Gemeindehaus Heumaden: 289 Quadratmeter, Spottpreis – warum kauft niemand diese Immobilie in Stuttgart?

Das Gemeindehaus im Heumadener Gebiet Über der Straße steht seit nahezu zehn Jahren zum Verkauf. Pfarrer Friedrich July (links) und Klaus Offterdinger, der Kirchengemeinderatsvorsitzende, hoffen auf einen baldigen Erfolg.
Caroline Holowiecki289 Quadratmeter, zentrale Lage, lichtdurchfluteter Eingangsbereich, Parkplätze, Terrasse, große Küche, mehrere Toiletten: Die Anzeige auf einem Online-Immobilienportal klingt interessant. Zumal die Immobilie in Stuttgart nur 325.000 Euro kosten soll. Und doch steht das Gemeindehaus im Heumadener Gebiet Über der Straße seit nahezu zehn Jahren zum Verkauf – und verursacht hohe Kosten.
Ein bereits 2013 erstelltes Gutachten der seinerzeit noch eigenständigen evangelischen Kirchengemeinde Heumaden-Süd hat das Haus für verzichtbar erklärt. Grund: sinkende Mitgliederzahlen. Im Mai 2016 war der Verkaufsentschluss für den flachen Bau von 1993 gefallen. Die damalige Pfarrerin hatte von einer „unheimlichen finanziellen Belastung“ gesprochen.
Die baurechtlichen Hürden für das Gemeindehaus in Stuttgart-Heumaden sind hoch
Das gilt bis heute. Das Gebäude steht leer – und frisst Geld. Fixkosten von jährlich 3000 bis 5000 Euro fallen laut Klaus Offterdinger, dem Vorsitzenden des Kirchengemeinderats der heutigen Sarahkirchengemeinde Sillenbuch, an, heuer kamen einmalig 10 000 Euro zum Substanzerhalt hinzu. „Deswegen haben wir ein Rieseninteresse, das über die Bühne zu kriegen“, sagt Friedrich July, der geschäftsführende Pfarrer.
Doch es gibt Hemmschuhe. Baurechtlich handelt es sich um eine Gemeinbedarfsfläche, ein Büro oder Laden gehen also nicht. Zudem ist das Gemeindezentrum baulich verwoben mit privatem Wohneigentum. 2022 schien es so weit zu sein. Ein Kaufvertrag wurde geschlossen, „wir haben alle aufgeatmet“, sagt Friedrich July, 2023 musste aber alles rückabgewickelt werden, weil die angedachte Neunutzung sich baurechtlich nicht umsetzen ließ. 2024 wurde das Haus der Stadt angeboten – zur Kinderbetreuung oder zur Unterbringung Geflüchteter. Ohne Erfolg. Seit dem Herbst 2024 ist ein Makler mit dem Verkauf betraut.
Die Kirche stellt alle Immobilien auf den Prüfstand – nicht nur in Stuttgart

Die beiden großen Kirchen leiden unter zurückgehenden Mitgliederzahlen. Die Finanzierung der Immobilien wird deshalb immer schwieriger. (Symbolfoto)
Foto: dpaDie Frage nach entbehrlichen Immobilien trifft Kirchengemeinden landauf, landab. Zwei Kirchen in Feuerbach wurden veräußert, im Februar wurde bekannt, dass auch zwei Kirchen in Bad Cannstatt verkauft werden sollen. „Rückläufige Mitgliederzahlen, sinkende Kirchensteuereinnahmen, eine schwierige Haushaltslage und ein hoher Sanierungsbedarf der Gebäude machen eine Veränderung notwendig“, sagte ein Pfarrer seinerzeit. Bei der Landeskirche läuft zudem das Projekt Oikos. Alle Immobilien werden in den Gemeinden nach einheitlichem Maßstab – Bausubstanz, Weg zur Klimaneutralität, Sanierungsbedarf – bewertet, in Stuttgart etwa entscheidet dann der Kirchenkreis, welche Gebäude langfristig weiter über Kirchensteuermittel gefördert werden – oder nicht.
Dieser Entscheidungsprozess soll bis etwa 2028 dauern. Dan Peter, ein Sprecher des Landeskirche, erklärt, dass dies bedeutet, „dass es in der Fläche weniger kirchliche Gebäude geben wird“. Die Katholiken befinden sich in einer ähnlichen Lage. Allein die Diözese Rottenburg-Stuttgart will bis 2035 rund 1000 Immobilien „aus der Kirchensteuerfinanzierung herausbekommen“, wie eine Sprecherin sagt, durch Verkauf oder Verpachtung. „Da kommt jetzt eine Lawine“, resümiert Friedrich July.
In Heumaden hofft man, dass bald der Knoten platzt. Es gebe mehrere Interessenten, mancher stehe in Kontakt mit dem Baurechtsamt der Stadt. Der Oberkirchenrat, der dem Verkauf zustimmen muss, ist ebenfalls involviert. „Ich bin guter Dinge, dass wir das Ding verkauft bekommen“, sagt Friedrich July. Dann schiebt er nach: „Aber ich bin auch, flapsig formuliert, zum Optimismus verdammt.“