Guter Wein aus Württemberg
: Der Herzog von Württemberg entzieht seinem besten Spätburgunder den Boden

Aufgeschreckt von der Meldung, dass das herzogliche Weingut den Mundelsheimer Käsberg aufgibt, hat unsere Weintesterin Kathrin Haasis noch schnell das Große Gewächs aus der Lage probiert – und fühlt sich nun melancholisch.
Von
Kathrin Haasis
Mundelsheim
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Mundelsheim - Wanderung Mundelsheim Käsberg für Sommerserie mit Sabine Armbruster , Lokalredakteurin

Eine sehr schöne Lage: der Mundeslheimer Käsberg

Simon Granville
  • Das Weingut Herzog von Württemberg will die Lage Mundelsheimer Käsberg aufgeben.
  • Begründung: Die Terrassen sind sehr steil und nur in Handarbeit zu bewirtschaften.
  • Die Gemeinde prüft ein kommunales Modell, um entstehende Lücken zu füllen.
  • Der Spätburgunder Großes Gewächs 2019 ist im Verkauf – dieses Jahr soll erneut gekeltert werden.
  • Verkostung: Duft nach Waldbeeren und Cassis, kräftige Tannine, reife Säure, erinnerungsreich.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Dramatischer kann sich der Wandel im Weinbau nicht zeigen: Das Weingut vom Herzog von Württemberg will mit dem Mundelsheimer Käsberg eine seiner besten und berühmtesten Lagen aufgeben. Als „ein bedeutendes Naturdenkmal in Württemberg“ vermarktet die Tourismusgesellschaft den Hang an der Neckarschlaufe. „Wie ein riesiges Amphitheater“ seien die Weinberge „in unzähligen kleinen Terrassen angelegt“, lautet die Beschreibung. Das 1819 von der Hofkammer gebaute Königshäusle steht mittendrin, weil sogar der König Wilhelm I. von Württemberg den Käsberg sehen wollte. Der Anblick von der Käsbergkanzel wäre sehr traurig, wenn auf einer Fläche von 2,6 Hektar die Rebstöcke gerodet würden!

„Wir würden die Lage noch weitere 300 Jahre bewirtschaften, wenn wir damit Geld verdienen würden“, erklärt ein Mitarbeiter der Hofkammer kurz und knapp das Dilemma. Was die Weinberge so schön macht, ist ihr Verhängnis: Sie sind zu steil und müssen von Hand bearbeitet werden. Während der optimale Winkel für Sonneneinstrahlung früher ein Argument dafür war, ist es mittlerweile überall warm genug für die Trauben. Viel Trollinger steht in den Terrassen, den die Schwaben längst nicht mehr literweise trinken, was auch für alle anderen Sorten gilt. Andernorts in Württemberg wurde aus dem gleichen Grund längst Kahlschlag betrieben, in Mundelsheim will die Gemeinde mit einem kommunalen Modell die sich eventuell auftuenden Lücken füllen, ähnlich wie die Weinkultur in Kirchheim am Neckar.

Dass der Herzog auch einem seiner Großen Gewächse den Boden entziehen will, ist geradezu sinnbildlich für die Krise im Weinbau. Der Spätburgunder duftet fein nach Waldbeeren und Cassis, nach Kräutern wie Wacholder. Man schmeckt die Sonne und das Terroir, den Muschelkalk. Im Mund macht er sich kräftig breit, lässt seine Tannine spielen, schickt eine reife Säure hinterher und lungert dann noch lange in der Erinnerung herum. Immerhin kann der Mundelsheimer Käsberg dadurch nicht so schnell vergessen werden: Von dem Spätburgunder ist erst der Jahrgang 2019 im Verkauf und laut Auskunft des Mitarbeiters soll auch dieses Jahr einer gekeltert werden.

Mundelsheimer Käsberg Spätburgunder trocken Großes Gewächs 2019, 35 Euro, Weingut Herzog von Württemberg, Schloss Monrepos 9, Ludwigsburg, 07141/221060. www.weingut-wuerttemberg.de

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DIe Bewertung der Weinrunde

Holger Gayer: Dieser Wein würde perfekt in einen britischen Club passen: rauchig, leichter Whiskey-Ton, Tabakaromen, dazu Wild-Gewürze wie Lorbeer und Wacholder. Eine wuchtige Angelegenheit, die rasch genossen werden sollte, da der Wein nach zwei Tagen schon deutlich oxidiert.

Michael Weier: Ja, um diese Lage ist es wirklich verdammt schade. Vor allem natürlich um den Wein! Wuchtig, würzig – und irgendwie doch elegant. Ein großer Spaß.