Neue Bachleitung ist fertig
: Die Rückkehr des Nesenbachs: Ein bissle Bächle für Stuttgart

Weit über 100 Jahre war der in Stuttgart-Vaihingen entspringende Nesenbach eingedohlt und damit unsichtbar. Nun ist er zurück – zumindest an zwei Stellen im Stuttgarter Stadtgebiet.
Von
Lisa Kutteruf
Stuttgart
Der Nesenbach fließt wieder überirdisch: Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Frank Nopper und der Leiter der städtischen Wasserversorgung Joachim Mutz lassen den Nesenbach wieder überirdisch durch die Nesenbachstrasse fliessen.

Der Nesenbach fließt wieder überirdisch: Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Frank Nopper (links) und der Leiter des Tiefbauamts mit Eigenbetrieb Stadtentwässerung Jürgen Mutz an der 90 Meter langen Rinne in der Nesenbachstraße.

Lichtgut/Leif Piechowski
  • Nesenbach ist in Stuttgart an zwei Stellen wieder sichtbar, insgesamt rund 190 Meter.
  • Eine neue 4,1 km lange Leitung führt Quellwasser getrennt vom Kanal bis zum Neckar.
  • Startpunkt sind drei Quellen bei Heslach, das Wasser fließt über Marktplatz in den Eckensee.
  • Ziel sind Entlastung des Kanalnetzes, kühlere Innenstadt und bessere Wasserqualität in Seen.
  • Kosten: Vorhaben etwa 5,8 Mio. Euro – aktueller Abschnitt rund 3,25 Mio., Land zahlt ein Viertel.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Stuttgarts Oberbürgermeister steht in der Nesenbachstraße in der Stuttgarter Innenstadt und strahlt. „Ein lange gehegter Wunsch geht in Erfüllung“, sagt Frank Nopper (CDU). Dann bückt er sich, dreht am Verschluss einer Leitung und lässt Wasser in eine offene Rinne strömen: Es handelt sich um das Wasser des Nesenbachs, der, nach vielen Jahren in der Versenkung, sein Comeback feiert; ein kleines zumindest. Hier, zwischen Sophien- und Christophstraße, ist er nun auf einer Länge von 90 Metern wieder sichtbar. An einer zweiten Stelle weiter südlich, beim Marienplatz in der Möhringerstraße, fließt er über weitere 100 Meter oberirdisch.

Zuvor war der Nesenbach viele Jahrzehnte unsichtbar gewesen. Abfälle und Abwasser machten den Bach zu einer stinkenden Brühe, weshalb man im 19. Jahrhundert anfing, ihn nach und nach in den Untergrund zu verbannen. Fortan strömte das Bachwasser von der Quelle in Vaihingen zusammen mit Ab- und Regenwasser durch einen Abwasserkanal unter der Stadt bis ins Klärwerk in Mühlhausen. Im April 2024 beschloss der Stuttgarter Gemeinderat, das wieder zu ändern. Um den Bach wieder sichtbar zu machen, hat die Stadt auf einer Länge von 4,1 Kilometern eine Leitung eigens für das Bachwasser gebaut, durch die es nun getrennt vom restlichen Wasser durch die Stadt bis in den Neckar fließen soll.

Quellwasser fließt in den Eckensee

Diese Leitung speist sich aus drei Quellen oberhalb von Heslach: dem Nesenbach, dem Sindelbach und der Heidenklinge. Sie führt zu einer bereits bestehenden Leitung am Marktplatz. Von dort aus gelangt das Wasser in den Eckensee, wo es für bessere Wasserqualität sorgen soll. Im nächsten Schritt will die Stadt die Leitung erweitern, sodass das Wasser in die Seen im Unteren Schlossgarten weiterfließen kann. Für das gesamte Vorhaben veranschlagt die Stadt Stuttgart etwa 5,8 Millionen Euro. Die Kosten des jetzt abgeschlossenen Bauabschnitts belaufen sich auf etwa 3,25 Millionen Euro. Das Land Baden-Württemberg übernimmt ein Viertel der tatsächlichen Gesamtkosten.

Viele Menschen in Stuttgart träumen von der Stadt am Fluss. Bringt der freigelegte Nesenbach die Vision näher – oder ist er eher ein Tropfen auf den heißen Stein? „Das ist das, was im Moment realistisch ist“, sagt Nopper. „Mehr wäre schöner.“ Hauptzweck der neuen Leitung sei, das saubere Wasser aus dem Kanalnetz zu nehmen und den Kanal dadurch zu entlasten, sagt der Oberbürgermeister – und zählt weitere erhoffte Effekte auf: „Verschönerung und Abkühlung der Innenstadt. Verbesserung der Wasserqualität in den Seen.“

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Im Juli 1508 übrigens, so berichtet Frank Nopper, habe ein Gewitter über Stuttgart-Heslach den Nesenbach derart anschwellen lassen, dass eine Flutwelle entstanden sei. Häuser seien eingestürzt, elf Menschen umgekommen. Derartige Szenarien sind im Zuge der jetzigen Freilegung aber nicht zu befürchten. Die Stadt war vielmehr besorgt, es könnte nicht genug Wasser in der offenen Rinne zusammenkommen. Und selbst wenn es doch einmal mehr Wasser wird, droht keine Überschwemmung. „Es gibt einen Überlauf“, erklärt Tiefbauamtsleiter Jürgen Mutz.