Lebensmittelkontrolle in Stuttgart: Katzen nutzen Lagerraum für Mehl als Klo

Das Thermometer gehört zur Ausrüstung der Kontrolleure: Die Temperatur spielt bei der Lagerung von Lebensmitteln eine entscheidende Rolle.
Uwe Anspach/dpaDer Mensch ist, was er isst, sagt man. Aber: Nicht immer haben wir es in der eigenen Hand, was auf den Teller kommt – ob in der Gastronomie alle Betriebe so sauber arbeiten, wie man es daheim tun würde. Damit der Standard gewährleistet ist, macht die Abteilung Lebensmittelüberwachung regelmäßige Kontrollen in der Gastrobranche und im Lebensmittelhandel. Schwarze Schafe gibt es immer wieder.
Einer der erschreckendsten Funde, der bei Kontrollen gemacht wurde, war in einer Großbäckerei. „Wenn man die Treppe zum Mehllager runterging, sah man Katzenkot direkt neben der Tür“, berichtet Jana Lohmann, die Leiterin der Dienststellefür Lebensmittelkontrolle. Die Anwesenheit der Katzen hatte offenbar einen Grund, der ebenfalls dafür Sprach, dass hier nicht allzu sauber gearbeitet wurde: Auch Spuren von „Schadnagern“, so heißen Mäuse in der Behördensprache, waren zu finden, ebenfalls in Form von Exkrementen.
Wer bei derlei unsachgemäßen Lagermethoden ertappt wird, muss seinen Laden sofort wieder auf Vordermann bringen. Um Gesundheitsgefahren auszuschließen, wird der Betrieb so lange geschlossen. Das traf neben der Bäckerei zum Beispiel ein In-Lokal der Partyszene in der City. Hackfleisch, das nicht mehr zum Verzehr geeignet war, Mäusekot auf den Tellern, die zum Servieren bereitgestellt waren, ein Backofen mit alten Dreckkrusten, Schimmel im Schockfroster und Lippenstiftreste an gespülten Gläsern: Als die Kontrolleure das während der Vorbereitung für den abendlichen Betrieb sahen, blieb der Laden an dem Abend geschlossen. Der Betreiber ließ alles putzen, einen Tag später konnte er wieder aufmachen. Die gute Nachricht: Bei einer Nachkontrolle, zwei Monate nach dem ersten Besuch, war laut der Behörde alles in Ordnung.
Über 50 Prozent der Stuttgarter Lokale mit Hygienemängeln ertappt
In Zahlen sieht das so aus: In Stuttgart existierten im Jahr 2025 insgesamt 10 671 gastronomische Betriebe. Die Kontrolleure schafften es, 3861 davon zu überprüfen. Dabei stellten sie in den Betrieben 1889 Verstöße fest, also bei 54.5 Prozent der überprüften Lokale. Es kamen 389 Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige, 348 Bußgeldbescheide wurden ausgestellt. Strafanzeigen waren es 145 mit Weiterleitung an die Polizei und die Staatsanwaltschaft. Geschlossen wurden – vorübergehend bis zur Behebung der Missstände – wurden 212 Betriebe.
Eine wichtige Zahl für die Statistik der Lebensmittelkontrolle ist auch immer die Kontrollquote. Denn sie sagt aus, wie hoch die Dichte der Überprüfungen war. Diese lag 2025 lediglich bei 36,7 Prozent der Betriebe in Stuttgart. Ein Wert, der Jana Lohmann nicht gefallen kann – erst recht nicht dessen Ursache: „Wir hatten vier Stellen, die nicht besetzte waren. Das merkt man dann“, erläutert die Leiterin der Dienststelle. Aktuell seien aber neue Auszubildende dazugekommen. Generell gelte: Selbst ausbilden ist der beste Weg, Lebensmittelkontrolleure zu bekommen, sagt Jana Lohmann. Denn: „Der Markt ist leergefegt.“
Die Kontrolle der Betriebe ist nicht die einzige Aufgabe der Lebensmittelüberwachung. Ein wichtiges Feld ist auch die Überwachung, ob Gemüse und andere Rohstoffe die Grenzwerte der Pestizidbelastungen einhalten. Jana Lohmann sind mehrere Waren aufgefallen. Und das sind nicht Tomaten aus Spanien, die viele meiden. Sondern: Weinblätter aus der Türkei. In acht Fällen waren bei diesen, die zu gefüllten Weinblättern verarbeite werden sollten, zu hohe Belastungen gemessen worden. Die Behörde gebe dann eine Schnellwarnung heraus. Außerdem sind ihr vier Fälle belasteter Tafelbirnen und einer aus Italien mit diesem Obst im Gedächtnis geblieben.
Ehrenamtliche stärken Stuttgarter Feste mit Hygieneschulungen
Feste und andere Veranstaltungen bedürfen ebenfalls der Aufmerksamkeit. 988 Festkontrollen wurden vorgenommen. Seitens der Behörde bestehe die Bereitschaft, Ehrenamtliche in Sachen Lebensmittelhygiene zu schulen. Mit nur einer Bitte. „Wir müssen bündeln, also möglichst viele in einem Termin zusammenfassen“, sagt Jana Lohmann. Vergangenes Jahr habe man 1018 Personen schulen können. Von ihnen waren 365 Ehrenamtliche, der Rest Jäger und Mitarbeitende in Kindertagesstätten.
Ehrenamtliche werden geschult für Stuttgarter Festen
Nicht zuletzt gehört zu der Dienststelle auch das Veterinärwesen. Das heißt, dass die Tierärztin Anna Laukner und ihr Team gerufen werden, wenn das Tierwohl in der Stadt gefährdet ist. Das können Fälle von Animal Hoarding sein – das Anhäufen von Tieren in der Wohnung, wobei die Haltung den Menschen über den Kopf wächst. Verdreckte Käfige, vernachlässigte Tiere und auch verendete Tiere finden die Mitarbeitenden dann vor. Aus dem Jahr 2025 ist der Tierärztin unter anderem ein Fall mit einem Hund im Gedächtnis geblieben, der ein völlig ungepflegtes Gebiss mit massivem Zahnstein und kaputten Zähnen hatte. Eine Taube mit viel zu langen Krallen, die nicht geschnitten wurden war auch dabei.
Seit 2024 werden sogenannte Fortnahmen erfasst. Das sind Fälle, in denen die Halter nicht mehr die Tiere versorgen können. Unlängst hatte ein Fall in Stuttgart für Aufsehen gesorgt, bei dem jemand mehr als 40 Schlangen in der Wohnung gehalten hatte – mit toten Tieren, unterernährten und verletzten und dehydrierten dabei. In dem Fall war die Verwahrlosung der Tiere der Grund für die Fortnahme durch das Amt. Vergangene Woche wurden eine giftige Kobra, eine giftige Skorpion-Krustenechse und ein Waran dem Halter abgenommen. Der Grund dieses Mal: Er konnte nicht belegen, dass er die Tiere aus einer legalen Quelle erworben hatte.
Liste der geschlossenen Lokale
Lokale
Wer sich informieren will, welche Lokale aktuell wegen Verstößen geschlossen werden mussten, findet Informationen auf der Seite verbraucherinfo-bw.de unter dem Punkt Lebensmittelkontrolle. Man muss dort den Regierungsbezirk und die Stadt Stuttgart auswählen.
Frist
Die Lokale werden dort ein halbes Jahr nach der Feststellung der Verstöße gelistet. Es wird dort auch über die Beseitigung der Mängel informiert – etwa wenn gereinigt wurde.
