Sprengkörper in Stuttgart-Degerloch: So lief die Bomben-Entschärfung im Hospitalwald

Auf der Ladefläche eines Transporters gesichert: Die entschärfte Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Hospitalwald.
Fotoagentur StuttgartEs ist ein denkwürdiges Bild, das sich zwei Spaziergängerinnen am frühen Sonntagnachmittag im Hospitalwald bei Stuttgart-Degerloch bietet. Eben noch haben sie mit ihren Spazierstöcken einen Transporter mit der Aufschrift ‚Kampfmittelbeseitigung’ umrundet, der mitten im Wald steht, umgeben von Einsatzkräften. Dann bleiben sie abrupt stehen.
Ihr Blick fällt auf den zylindrischen Metallkörper, der auf der Ladefläche des Transporters festgeschnallt ist. Zögernd treten sie näher, mustern ihn. „Ist das etwa eine Bombe?“, fragt eine der Frauen schließlich. Ein Polizist neben dem Transporter nickt. „Von der geht aber keine Gefahr mehr aus“, sagt er. Doch da sind die beiden schon einen Schritt zurückgewichen. „Schnell weg hier“, murmelt die eine. Die andere nickt zustimmend. Zu diesem Zeitpunkt ist der Einsatz des Kampfmittelbeseitigungsdienstes längst abgeschlossen.
Evakuierung in Degerloch: 1000 Menschen in Sicherheit gebracht
Gegen 13.15 Uhr hat ein Team von Experten die Fliegerbombe britischer Herkunft, die bei Sondierungsarbeiten im Hospitalwald entdeckt worden war, entschärft. Sie hatte seit rund 80 Jahren im Erdreich im Stadtbezirk Degerloch geschlummert. Dem waren umfangreiche Evakuierungen vorausgegangen: Rund 1000 Menschen im Stadtteil Hoffeld mussten in einem Umkreis von 600 Metern in Sicherheit gebracht werden. Insgesamt sind an diesem Sonntagmorgen rund 100 Kräfte der Polizei sowie etwa ebenso viele von Feuerwehr und Bevölkerungsschutz im Einsatz, dazu zahlreiche Ehrenamtliche. Straßen wurden gesperrt, Häuser kontrolliert. Besonders aufwendig gestaltete sich die Räumung der Seniorenwohnanlage Lothar-Christmann-Haus innerhalb der Sicherheitszone.
Dort begannen zahlreiche Einsatzkräfte bereits ab 8 Uhr mit der Evakuierung. Viele Bewohnerinnen und Bewohner konnten das Gebäude nicht eigenständig verlassen und wurden mit Krankentransportwagen in umliegende Pflegeeinrichtungen gebracht. Auch mehrere Busse der SSB waren im Einsatz, um Bewohnerinnen und Bewohner des betreuten Wohnens an andere Unterkünfte zu verlegen.
Zunächst ist man von einer kleineren Bombe ausgegangen
Als der Sperrbereich schließlich kurz nach 11 Uhr vollständig geräumt war, begannen Christoph Rottner und sein Team des Kampfmittelbeseitigungsdienstes mit der Entschärfung der Bombe. Mit den Vorbereitungen war man aber schon viel früher beschäftigt gewesen, wie der Einsatzleiter erzählt: „Ich bin heute schon seit 5.30 Uhr auf den Beinen“, sagt Rottner. Zunächst sei man von einer kleineren Bombe von etwa 250 Kilogramm ausgegangen. Doch beim Freilegen habe sich gezeigt, dass es sich um einen etwa 500 Kilogramm schweren Sprengkörper handele. Die Entschärfung selbst habe mit der Freilegung zwei bis drei Stunden gedauert, so Rottner, und sei „relativ unspektakulär“ verlaufen.
Mit der Entwarnung begann für viele Anwohner der Rückweg. Für die Einsatzkräfte war die Arbeit aber damit noch längst nicht vorbei. Vor allem die Rückführung der Menschen aus der Seniorenwohnanlage und anderer hilfsbedürftiger Personen brauche ihre Zeit sagte Daniel Anand, Sprecher der Stuttgarter Feuerwehr.
Dass solche Einsätze nötig sind, ist in Stuttgart keine Ausnahme. Bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurden zehntausende Bomben abgeworfen, ein Teil detonierte nicht. Manche liegen bis heute im Boden, wie die im Hospitalwald.