Stuttgarts OB Nopper auf Tour: Brache statt Wohnungen in S-Ost? „Quasi eine Standleitung zur EnBW“

Oberbürgermeister Frank Nopper (Bildmitte) blickt auf sein größtes Sorgenkind in Stuttgart-Ost. Bei seinem Stadtspaziergang mit Bürgerinnen und Bürgern bezog Stuttgarts Rathaus-Chef auch Stellung zum Rückzug der EnBW von ihren Wounungsbauplänen auf ihrem Gelände. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Christoph Schmidt- OB Frank Nopper kritisiert den Stillstand auf dem EnBW-Areal und fordert klare Ansagen.
- Am Stöckach zeigt ein SWSG-Neubau Potenzial; zu steile Treppen will der OB verbessern.
- Stöckachplatz: Pläne werden demnächst vorgestellt, Umsetzung soll bereits im kommenden Jahr starten.
- EnBW prüft Verkauf von Baugrundstücken – Stadt bleibt im Gespräch und erwartet Erklärungen.
- Spahr-Areal und Ostend-Areal bleiben Problempunkte; Haushalt ist aktuell schuldenfrei.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Zeiten, in denen sich OB Frank Nopper (CDU) in der Sommerpause in allen 23 Stuttgarter Stadtbezirken blicken ließ und sich den vielen Fragen der Bürgerinnen und Bürger stellte, sind vorbei. Nach dem Motto „weniger ist mehr, vor allem mehr Zeit für die Sorgen und Nöte vor Ort“ hat er die „Ochsentour“ seit vergangenem Jahr halbiert. Doch mit 13 Besuchen immer noch ein stolzes Pensum.
Diesen Sommer zeigte sich der Rathaus-Chef auch im Stuttgarter Osten, der – wie alle Innenstadtbezirke – mit Verkehrsproblemen behaftet ist. Auch städtebaulich bietet der Osten jede Menge Problem-Ecken und Brachflächen, die bei einer anständigen Entwicklung den Bezirk massiv aufwerten und so für sehr viel mehr Lebensqualität sorgen würde.

Ob zu viel Verkehr und Baustellen, fehlende öffentliche Toiletten oder zu wenig Geld für Kulturprojekte, Oberbürgermeister Frank Nopper hatte bei seinem Rundgang durch Stuttgart-Ost ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger.
Lichgut/Christoph SchmidtAls positives Beispiel sei an dieser Stelle der Neubau der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebau GmbH (SWSG) zu nennen. Der schmucke Neubau am Stöckach, Startpunkt der Sommertour, zeigt laut OB Nopper eindrucksvoll, was an dem verkehrsbelasteten Stöckachplatz städtebaulich möglich ist. Zugegeben, die 28 neuen Wohnungen sind nicht der ganz große Wurf, dennoch ist das Ensemble eine gelungene Stadtentwicklung mit frühzeitiger und engagierter Bürgerbeteiligung. Als architektonischer Wermutstropfen wurde der OB allerdings mit den viel zu steilen Treppenstufen und Rampen konfrontiert. „Für Mütter mit Kinderwagen nicht zu bewältigen“, so Nopper und versprach Verbesserungen.
Stöckachplatz in Stuttgart-Ost wird 2027 saniert
Was noch fehlt, ist der Stöckachplatz selbst. Der präsentiert sich heute nur als lieblose Fläche mit Parkplätzen und ein paar Bäumen, aber ohne Aufenthaltsqualität. Das wird sich bereits in absehbarer Zeit ändern. „Die Pläne für den künftigen Platz werden demnächst im Bezirksbeirat vorgestellt“, sagte Bezirksvorsteher Armin Serwani. Deren Umsetzung soll dann bereits im kommenden Jahr erfolgen. In diesem Zusammenhang versprach OB Nopper, für eine ausreichende Zahl an Kurzzeitparkplätzen zu sorgen und somit einer Forderung der Geschäftswelt rund um den Stöckachplatz nachzukommen. „Gerade Bäcker, wo die Verweildauer der Kundschaft eher kurz ist, benötigen solche Parkplätze“, sagte der OB.
