Traditionsverein schärft Profil
: Heimatbund wehrt sich gegen Vereinnahmung von „Heimat“ durch Rechtsaußen

Der 112 Jahre alte Schwäbische Heimatbund schärft sein Profil: Dazu gehört ein offensives Eintreten für die Demokratie angesichts des politischen Rechtsrucks im Land.
Von
Jan Sellner
Stuttgart
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„Es geht um den Schutz der Demokratie und unserer freiheitlichen Grundordnung: Heimatbund-Vorsitzender Andreas Felchle, Mitarbeiterin Beate Fries und Geschäftsführer Bernd Langner (von links).

Jan Sellner

Klare Worte von einem württembergischen Traditionsverein: Der Schwäbische Heimatbund, 1914 gegründet, will es nicht zulassen, dass radikale Kräfte den Heimatbegriff für sich beanspruchen. „Wir lehnen jede Form der Vereinnahmung von ,Heimat‘ ab, die darauf abzielt, Menschen auszugrenzen und sie von der Entwicklung unserer Gemeinschaft auszuschließen“, erklären der Vorsitzende des Heimatbundes, Andreas Felchle, und der Geschäftsführer Bernd Langner in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Heimat sei nicht nur ein Ort, sondern beschreibe ein emotionales Daheimsein. Das sei ohne Werte nicht vorstellbar, wie sie der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zugrunde liegen würden.

Positionspapier wendet sich gegen Diskriminierung

Was ist Heimat? Nicht nur ein Ort, meint der Schwäbische Heimatbund. (Symbolbild)

Foto: imago/Shotshop

In einem Positionspapier formulieren sie: „Dort, wo gleiches Recht und sozialer Frieden wirken, wo Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit herrschen, wo die Achtung der Menschenwürde aller über allem steht, wo Menschen fair miteinander diskutieren und in der Sache streiten, wo Gemeinschaft gelebt wird und soziale Wärme entsteht, wo diese Werte nicht infrage gestellt werden, da sind wir daheim. Heimat ist da, wo die Würde eines jeden Menschen unangetastet ist und bleibt.“ Zugleich betonen sie: „Heimat kann nicht existieren, wo ausgegrenzt und diskriminiert wird.“

Durch die gegenwärtige Entwicklung in der Gesellschaft fühle sich der Schwäbische Heimatbund herausgefordert, „unmissverständlich Position zu beziehen“. Adressat dieser Botschaft ist die AfD. Aber nicht nur. Felchle macht deutlich: „Spätestens seit sich die NPD 2023 in ,Die Heimat‘ umbenannt hat, war für mich klar, dass wir aus der Defensive rausmüssen.“

Der Vorsitzende des Heimatbundes erklärt zudem, die freiheitlich-demokratische Grundordnung, der man ein Leben in relativem Wohlstand und in der Abwesenheit von Krieg verdanke, sei für den Schwäbischen Heimatbund von „zentraler Bedeutung“. Heute gehe es nicht mehr nur darum, die Bedeutung dieses Wertekanons zu betonen, sondern auch ihn aktiv zu verteidigen. Alle gesellschaftlichen Bereiche müssten verstehen, „dass diese Werte in Gefahr sind, wenn der Rechtsruck weitergeht und die betreffenden Akteure in staatliche Verantwortung kommen.“

„Es geht ganz konkret um den Schutz unserer Ordnung.“ Der Heimatbund verstehe sich „als Bollwerk für den Schutz unserer Kultur und unseren demokratischen Werten“. Dies wolle man künftig viel stärker in den Mittelpunkt rücken. „Wir wollen uns an die Spitze einer gesellschaftlichen Bewegung zum Schutz der Demokratie stellen“, betonen Felchle und Langner.

Vorsitzender Felchle: „Ja, wir werden politisch!“

Der Verein plant dazu auch eine landesweite Kampagne, die sich an verschiedene gesellschaftliche Gruppierungen richtet. „Wir wollen das in alle Bereiche hinein streuen: in Sport, Kultur, Kirche und Naturschutz“, sagt Felchle, der auch Präsident des Württembergischen Landessportbundes ist. Auch im politischen Raum will der Heimatbund aktiv werden. „Ja, wir werden politisch“, sagt der Vorsitzende, der von 1992 bis 2023 Bürgermeister von Maulbronn war. Politisch sein bedeute hier nicht, Parteipolitik zu betreiben , sondern sich mit gesellschaftspolitischen Fragen zu befassen.

An ihrem Vereinsnamen wollen Felchle und Langner festhalten. „Heimat ist nicht altmodisch“, erklären sie. Man müsse den Begriff nur weiterentwickeln „und ins 21. Jahrhundert mitnehmen. Es gehe um einen „zeitgemäßen, an den Erfahrungen der letzten 100 Jahre ausgerichteten Heimatbegriff, der auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung gegründet ist.“

Mit diesem geschärften Profil hofft der von Bildungsbürgern des frühen 20. Jahrhunderts gegründete Heimatbund, auch neue Bevölkerungsgruppen anzusprechen. Derzeit zählt er noch rund 3000 Mitglieder, Tendenz abnehmend. „Wir müssen uns auf den Weg machen, neue Schichten von Menschen zu erreichen – Zugezogene aus anderen Bundesländern und Menschen mit Migrationshintergrund, die seit Jahrzehnten hier leben.“

Forderung nach mehr öffentlichen Mitteln für den Denkmalschutz

Zugleich hat der Schwäbische Heimatbund auch ein konkretes landespolitisches Anliegen: „Wir nehmen die Landtagswahl zum Anlass, um darauf hinzuwirken, dass dem Verfassungsrang genießenden Denkmalschutz künftig ein größerer Stellenwert zugemessen wird, als dies in der jüngeren Vergangenheit der Fall war“, heißt es in einem zweiten Positionspapier.

Die Zahlen zeigten, dass Baden-Württemberg weit hinter anderen Bundesländern hinterherhinke, sagen Felchle und Langner: „Wir liegen bei den öffentlichen Ausgaben für den Denkmalschutz auf einem der letzten Plätze im Bundesvergleich.“ Sie beliefen sich pro Einwohner zuletzt auf lediglich 3,24 Euro – „nicht einmal die Hälfte des Durchschnittswerts“ (6,52 Euro – Angaben von 2024) 2015 seien es in Baden-Württemberg noch 4,78 Euro gewesen.

Diese Sparpolitik gehe massiv zu Lasten der Denkmaleigentümer, die bei Sanierungsmaßnahmen denkmalbedingte Mehrkosten schultern müssten, meinen Felchle und Langner. Auch das Denkmalförderprogramm des Landes schaffe kaum Abhilfe. Bei Eigentümern käme nur noch ein Bruchteil der früheren Förderung an. Ihre Forderung an die künftige Koalition im Land: „Die öffentlichen Ausgaben für den Denkmalschutz müssen zumindest dem bundesdeutschen Durchschnittswert angepasst werden.“

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