Post ins Leonhardsviertel
: Nach Einladung zu Bordellbesuch in Stuttgart: Julia Klöckner antwortet John Heer

In einer Laudatio forderte die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner ein Sexkaufverbot. Zum Ärger des Bordellbetreibers John Heer. Jetzt hat Klöckner ihm einen Brief geschrieben.
Von
Hilke Lorenz
Stuttgart
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Uneins in Sachen Prostitution: der Stuttgarter Laufhausbetreiber John Heer und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner

Lichtgut/dpa

Die Einladung kam postwendend und wenig überraschend. Kaum war in Berlin der Heldinnen-Award, ein von der Alice-Schwarzer-Stiftung ausgelobter Preis, an die Stuttgarter Sozialarbeiterin Sabine Constabel für ihr jahrzehntelanges Engagement für Prostituierte vergeben, meldete sich der Stuttgarter Laufhausbetreiber und Vorsitzende des Verbandes deutscher Laufhäuser John Heer zu Wort.

Denn die Laudatorin für Constabel war prominent: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Entsprechenden Widerhall fanden die Worte der CDU-Politikerin, die die Arbeit Constabels gewürdigt hatte. Doch in ihrer Rede hatte sie nicht nur die Preisträgerin gewürdigt. Sie hatte auch schwere Geschütze gegen die aktuelle liberale Prostitutionsgesetzgebung aufgefahren – und sich für ein Verbot in Deutschland und die Einführung des Nordischen Modells ausgesprochen.

Bordellbetreiber Heer lud Klöckner daraufhin nach Stuttgart zu einem Vororttermin ein und bot einen Faktencheck an. Klöckner hatte auch in den sozialen Medien gesagt, sie habe eine klare Haltung zur Prostitution und führte aus: „Ob in Bordellen, in Wohnungen oder auf dem Straßenstrich: täglich werden in unserem Land Frauen aufs Abscheulichste missbraucht.“ Den Freiern, so Klöckner weiter, gehe es oft nicht um Sex, es gehe ihnen um Demütigung und Macht. Sie wollten die Angst der Frauen spüren. Für sie sei klar: „Frauen und ihre Körper sind keine Ware.“ Klöckner bezeichnete Deutschland zudem als „Puff Europas“.

John Heer sieht Einmischung

Heer hielt dagegen. Ein Verbot der Prostitution würde nicht nur Bordellbetreiber und Freier kriminalisieren, sondern auch alle Sexarbeiterinnen, die man doch eigentlich schützen wolle. Er stellte zudem die Frage, ob Klöckner mit ihrem Auftritt bei der Preisverleihung nicht gegen das Neutralitätsgebot als Bundestagspräsidentin verstoße. Zudem sah er eine Einmischung Klöckners in das laufende Evaluierungsverfahren des seit 2017 geltenden Prostituiertenschutzgesetzes. Eine von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) einberufene Runde berät gerade über die aktuelle Situation.

Was Heer geärgert haben dürfte, ist wohl auch, dass sich nach Klöckners Rede die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zu Wort gemeldet hatte: auch sie sprach sich ebenfalls für das nordische Modell aus. Mit CSU-Forschungsministerin Dorothee Bär engagiert sich seit langem eine weitere prominente Unionsfrau für dieses Modell.

Es entkriminalisiert Prostituierte, bietet Ausstiegshilfen und stellt Sexkauf für Freier und Bordellbetreiber unter Strafe. Die Befürworter dieses Modells verweisen darauf, dass der übergroße Prozentsatz der Frauen in der Prostitution ihrer Arbeit nicht freiwillig tun, sei es aus Armutsgründen oder weil sie mit falschen Versprechungen aus Osteuropa nach Deutschland gelockt worden seien. Klöckner sprach in ihrer Laudatio von einem Armutsprostitutionsanteil von 85 bis 95 Prozent.

So antwortet Klöckner

Zu präsidialem Besuch in Stuttgart im Leonhardsviertel wird es aber nicht kommen. Stattdessen hat Klöckner Heer mit einem Brief geantwortet. Ihr seien die ökonomischen Interessen an der Prostitution bewusst. Genau deshalb werde sie sich weiter dazu äußern.

In Sachen Neutralitätsverbot führt Klöckner aus, sie sei nicht Mitglied der Bundesregierung und auch nicht an Koalitionsvereinbarungen gebunden. Für sie gelte: „Wo Grundfragen der Menschenwürde berührt sind, ist es meine Pflicht, die Stimme zu erheben. Schön dass Sie diese vernommen haben.“

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