Stuttgarter Forscher beteiligt
: Spektakulärer Fund: Wissenschaftler untersuchen das Innere eines uralten Sauriers

Ein internationales Forschungsteam, mit dabei ein Stuttgarter Wissenschaftler, hat bei einem Fossil erstmals das älteste Verdauungssystem eines Meeresreptils entschlüsselt. Was verrät es?
Von
Iris Frey
Stuttgart
Das Fossil Austronoga minuta, welches sich in Peking befindet. Es ist 245 Millionen Jahre alt. Bei ihm hat ein internationales Forscherteam erstmals das Verdauungssystem entschlüsselt.

Das Fossil des Austronaga minuta, welches sich in Peking befindet. Es ist 245 Millionen Jahre alt.

Wei Wang
  • Forscher entziffern erstmals das Verdauungssystem eines Meeresreptils.
  • Es handelt sich um das Fossil Austronoga minuta – Fund liegt in Peking.
  • Das Exemplar ist 245 Millionen Jahre alt und liefert Einblicke ins Innere.
  • Ein internationales Team beteiligt, darunter ein Wissenschaftler aus Stuttgart.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Für die Forscher ist es eine spektakuläre Entdeckung: Der Paläontologe Stephan Spiekman vom Naturkundemuseum Stuttgart hat zusammen mit anderen Wissenschaftlern ein besonderes Meeresreptil mit dem wissenschaftlichen Namen Austronaga minuta in einer Studie beschrieben. Das Team entdeckte nach Angaben des Naturkundemuseums und der Universität Hohenheim das älteste Verdauungssystem eines langhalsigen Meeresreptils. Die Forschungsarbeit, an der auch Fachleute aus China, Europa und den USA mitwirkten, wurde in der Zeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht.

Das Tier lebte vor 245 Millionen Jahren in den Ozeanen. Das Fossil selbst, welches untersucht wurde, befindet sich in Peking. Für die Forscher bemerkenswert ist der einzigartige Blick ins Innere eines Meeressauriers: So haben die Forschenden mit Hilfe verschiedener Untersuchungsmethoden wie der UV-Licht-Fotografie und Massenspektrometrie zwischen den Rippen des Fossils erstmals mehrere innere Organe eindeutig identifizieren können.

Rekonstruktion des 245 Millionen Jahre alten Meeressauriers Autronaga minuta. Forscher fanden heraus, dass es damals Fisch gefressen hat.

Rekonstruktion des 245 Millionen Jahre alten langhalsigen Meeressauriers Autronaga minuta. Forscher fanden heraus, dass der Saurier damals Fische gefressen hat. Im Magen fanden sich Fischschuppen.

Gabriel Ugueto

Großen sackartigen Magen mit Inhalt gefunden

Sie trafen auf einen großen, sackartigen Magen, eine auffallend rote Leber mit Resten des Blutfarbstoffs Hämoglobin und einen langen, einfachen Schlauch, den Dünn- und Dickdarm. Es ist ein „einfach aufgebautes Verdauungssystem“, wie Wei Wang, Hauptautor der Studie und Experte für Meeresreptilien am Institut für Wirbeltierpaläontologie und Paläoanthropologie in Peking, feststellte. Die Sensation: Das Fossil sei das älteste bekannte Beispiel für ein weitgehend vollständiges Verdauungssystem eines Reptils.

Paläontologe Stephan Spiekman neben seiner Saurier-Neuentdeckung im Juli 2025, dem „Mirasaura Grauvogeli“.

Paläontologe Stephan Spiekman neben seiner Saurier-Neuentdeckung im Juli 2025, dem „Mirasaura Grauvogeli“. Der 34-Jährige arbeitet seit 2022 im Naturkundemuseum Stuttgart.

Lichtgut

Ebenfalls bemerkenswert: Während heutige Vögel und Krokodile einen zweigeteilten Magen haben, hatte das Reptil Austronaga nur eine Magenkammer, wie Autor Nick Fraser vom National Museum Scotland erklärt. „Dies deutet darauf hin, dass sich der Doppelmagen höchstwahrscheinlich erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Evolution dieser Reptiliengruppe entwickelte“, so der Stuttgarter Co-Autor Spiekman.

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Hypothese bestätigt: Reptil hat damals schon Fische gefressen

Was der Meeressaurier gefressen hat, weiß der 34-jährige Stuttgarter Forscher und Spezialist für langhalsige Meeresreptilien: „Wir haben im Verdauungstrakt von Austronaga mehrere Fischschuppen gefunden; es steht also fest, dass das Tier Fische fraß.“ Welche Fischart es war, ist bislang unklar, aber sicherlich eine Art Knochenfisch, so Spiekman.

Meeressaurier ist rund 60 Zentimeter lang mit langem Schwanz

Das untersuchte Reptil war nur rund 60 Zentimeter lang. Es hatte einen langen Hals und einen langen Schwanz sowie flossenähnliche Vorderbeine, die es zum Steuern und Stabilisieren nutzte. Die Hinterbeine waren stark verkürzt. Austronaga war damit gut an das Leben im Wasser angepasst, obwohl er mit landlebenden Reptilien, den so genannten Archosauriern verwandt ist, zu denen auch Krokodile und Dinosaurier gehören.

Die Entdeckung zeige, dass frühe Vertreter der Linie sich bereits komplex an das Leben in den Ozeanen angepasst hätten, so Spiekman.

Die Studie wurde von Forschern des Instituts für Wirbeltierpaläontologie und  Paläoanthropologie in Peking, des National Museums Scotland, des Stuttgarter Naturkundemuseums und der Universität Hohenheim, sowie des Field Museums in Chicago, des Luoping Biota National Geoparks und der Universität Zürich durchgeführt.

Die Forschergruppe hofft, durch weitere Untersuchungen noch mehr Erkenntnisse über die Evolutionsgeschichte der Meeresreptilien und ihrer landlebenden Verwandten zu bekommen.