Insel-Opening in Stuttgart: Neckarinsel in Stuttgart – Dieses Jahr wollen sie wirklich in den Neckar

Freibadfeeling auf der Neckarinsel
Christian HassSonja Schwarz und Tim Schaffarczik stehen auf einer kleinen Insel, tragen Trillerpfeifen wie Bademeister – und reden nicht lange um den kühlen Fluss herum, der diese Insel umfließt: „Dieses Jahr wollen wir wirklich in den Neckar“, sagen die beiden, die hauptamtlich für den Stuttgarter Verein Neckarinsel tätig sind. Bis in die 1950er-Jahre sei Baden im Neckar selbstverständlich gewesen. Heute schwanke die Wasserqualität. Aber: „An den allermeisten Tagen ist sie sogar sehr gut.“
Seit dem Jahr 2021 versuchen die überwiegend jungen Mitglieder des Vereins Neckarinsel, die Stuttgarterinnen und Stuttgarter ihrem Fluss wieder näherzubringen. Sie haben die namengebende Insel auf dem Schleusengelände in Stuttgart Bad-Cannstatt vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt gepachtet. In der wärmeren Jahreshälfte machen sie die Neckarinsel jeden Sonntag zu einem offenen Ort für alle. Die Mittelmole ist als Reallabor und Pilotprojekt auch Teil der IBA’27.
Seit anderthalb Jahren messen die Mitglieder die Wasserqualität des Neckars. Auf Basis dieser Daten haben sie inzwischen ein Vorhersagesystem entwickelt, eine Bade-Ampel. Die soll dieses Jahr online gehen. „Baden ist mehr als Freizeit“, sagt Tim Schaffarczik. Es gehe auch um funktionierende Ökosysteme und Lebensqualität.
Die Saison auf der Stuttgarter Neckarinsel beginnt am 3. Mai
Nun pfeift der Verein die Saison an. Es gibt Fritten, Inseldrinks und gemischte Tüten, wie im Freibad. „Wir wollen Bilder einer Stuttgarter Badekultur kreieren“, erklärt Schaffarczik. Bis Ende September wird die Insel dann jeden Sonntag offen für alle sein.
Dazu kommen Veranstaltungen wie die bereits etablierte „Critical Nass“, bei der es auf Stand-up-Paddles auf den Fluss geht, oder das Gesprächsformat „Wissenshappen“. Außerdem Formate wie Insel-Yoga, ein Forró-Abend (ein brasilianischer Tanz), Inselspaziergänge und Kooperationen mit Schulen.
Zustimmung bekommt der Verein nicht nur von Vertretern junger Generationen. Auch Joachim, der seinen Nachnamen nicht verraten will, ist Fan und Fördermitglied der Neckarinsel. „Ich finde die Idee sehr gut und wichtig“, sagt der 72-Jährige. „In verschiedenen europäischen Städten kann man in Flüssen baden. Auch dieses Projekt hat meiner Ansicht nach Zukunft.“
Immer wieder kämen Menschen auf die Neckarinsel und erzählten von früheren Zeiten, in denen sie noch im Neckar geschwommen seien, sagt Vorstandsmitglied Hannah Pinell. In diesem Jahr wollen auch die Vereinsmitglieder endlich im Neckar baden. Im Raum Stuttgart sei das wegen des Badeverbots aber wahrscheinlich nicht möglich, bedauert Sonja Schwarz. Deshalb hoffen sie, zumindest andernorts am Neckar eine geeignete Stelle zu finden.

Bislang ist nur Sonnenbaden möglich.
Foto: Christian Hass Stuttgart LichtgutImmerhin eine Wasserstelle für die Füße wird es bald geben: Der Neckarinsel-Verein hat eine Pflanzenfilteranlage in Betrieb genommen. Ein in den Fluss hängender Rüssel bringt Wasser auf die Insel, wo es durch Pflanzen und Sediment fließt und so gereinigt wird. Von einem Fass aus soll dieses Wasser bald in ein Infinity-Fußbassin fließen.
Für Sonntag, 3. Mai, von 13 bis 19 Uhr, lädt der Verein Neckarinsel zum Saisonstart ein. Die Initiative plant unter anderem einen Insel-Spaziergang – und beantwortet die Frage, was noch passieren muss, damit Baden im Neckar möglich wird.
