Kupfer, Bronzefiguren, Grabgestecke
: Diebe sind auf Friedhöfen unterwegs – und decken Aussegnungshalle ab

Der November ist der Monat des Gedenkens. Doch gerade dann gehen auf Friedhöfen die Langfinger um – auf dreiste Art. Wie ist die Lage in Stuttgart und der Region?
Von
Jürgen Bock
Stuttgart
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Ein Schild am Stuttgarter Waldfriedhof mutet makaber an – hat aber einen ernsten Hintergrund.

Jürgen Bock & Imago/Arnulf Hettrich

Die Täter sind wohl bei Nacht angerückt. Jedenfalls waren sie ziemlich fleißig. Und extrem dreist. In Kohlberg (Landkreis Esslingen) montierten Diebe vor gut zwei Wochen auf dem Friedhof Abdeckbleche der Aussegnungshalle ab. Kupferbleche mit einer Gesamtlänge von 60 Metern ließen sie mitgehen. Auch zehn Meter Dachrinne rissen sie ab. Das Material dürfte alles in allem ein Gewicht von rund vier Zentnern haben und mehrere Tausend Euro wert sein. Genauso hoch wird der Sachschaden geschätzt, den die Täter angerichtet haben.

Dieser Fall ist sicherlich in seinem Umfang eine Ausnahme. Generell allerdings gilt inzwischen längst, dass Langfinger auch vor Friedhöfen nicht Halt machen. Nicht zuletzt der hohe Metallpreis sorgt dafür, dass bundesweit reihenweise Kupfervasen oder gar ganze Kreuze verschwinden. Messingbuchstaben werden abmontiert, Skulpturen auseinandergenommen.

Grabgestecke verschwinden

Doch es muss nicht immer Metalldiebstahl sein. Gestohlen wird, was nicht niet- und nagelfest ist. In Fellbach verschwanden jüngst Grabgestecke, auch anderswo gibt es regelmäßig solche Fälle. Gerade jetzt im November, wenn allerorten der Toten gedacht wird, finden Langfinger offenbar ein reiches Betätigungsfeld auf Friedhöfen.

Auf dem Waldfriedhof in Stuttgart empfängt deshalb ein etwas makaber wirkendes Schild die Besucher. „Lasst den Toten ihre Blumen“, heißt es darauf. Die Aufforderung hat einen ernsten Hintergrund, denn auch hier verschwinden Blumen, Gestecke und anderer Grabschmuck.

Wie oft, kann man beim Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Stadt nicht sagen. Es wird keine Statistik geführt und in ganz vielen Fällen melden sich die Betroffenen wohl auch gar nicht erst. „Diebstähle können nur bei der Polizei angezeigt werden. Der Stadt liegen daher keine Zahlen zu Diebstählen auf den Friedhöfen vor. Vereinzelt melden Angehörige von Verstorbenen, dass von Grabstellen zum Beispiel Blumen, Kerzenlichter oder kleine Figuren verschwunden sind und bitten das Garten-, Friedhofs- und Forstamt um Rat“, sagt eine Sprecherin der Stadt. Man weise die Anrufer dann darauf hin, dass sie selbst eine Anzeige bei der Polizei erstatten müssen. „Sie erhalten hierfür die Kontaktdaten der zuständigen Polizeiwache. In den meisten Fällen bleibt eine solche Anzeige gegen Unbekannt jedoch ohne Erfolg, sodass die entwendeten Gegenstände nicht zurückerlangt werden.“

Selbst Grablichter gelten als Diebesbeute.

Foto: picture alliance/dpa/Sven Hoppe

Wohl auch aufgrund der geringen Erfolgsaussichten werden bei der Polizei tatsächlich nur wenige Fälle angezeigt. „Wir haben in diesem Jahr bisher Anzeigen wegen Diebstählen auf Friedhöfen nur in einstelliger Zahl verzeichnet“, sagt eine Sprecherin der Stuttgarter Polizei. Dabei sei es meist um Grabkerzen und Blumen gegangen. Dazu kämen drei Fälle von beschädigten Gräbern.

Der materielle Schaden ist oft gering – der emotionale bei den Betroffenen dafür beträchtlich. Dass selbst auf Friedhöfen kein Anstand herrscht, setzt manchen mächtig zu. Verhindern lassen sich solche Fälle freilich nicht. Experten raten lediglich, möglichst keine wertvollen Materialien auf Gräbern abzulegen oder zu verwenden. Im Falle von Aussegnungshallen wie in Kohlberg dürfte das allerdings schwierig werden.

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