Restaurants in Stuttgart
: Insolvenzen mit Happy End, weil das Herz am Lokal hängt

Ein Insolvenzantrag bedeutet nicht das Ende, wie die Academie der schönsten Künste oder die Numaja Thai Eatery & Bar zeigen. Mit viel Arbeit und viel Risiko erhalten die Betreiber ihre Lokale – obwohl die Zeiten schwierig sind.
Von
Kathrin Haasis
Stuttgart
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  • Für den Betreiber André Divanac’h ist die Academie der schönsten Künste einzigartig in Stuttgart.

     
  • Schon bei der Renovierung hat Athinai Suksriphanao sich viel Mühe gegeben.

    Ferdinando Iannone/Lichtgut/Ferdinando Iannone
  • Das Numaja befindet sich im Heslacher Medienhaus und bietet Mittagstisch als auch Abendservice an.

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  • Auch das Konzept des Restaurants stammt von Athinai Suksriphanao. Aufgeben kam für ihn deshalb nicht in Frage.

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  • Ein schwieriger Standort? Big Chefs ist bereits der vierte Pächter am Höhenpark Killesberg – und steckt nun ebenfalls in einem Insolvenzverfahren.

    LICHTGUT/Max Kovalenko
  • Das Lokal ist aufwendig eingerichtet. Die türkische Kette befindet sich auf Expansionskurs.

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  • Mit levantinischer Küche will Big Chefs seine Gäste gewinnen.

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  • Aber auch Bowls stehen auf der Speisekarte.

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  • Für das Lokal auf dem Killesberg soll mehr Werbung gemacht werden.

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  • Die Academie der schönsten Künste hat ihren Namen nicht umsonst.

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  • An allen Wänden hängt Kunst.

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  • Das Angebot reicht von Frühstück über den Mittagstisch bis hin zum Abendessen und Cocktails.

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  • Im Nebenraum lässt es sich feiern.

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  • Das Lokal am Charlottenplatz gibt es seit 25 Jahren. Ein legendärer Vorgänger war Bernds Lädle.

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André Divanac’h hatte schlaflose Nächte und „Sorgen, Sorgen, Sorgen, wie es weitergehen soll“. Schließlich blieb ihm  nichts anderes übrig: Er stellte einen Insolvenzantrag – „mit Bauchschmerzen“. Eigentlich redet er ungern über das Thema, denn Zahlungsunfähigkeit klingt wie das Gegenteil von Erfolg. Aber der Gastronom hat es geschafft, die Academie der schönsten Künste in der Stadtmitte wieder auf Kurs zu bringen. Dabei scheinen sich die Probleme in der Branche gerade zu häufen. Laut des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands ist die Zahl der Betriebe im Land allein zwischen 2019 und 2022 um 4000 gesunken. Dass es nicht immer mit der Schließung des Lokals enden muss, zeigen auch Daniel Mattes und Athinai Suksriphanao, die die Numaja Thai Eatery in Stuttgarts Süden aus einer Schieflage heraus übernommen haben.

Auf der Liste der Insolvenzverfahren bekannte Namen

Auf der Liste der Insolvenzbekanntmachungen findet sich seit dem vergangenen Jahr mindestens ein Dutzend teilweise bekannter Stuttgarter Restaurants, Bars oder Cafés. Manche waren nicht mehr zu retten, darunter das Gourmetrestaurant Ritzi, das Biolokal Lässig oder der Burger-Laden Big Gago 39 an der Hauptstätter Straße. Die Umsatzentwicklung sei nach wie vor rückläufig, erklärt Jochen Alber die Probleme der Branche. „Dem stehen steigende Kosten gegenüber, da ist man schnell bei der Insolvenz“, sagt der Geschäftsführer des Dehoga-Landesverbands. Er macht außerdem die Rückkehr zur 19-Prozent-Mehrwertsteuer für die Entwicklung verantwortlich. Aktuelle Zahlen liegen keine vor, aber der Experte nimmt „subjektiv wahr, dass die Schwierigkeiten zunehmen und Betriebe schließen müssen“.

Daniel Mattes und Athinai Suksriphanao stecken viel Arbeit in ihr Herzensprojekt, die Numaja Thai Eatery & Bar.

Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone/Lichtgut/Ferdinando Iannone

Systemgastronomen sind von der Entwicklung nicht ausgeschlossen: Der Killesberger Filiale der türkischen Kette Big Chefs ist ebenfalls das Geld ausgegangen. An dem Standort scheiterten bereits andere. Aus Scholz am Park wurde erst Heuss am Park von Christian List, der kürzlich auch die insolvente Weinstube am Stadtgraben in Bad Cannstatt wiederbelebt hat. Auf Heuss folgte 2019 die Münchner Kette Oh Julia, die inzwischen aus Stuttgart verschwunden ist. Seit Sommer 2023 versucht Big Chefs am Höhenpark mit levantinischer Küche Gäste anzulocken. Im Herbst musste ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden. Auf ein schlechtes Werbekonzept und zu geringe Umsätze im Sommer führt der Rechtsanwalt Joachim C. Mohlitz die Zahlungsschwierigkeiten zurück. Ihm zufolge ist die Filiale gerettet: Sie wurde auf eine andere Gesellschaft übertragen. Es sei gelungen, „das Unternehmen auf die Anforderungen eines modernen Betriebs auszurichten“, teilte er mit.

Im Strudel einer Insolvenz mitgerissen

Was letztlich genau den Niedergang der Numaja Thai Eatery verursacht hat, weiß Daniel Mattes nicht. Er hat den Betrieb mit seinem Partner aus der Insolvenzmasse von zwei Restaurants herausgekauft. Aber nicht nur finanziell engagierten sich die beiden, „wir stecken richtig viel Arbeit rein“, sagt Daniel Mattes. Denn das Restaurant im Heslacher Medienhaus ist „das Herzensprojekt“ seines Partners Athinai Suksriphanao, das er mit zwei Freunden im Herbst 2023 eröffnet hatte. Die Kompagnons besaßen ein weiteres Lokal (als zweites das Lilavadee in Degerloch,  das  nun  türkisch  wird)  und haben beide Geschäfte verloren.

Das Konzept fürs Numaja stammte von Athinai Suksriphanao, viel Geld hatte er investiert und bei der Renovierung kräftig angepackt. Einige schlaflose Nächte hatten auch er und sein Partner, bis die Entscheidung gefallen war: „Es wäre sonst alles weg gewesen“, sagt Daniel Mattes, der seit 20 Jahren in der Gastronomie tätig und nun zum ersten Mal selbstständig ist. Nach einer kurzen Schließung schmeißen sie das Lokal hauptsächlich zu zweit. „Jetzt läuft es sehr gut“, berichtet der 49-Jährige.

Die Academie wirkt wie ein Wiener Kaffeehaus

Für André Divanac’h ist die Academie der schönsten Künste einzigartig in Stuttgart, „ein außergewöhnliches Lokal“. Die Decken sind hoch, die Wände hängen voller Kunstwerke, die Einrichtung scheint aus einem Wiener Kaffeehaus zu stammen. Im Café Planie war er 18 Jahre lang Serviceleiter gewesen und hatte immer von der Selbstständigkeit geträumt, als sich 2019 die Gelegenheit ergab. Mit dem besten Umsatzjahr startete er in dem Café, das von 8 Uhr über den Mittagstisch bis spät in die Nacht geöffnet ist. Seit der Pandemie sind die Gäste allerdings nicht  mehr  in der gleichen Ausgehlaune, und als der Gastronom noch einen großen Betrag an Coronahilfe zurückbezahlen musste, drohte das Ende. Der eigentliche Restaurantbetrieb trug sich wirtschaftlich.

Laut seinem Insolvenzverwalter Markus Schuster hat André Divanac’h alles richtig gemacht: Er handelte schnell und nahm mehr Kapital auf, um die Academie als Einzelunternehmer weiterzuführen, außerdem konnte er seine Mitarbeiter und die Stammgäste halten. Er nutzte auch die Chance, die das Insolvenzgeld bietet: Dadurch sind drei Monate lang die Personalkosten gedeckt, wodurch sich der Gastronom ein Sanierungspolster erarbeiten kann. Danach müsse der Betrieb wieder unter Vollkosten und ohne Verluste laufen, erklärt der Insolvenzverwalter von der bundesweit tätigen Kanzlei Schultze und Braun. André Divanac’h lobt außerdem seinen Vermieter und die Zulieferer, die ihn als Kunden nicht verlieren wollten, denn die Academie der schönsten Künste besteht schließlich seit 25 Jahren. Sie sei zwar bei vielen Menschen bekannt, bei vielen aber noch immer nicht. Deshalb will er verstärkt im Internet werben. „Wenn das Herz dran hängt, macht man weiter“, sagt der 49-jährige, „Stand jetzt geht es aufwärts.“

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