Reaktionen auf Teilzeitdebatte
: „Es geht Sie einen feuchten Kehricht an“ – Netz tobt nach CDU-Vorstoß

Weil Fachkräfte fehlen, will der Wirtschaftsflügel der Union den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. Im Netz machen viele ihrem Ärger Luft – oder sich lustig darüber.
Von
Jonas Schöll
Stuttgart

In Teilzeit arbeiten heißt für viele Familie und Beruf vereinbaren (Symbolfoto).

imago images / Westend61

Der Vorstoß des Wirtschaftsflügels der Union, den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken, trifft von vielen Seiten auf Unverständnis und Kritik. Auch in den sozialen Medien trifft das Thema einen wunden Punkt. In zahlreichen Postings legen Nutzerinnen und Nutzer ganz unterschiedliche Gründe dar, warum Menschen in Deutschland in Teilzeit gehen. Was klar wird: Für viele geht es bei der Teilzeitarbeit nicht um Lifestyle sondern vielmehr um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der Grund für die Aufregung: Wie aus einem Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) an den CDU-Bundesparteitag im Februar hervorgeht, soll der Rechtsanspruch auf Teilzeit eingeschränkt werden. Es soll ihn demnach nur noch geben, wenn besondere Gründe vorliegen. Dazu zählt die MIT die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen und berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung. Der Antrag trägt den Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“.

Netz tobt nach CDU-Vorstoß

Viele Nutzer auf X (vormals Twitter) finden hingegen: Der Staat habe nicht das Recht, zwischen guten und schlechten Gründen zu unterscheiden. So betont ein Nutzer beispielsweise: „Die überwiegende Mehrheit der Pflege wird von Angehörigen geleistet. Die benötigen Unterstützung.“ Er schlägt vor, dass die Pflegetätigkeit als Teilzeitarbeit neben dem Beruf anerkannt und bezahlt wird. Denn: „Wer Teilzeit arbeitet und zu Hause pflegt, arbeitet nicht 100 sondern eher 150 bis 200 Prozent.“ Viele Nutzer stimmen zu.

Aber auch ganz ohne triftige Gründe: Viele wollen sich das Recht auf Teilzeit von der CDU nicht nehmen lassen. So schreibt eine Nutzerin beispielsweise: „Ich bin eine dieser Arbeitnehmerinnen, die planen in den nächsten Jahren in Teilzeit zu gehen und zwar einfach so. Ohne Begründung. Ohne Kinder, ohne zu betreuende Eltern.“

Nutzer kritisieren „totales kommunikatives Desaster“

Doch die Debatte wird nicht nur einseitig geführt. Manche können dem Vorstoß der CDU durchaus etwas abgewinnen: „Irgendwie ist allen klar, dass die Lage von Wirtschaft und Sozialsystemen mehr beziehungsweise längeres Arbeiten erfordert,“ schreibt eine Nutzerin auf X. Sie bemängelt: „Aber jedes Mal, wenn ein konkreter Vorschlag für diese notwendige Debatte kommt, ist das Geschrei dann groß.“

Auch andere finden den CDU-Vorstoß berechtigt – kritisieren aber „ein totales kommunikatives Desaster!“

Bei allem Ernst darf auf X natürlich auch eine gute Portion Humor nicht fehlen. „Bitte was?“, staunt ein Nutzer. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Das ist doch sogar in unserer Nationalhymne verankert: Einigkeit und Recht auf Teilzeit.“

Eine andere Nutzerin vermisst die alten Zeiten: „Irgendwie war mir die „Wir schaffen das“-CDU weitaus lieber als die „Ihr seid alle Loser“-CDU. Ein weiterer User treibt es ganz auf die Spitze: „Es ist ja nicht nur die Teilzeit“, witzelt er. Die Pointe: „Jede Nacht liegen Millionen Arbeitnehmer völlig unproduktiv im Bett herum.“

Auch Politiker-Stimmen mischen sich in die Debatte auf X – etwa der frühere Gesundheitsminister Karl-Lauterbach oder Manuela Schwesig, die Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern melden sich zu Wort. Die CDU sei nicht klug beraten, wenn sie ständig verkündet, dass die Menschen in Deutschland nicht genug arbeiten, moniert Schwesig. Die frühere Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hält dagegen:

Ist „Lifestyle-Teilzeit“ real?

Die Teilzeitquote in Deutschland lag 2025 mit rund 40 Prozent auf Rekordniveau. Das führte nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aber nicht dazu, dass das Arbeitsvolumen insgesamt gesunken ist. Denn Teilzeitbeschäftigte arbeiten demnach heute mehr Stunden als in früheren Jahren, zuletzt im Durchschnitt gut 18 Wochenstunden.

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