Neuer Trend beunruhigt Eltern: Zahnstocher mit Nikotin können Kinder süchtig machen

In der Regel stecken zwischen zwei und drei Milligramm Nikotin in einem Zahnstocher, in manchen Produkten sind es aber auch bis zu sechs Milligramm.
dpa/Pia Bayer- Neuer Trend: Nikotin-Zahnstocher tauchen in sozialen Medien auf und verunsichern Eltern.
- Aromen und bunte Aufmachung sprechen Kinder an – ähnlich wie bei Vapes.
- Pro Stäbchen meist 2–3 mg Nikotin, teils bis 6 mg; Aufnahme über die Mundschleimhaut.
- Risiken sind Sucht, erhöhter Puls und Blutdruck sowie Übelkeit und Erbrechen.
- In Deutschland nicht zugelassen, online dennoch erhältlich – eine Münchner Schule verbot Zahnstocher.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Vapes werden immer beliebter. Die moderne Form der E-Zigarette, in der eine zumeist nikotinhaltige Flüssigkeit erhitzt und dann eingeatmet wird, verführt vor allem junge Menschen zum Rauchen. „Eine aktuelle Studie zeigt, dass schon Grundschulkinder auf Vapes aufmerksam werden. In der Tat konsumieren teils bereits Zehnjährige regelmäßig E-Zigaretten“, sagte Hendrik Streeck, der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, vor Kurzem gegenüber der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK). Die bunten Verpackungen und fruchtigen Aromen würden gezielt Kinder ansprechen und harmlos wirken. Doch Nikotin in jeder Form mache abhängig und verursache schwere Gesundheitsschäden.
Nun beunruhigt ein neuer Trend Eltern und Schulen. In den sozialen Medien ist vermehrt Werbung für Nikotin-Zahnstocher zu finden. Sie sehen aus wie gewöhnliche kleine Holzstäbchen für die Zahnreinigung, sind aber mit Aromen und Nikotin überzogen. Letzteres wird „durch Lutschen oder Kauen abgelöst und über die Mundschleimhaut aufgenommen“, erklärt Stefanie Eckhardt, Leiterin im Referat Suchtprävention im Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.
In der Regel steckten zwischen zwei und drei Milligramm Nikotin in einem Zahnstocher, in manchen Produkten seien es aber auch bis zu sechs Milligramm. Zum Vergleich: In einer Zigarette sind rund zehn Milligramm Nikotin.
Nikotin-Zahnstocher: So werden vor allem Kinder verführt
Ähnlich wie bei Vapes werde bei Nikotin-Zahnstochern mit süßen Aromen und einer ansprechenden Aufmachung gelockt, erläutert Eckhardt und fügt hinzu: „Das macht diese Produkte besonders für junge Menschen attraktiv.“ Andrea Rabenstein, Suchtmedizinerin in der Tabakambulanz des LMU-Klinikums in München, ergänzt: „Meine Sorge ist, dass noch ein Produkt auf dem Markt ist, was Kinder und Jugendliche anspricht und Nikotin in deren tägliches Verhalten bringt.“ Denn das berge ein großes Suchtpotenzial. „Je früher eine Substanz in das jugendliche Gehirn gelangt, desto schwieriger ist es, diese wieder loszuwerden. Und desto mehr wird diese in das Verhalten und in die Biologie des Konsumenten integriert.“
Der Konsum von Nikotin erhöht die Herzfrequenz und den Blutdruck. Zudem kann es zu Vergiftungserscheinungen wie Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen kommen. Langfristiger Nikotinkonsum begünstigt die Entwicklung von Tumoren. Die Verbreitung und Wirkung von Nikotin-Zahnstochern wird aktuell in verschiedenen Studien genauer untersucht, unter anderem von der Tabakambulanz in München und in der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten.
Nikotin-Zahnstocher gibt es schon seit vielen Jahren. In Deutschland seien sie nicht zugelassen und dürften demnach nicht verkauft werden, betont das BIÖG. Das Institut räumt aber auch ein, dass man sie „über Umwege online kaufen“ könne.
Allzu weit können diese Umwege nicht sein, schließlich sind die Zahnstocher bereits an der ein oder anderen Schule angekommen – wenn auch nicht in Stuttgart, wie zumindest eine Blitzumfrage unter Schulleitern gezeigt hat. Jedoch sah sich schon Ende des vergangenen Jahres eine Münchner Realschule dazu gezwungen, Zahnstocher auf dem gesamten Schulgelände zu verbieten, weil vermehrt Holzstäbchen mit Nikotinüberzug im Umlauf waren. Den Lehrern sei es schlicht unmöglich gewesen, diese von herkömmlichen Zahnstochern zu unterscheiden.
