Ukraine-Protest in Stuttgart: Demonstranten verlangen Verhandlungen in Den Haag

Menschen haben am Freitagabend für einen Frieden in der Ukraine protestiert.
Tristan Oetker-KastAm Freitagabend versammelten sich Menschen unter dem Slogan „Kein Frieden ohne Freiheit – Den Haag statt Alaska“ auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Dort protestierten sie gegen die Gespräche zwischen US-Präsident Donald Trump und den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Anchorage.
Neben Ukrainerinnen und Ukrainern sprachen auch deutsche Unterstützer aus der Zivilgesellschaft und Politik, darunter auch Gabriele Reich-Gutjahr von der Stuttgarter FDP und Benjamin Hueber von der Kleinstpartei Volt.
„Wir haben versucht, über Sanktionen und dem Kauf von Bodenschätzen ein Zeichen zu setzen. Bisher hat das hat alles nicht funktioniert. Wir dürfen es uns deswegen nach wie vor nicht bequem machen“, sagte Reich-Gutjahr bei ihrer Rede zu den Anwesenden.
Hueber wählte direktere Worte: „Wir nehmen keinen Diktatfrieden hin, der von Russland vorgegeben wird!“

Eine Handvoll Demonstranten versammelte sich am Freitag auf dem Schlossplatz.
Foto: Tristan Oetker-KastUm die Demonstration bildete sich schnell eine Traube von Menschen. Einige Passanten bekundeten ihre Unterstützung der Ukraine, andere versuchten zu provozieren. Ein Passant rief im Vorbeigehen „Slawa Rossij“ – „Ruhm für Russland“, was die Demonstrierenden mit „Slawa Ukrajini“ und „Heroijam slawa“ – „Ruhm der Ukraine“ und „Ruhm den Helden“ quittierten.
Vergleich mit Appeasement-Politik der 1930er-Jahre
Im Laufe der Demonstration gab es ein offenes Mikrofon. Einer der Sprecher sagte: „Hier sind viele Ukrainer, aber heute geht es vor allem um Europa. Was passiert mit Europa, wenn es ein Münchener Abkommen 2.0 gibt?“
Auch viele andere Redner und Rednerinnen verglichen die Gespräche mit dem verhängnisvollen Höhepunkt der Appeasement-Politik des damaligen britischen Premierministers Neville Chamberlain im Jahr 1938.
Damals entschieden Deutschland, England, Frankreich und Italien darüber, welche Gebiete der Tschechoslowakei an Deutschland fielen. Die Tschechoslowakei schlossen sie von den Verhandlungen aus. Chamberlain war überzeugt gewesen, so dauerhaft Frieden zu schaffen.

Fallback Image STZ
Stuttgarter ZeitungAuch die USA und Russland luden die Ukraine nicht zu ihren Gesprächen in Alaska ein. Präsident Trump betonte im Vorfeld immer wieder, dass Territorialzugeständnisse Teil eines möglichen Deals sein könnten.
Nach dem Treffen mit Donald Trump sprach Putin von einer „Vereinbarung“, Trump hingegen sagte man habe Fortschritte gemacht, aber es gebe noch keinen Deal. Er müsse jetzt mit Selenskyj und den NATO-Verbündeten telefonieren. Putin und er seien sich allerdings einig, dass der Krieg enden müsse.
Zum Abschluss setzten die Demonstrierenden ein Zeichen für die territoriale Integrität der Ukraine. Sie präsentierten Schilder mit den Namen aller ukrainischen Regionen und lasen laut deren Namen vor. Im Anschluss sang eine Frau die ukrainische Nationalhymne.