Liebe in der Gen Z
: Mit 24 noch nie eine Beziehung gehabt: Warum ich mir keinen Druck mache

Der erste Kuss, Sex und die erste große Liebe? Für die meisten gehört das zum Erwachsenwerden. Für unsere Autorin nicht. Gründe dafür gibt es für sie einige.
Kommentar von
Emily Rehmet
Stuttgart
Jetzt in der App anhören
xx

Mit ihrer fehlenden Beziehungserfahrung ist Emily nicht allein. Auch Freundinnen von ihr hatten noch nie einen Partner oder eine Partnerin. Sie machen sich deswegen allerdings Druck.

privat

Ich bin 24 Jahre alt und hatte noch nie eine romantische Beziehung. Es gab zwar die eine oder andere Kennenlernphase, aber für was Festes hat es nie gereicht. Die Gründe dafür? Unsicherheiten, Ghosting oder fehlende Kapazitäten.

Während es für die meisten selbstverständlich ist, kenne ich lediglich die Vorstellung. Liebe ist für mich nicht rosarot. Sondern viel eher: eine Menge Arbeit. Es braucht viel Kommunikation und die Bereitschaft, immer wieder Kompromisse einzugehen. In meinem Leben war für dieses Commitment bisher kein Platz. Ich hatte so viel damit zu tun, auf mich, meine Unsicherheiten und das Erwachsenwerden, klarzukommen.

Eine Beziehung, um mich weniger allein zu fühlen?

Natürlich ist es möglich, eine Beziehung zu führen, wenn man sich noch nicht selbst gefunden hat. Beziehung ist schließlich kein Must-have, sondern lediglich eine Ergänzung. Aber eine Beziehung zu führen, nur um sich weniger allein zu fühlen? Das wollte ich nie. Durch mein Elternhaus assoziiere ich Partnerschaft auch immer mit Streit.

Mir war meine Unabhängigkeit immer wichtiger, als irgendwelchen Standards zu entsprechen. Ganz typisch Gen Z eben. Jahrelang habe ich geglaubt, ich erwarte zu viel. Aber mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob der Anspruch, eine reflektierte Person zu sein, mit der ich nicht ständig über Gleichberechtigung diskutieren muss, nur das Bare Minimum ist.

Meine Me-Time ist für mich überlebenswichtig

Dabei kann Alleinsein doch so schön sein. Ich bin sehr gut darin, es mir allein schön zu machen und habe selten Angst, etwas zu verpassen. Ich bin introvertiert und Me-Time ist für mich überlebenswichtig, um mit der Welt klarzukommen. Trotzdem gibt es Momente, in denen mir Nähe fehlt. Mal nicht alles allein handeln? Das habe ich mir schon oft gewünscht.

Mangelhaft habe ich mich wegen meiner fehlenden Erfahrungen noch nie gefühlt. Ich bin schließlich nicht die Einzige, die spät dran ist. Meine Stuttgarter Friends dagegen machen sich einen krassen Druck, die ersten Erfahrungen zu sammeln und den ersten Partner zu finden. Während sie Angst haben, etwas zu verpassen, vergleiche ich mich aufgrund anderer Themen.

Ich wünsche mir, dass es normaler wird, sich Zeit bis zur ersten Partnerschaft zu lassen.   Beziehungen sind schließlich kein Sprint. Nur weil alle Angst haben etwas zu verpassen, heißt das nicht, dass ich mitrennen muss. Und sich diese Freiheit zu nehmen, wünsche ich jedem.