Rosensteinpark: Forscher empfiehlt als Ameisenköder Thunfisch aus der Dose

Die Asiatische Nadelameise nistet im Boden unter Steinen oder in Pflanzenresten.
David Grunicke/Universität HohenheimDer Biologe Brendon Boudinot ist Stiche von Insekten gewohnt: Bei seiner Arbeit als Kurator für Ameisen und Wespen am Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt kommt er häufig mit Insektengift in Kontakt – auch mit dem der Asiatischen Nadelameise, Fachbegriff „Brachyponera chinensis“, die er im Rosensteinpark Stuttgart entdeckt hat, kurz nachdem Hohenheimer Studenten die Art in der Wilhelma aufgespürt hatten. Wie gefährlich das Ameisengift für den Menschen tatsächlich ist und wie sich die Tiere im Park aufspüren lassen, erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion.
Herr Boudinot, wie darf man sich die Population im Rosensteinpark vorstellen: Bildet die Asiatische Nadelameise einen Ameisenhaufen oder leben die Tiere unterirdisch in Totholz oder unter Steinen?
Diese Ameisen bauen keine Hügel. Die Kolonie, die ich gefunden habe, nistete in Baumrinde, die am Boden lag. Generell nisten sie aber auch im Boden unter Steinen oder Pflanzenresten.
Wie lässt sich das Nest lokalisieren?
Obwohl ich Brachyponera chinensis sowohl hier als auch in den USA angetroffen habe, konnte ich die Ameisen nicht bis zu ihrem Nest verfolgen und kann daher nicht sagen, wie leicht sie zu finden sind. Aufgrund meiner Erfahrung mit der Ameisensuche erwarte ich jedoch keine allzu großen Schwierigkeiten. Ich empfehle, einen Köder, beispielsweise Thunfisch aus der Dose, auszulegen und den Ameisen zu folgen, solange sie ihn tragen. Irgendwann werden sie auf einen Stein oder Pflanzenreste stoßen, die man dann anheben oder durchsuchen kann. Wobei man dabei wahrscheinlich gestochen wird, da sie ihre Nester aggressiv verteidigen.
Könnten Parkbesucher unter Umständen in Kontakt mit den Tieren kommen?
Wir wissen derzeit nicht, wie viele Nester es gibt, aber während des „BioBlitz“ (Anm. der Redaktion: eine Aktion im Rahmen des Naturschutzes) suchte ein Team nach Ameisen, und ich war der Einzige, der welche fand. Daher vermute ich, dass die Koloniedichte gering ist und es eher ein Zufall sein wird, welche zu finden.
Was genau passiert, wenn die Asiatische Ameise sich verteidigt?
Anders als unsere Waldameisen besitzen Brachyponera einen funktionsfähigen Stachel: Die Ameise biegt ihren Hinterleib nach unten und drückt dann mit ihren Stachelmuskeln den Stachel in die Haut. Manchmal beißen Ameisen während des Stechens, aber der Biss ist völlig harmlos und dient lediglich der Verankerung. Im Gegensatz zu Honigbienen sterben Ameisen nicht, wenn sie stechen.
Ist der Stich gefährlich für den Menschen?
Zunächst einmal sind die Stiche spürbar schmerzhaft, aber nicht extrem. An den Stichstellen traten Rötungen und Quaddeln auf. Laut einem Bericht aus den USA verlaufen die meisten Fälle ähnlich: Es kommt nach dem Stich zu einer Nesselsucht – Uticaria genannt –, die zwei Stunden bis einige Tage anhalten kann. Leichtere Stiche rufen möglicherweise keine solchen Reaktionen hervor, und die Symptome klingen innerhalb einer Stunde ab. In einer Minderheit der gemeldeten Fälle – also bei etwa acht Prozent – traten Rötungen, stärkere Quaddeln und wiederkehrende Schmerzen auf, wobei die Symptome mehrere Tage bis über eine Woche anhielten. Mir sind keine noch schwereren Fälle bekannt.
Was ist Ihrer Meinung nach sinnvoll, wie man mit den Asiatischen Nadelameisen im Rosensteinpark umgehen sollte: Weiter untersuchen oder das Nest eliminieren?
Es wäre deutlich besser, sie zu entfernen, als sie dort zu belassen. Ich sehe in diesem Zusammenhang keine Notwendigkeit, die Population weiter zu untersuchen. Neben dem Versuch, das Vorkommen der Asiatischen Nadelameise im Park einzudämmen, wäre es gut, die Überwachung in diesem Park und in anderen Parks fortzusetzen.
Ein Ameisenspezialist aus den USA
Wissenschaft
Brendon Boudinot ist Erstautor der Studie über die Asiatische Nadelameise und Kurator für Ameisen und Wespen am Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt. Er ist Systematiker und Evolutionsbiologe und widmet sich bei seiner Arbeit vor allem Insekten – insbesondere Ameisen. Karriere
Boudinot hat an der University of California, Davis promoviert (Abschluss 2020), anschließend von 2021 bis 2022 als Postdoktorand an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und 2023 als Postdoktorand am Smithsonian Natural History Museum in Washington, D.C. gearbeitet.
