lichtgut/Ferdinando Iannone
  • Frühmorgens Public Viewing in Stuttgart: Türkspor zeigte Türkei gegen Australien ab 6 Uhr.
  • Rund zwei Dutzend Fans kamen, einige blieben die Nacht wach – Tee gab es vom Wirt.
  • Australien traf zweimal, die Türkei vergab Chancen – Favorit enttäuschte die Zuschauer.
  • Nach dem 0:2 gingen einige frustriert, andere betonten die gute Stimmung trotz Niederlage.
  • Abends sollte das Deutschland-Spiel gegen Curaçao folgen – Reservierungen lagen vor.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ziemlich fassungslos starren alle in den Fernseher. „Das gibt es doch nicht“, sagt einer der Zuschauer, als das zweite Tor für Australien fällt. Manche reiben sich die Augen. Um 5 Uhr sind sie schließlich aufgestanden, um das Auftaktspiel der türkischen Mannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft im kanadischen Vancouver anzuschauen. Im Vereinsheim vom Fußballverein Türkspor Stuttgart auf der Waldebene Ost versammelten sich Sonntagfrüh rund zwei Dutzend Fans, manche von ihnen waren gar nicht erst im Bett. „Wir haben so lange darauf gewartet“, sagt der Wirt Mesut Gündogdu von der Arena 1905, „dafür lohnt es sich, wach zu sein.“ Vor 24 Jahren war die Türkei zuletzt bei einer WM dabei. Mit einem Tablett voller Gläser mit Schwarzem Tee läuft er durchs Lokal, ruft „Çay!“ und verteilt die Stärkung.

Als das erste Tor gegen die Türke fällt, wird es still im Raum

Die türkische Fahne hängt neben dem Fernseher, in Trikots sitzen die Zuschauer davor. Lebhaft wird über die Aufstellung debattiert. Als um 6.26 Uhr das erste Tor der Australier fällt, ist es still im Raum. „Ich hab's dir gesagt“, sagt dann einer der Zuschauer kopfschüttelnd zu seinem Nachbar, weil er  dieses Ergebnis offenbar vorhergesehen hatte. Als wenig später eine Chance für die Türkei entsteht, stehen fast alle auf. Doch der australische Torwart lenkt an den Pfosten. „Wer hat das bestimmt, dass die Sonntagfrüh spielen müssen?“, murmelt eine Frau zwischendurch, ohne eine Antwort zu bekommen. An einem anderen Tisch ist einer der Zuschauer eingenickt, er hatte sich eine Decke um die Schultern gelegt. „Hallo?!“, ruft sein Gegenüber, „schlafen ist verboten.“ Als gegen 7.30 Uhr das zweite Tor gegen die Türkei fällt, verlassen drei frustriert die Gaststätte.

WM Türkei gegen Australien frühmorgendlichen Fernsehschauen beim ersten WM-Spiel der Türkei: WM Türkei gegen Australien frühmorgendlichen Fernsehschauen beim ersten WM-Spiel der Türkei

Nicht nur enttäuscht, sondern auch müde: die Fans beim Public Viewing auf der Waldebene Ost

Lichtgut/Ferdinando Iannone

„So ein Spiel haben wir nicht erwartet“, sagt Burak Girgin und schüttelt den Kopf, „wir haben doch so gute Spieler.“ Der Kader ist mit Stars wie Hakan Calhanoglu und Arda Güler gespickt, die bei Inter Mailand und Real Madrid spielen. Die Türkei war der klare Favorit, Australien der Außenseiter, der sich zum Sieg mauerte. Dabei wäre ein Sieg beim ersten Spiel wichtig gewesen, erklärt der Vorsitzende vom Besiktas-Fanclub Baden-Württemberg. Er fliegt in ein paar Tagen nach San Francisco, um die Mannschaft dort live gegen Paraguay zu erleben. „Jetzt hoffen wir auf das nächste Spiel, ist ja klar“, ergänzt er.

Statt den ersten Sieg der Türkei im Anschluss auf der Theodor-Heuss-Straße zu feiern, verabschieden sich alle nach dem Abpfiff. „Jetzt erstmal schlafen, wir müssen am Montag wieder arbeiten“, sagt einer. „Es hat sich trotzdem gelohnt, aufzustehen“, betont Ahmet Sönez auf dem Weg nach draußen: „Es war sehr schön, wir haben uns gut unterhalten - obwohl wir verloren haben.“ Im Vereinsheim von Türkspor Stuttgart räumt Emin Gündogdu gleich die Tische ab. Der Sohn des Wirts muss die nächste Veranstaltung vorbereiten, ein Schiedsrichtertreffen auf der Waldebene Ost. Und am Abend steht um 19 Uhr das nächste Spiel an. Auf der Terrasse haben sich 70 Gäste schon ihre Plätze für das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Curaçao reserviert. „Wir fiebern doppelt bei einer Weltmeisterschaft mit“, sagt er - „und haben doppelt so viel Stress.“

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