Das städtebaulich in Stuttgart-Ost einiges im Argen liegt und folglich viel Arbeit auf die Rathaus-Spitze zukommen wird, wurde bei der zweiten Station offenkundig: das EnBW-Areal. Auf dem ehemaligen Betriebsgelände des Energieversorgers an der Hackstraße sollte einmal ein innovatives, nachhaltiges und durchmischtes Stadtquartier mit rund 750 Wohnungen entstehen. Doch das einstige Leuchtturmprojekt der IBA'27, das sogar als Meilenstein der Stuttgarter Wohnbaupolitik gepriesen wurde, ist seit 2023 zu einem der größten Sorgenkinder der Landeshauptstadt mutiert.
Stuttgarts Baubürgermeister habe Standleitung zur EnBW
„Zu groß und zu riskant wurde uns mitgeteilt“, antwortete OB Nopper auf die Fragen, wie es dort weitergeht, ob die Stadt nicht in die Bresche springen kann und ob sie im Kontakt mit dem Energieversorger steht. „Wir sind am Ball, Bürgermeister Peter Pätzold hat quasi eine Standleitung zur EnBW.“ Stuttgarts OB war die Enttäuschung über die negative Entwicklung auf dem für den Osten wohl wichtigsten Areal sichtlich anzumerken. Zumal die EnBW vor der Sommerpause im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik angekündigt hatte, die Baugrundstücke aufzuteilen und auf dem freien Markt zu verkaufen. Eine Entwicklung, die damals für leichte Panikstimmung bei den Fraktionen gesorgt hatte.
Wohl auch deshalb fand der Rathaus-Chef bei dem Rundgang doch kernige Worte, was die anstehenden Gespräche und Debatten anbelangt. „Die EnBW muss jetzt Farbe bekennen, sie muss in die Arena und sich erklären“, gab sich Nopper kämpferisch. Seiner Meinung nach sei der Energieversorger jetzt in der Verantwortung und müsse erklären, was seine nächsten Schritte seien. Allerdings gab er schon auch zu verstehen, dass Stadt und EnBW zusammenarbeiten müssen. Dabei verwies er auf das Ostend-Areal, dessen Umnutzung eine ähnlich zähe Vorgeschichte hat. Für das Quartier zwischen Landhaus-, Ostend- und Schönbühlstraße scheint sich endlich eine Lösung abzuzeichnen. Unter anderem für rund 150 Wohneinheiten.
Zum Abschluss der Sommertour lotste Bezirksvorsteher Armin Serwani den OB zu einem weiteren Sorgenkind in Stuttgart-Ost. Dabei handelt es sich um das fast 11.000 Quadratmeter große Spahr-Areal, das seinen Namen der Hahn + Spahr GmbH & Co. Automobilhandel KG zu verdanken hat. Nach dem Aus des Traditionsunternehmens hat die Rewe-Gruppe das Gelände mit dem Ziel erworben, neben einem Supermarkt einige Wohnungen und eine Seniorenpflegeeinrichtung zu bauen. 2018 hat der Bezirksbeirat einer notwendigen Änderung des Bebauungsplans zugestimmt, getan hat sich seitdem allerdings nichts. Laut Armin Serwani reichen sich stattdessen die Eigentümer dort die Klinke, nur bauen tue niemand. Ein Zustand der untragbar sei. Einmal davon angesehen, dass der Penny-Markt im vorderen Bereich des Grundstücks immerhin noch die Nahversorgung sichere.
Wann ist Stuttgart wieder schuldenfrei? OB: Ist es zunächst
Die Umnutzung des brachliegenden Spahr-Areals nahm OB Nopper genauso auf seine To-do-Liste wie all die anderen Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger. Etwa mehr öffentliche Toiletten oder mehr Geld für Kultureinrichtungen. Was von dem Wunschzettel in naher Zukunft in Erfüllung geht, vermochte der OB mit dem Verweis auf die prekäre Haushaltslage nicht vorhersagen. Ebenfalls konnte er die Frage nicht beantworten, wann Stuttgart denn wieder schuldenfrei sei. „Zunächst einmal ist der aktuelle Haushalt schuldenfrei“, korrigierte der Rathaus-Chef, gab jedoch zu, dass man auch in Stuttgart künftig mit roten Zahlen leben müsse. Das wiederum habe natürlich Auswirkungen auf den Wunschzettel – zwangsläufig, leider.











