Untersuchung des ACE: Stuttgarter Autofahrer besonders häufig am Handy

Wer das Handy hinter dem Steuer nutzt, wird vom Straßenverkehr abgelenkt.
Karl-Josef Hildenbrand/dpa- Stichprobe des ACE: An 309 Kreuzungen wurden 83.383 Fahrzeuge eine halbe Stunde beobachtet.
- In Stuttgart Pragstraße/Löwentorstraße lag die Quote am höchsten: 15 von 84, also 17,9 Prozent.
- Pforzheim folgt mit 11 von 100, Berlin liegt mit 10,5 Prozent dahinter – an vier Orten keine Verstöße.
- Experten warnen vor schwer nachweisbarer Ablenkung durch Texten und fordern höhere Strafen.
- Allianz-Forscher schätzen Ablenkung auf mindestens 30 Prozent Unfallanteil, offiziell deutlich weniger.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Das Handy am Steuer zu bedienen, ist gefährlich. Offenbar nehmen diese Gefahr in Stuttgart besonders viele Autofahrer in Kauf. Das zumindest suggeriert eine Untersuchung des Automobilclubs ACE. Demnach wurden an der Kreuzung Pragstraße/Löwentorstraße in Stuttgart die meisten Verstöße festgestellt. Dort hätten von 84 Personen hinter dem Steuer, insgesamt 15 das Mobiltelefon in der Hand gehabt. „Die Quote von 17,9 Prozent ist der bundesweite Negativrekord“, teilt der ACE mit.
Repräsentativ ist die Erhebung aber nicht, sie ist wohl eher ein Versuch, ein grobes Bild davon zu zeichnen, wie viele Autofahrer sich nicht ausschließlich auf die Straße konzentrieren. Vom 1. April bis zum 31. Juli dieses Jahres hatten rund 350 Ehrenamtliche an 309 ausgewählten innerörtlichen Kreuzungen das Verhalten von Autofahrern beobachtet; jeweils für eine halbe Stunde. Dabei seien „sowohl fahrende als auch vorübergehend stehende Fahrzeuge, beispielsweise an Ampeln, erfasst worden“, heißt es. Das Ergebnis: Insgesamt wurden 2782 Verstöße bei 83.383 Kraftfahrzeugen festgestellt.
Weitere Kreuzung im Südwesten ganz vorne
Auch die Kreuzung mit den zweitmeisten Verstößen liegt in Baden-Württemberg: An der Kreuzung Dietlinger Straße/Wildbader Straße in Pforzheim waren 11 von 100 Autofahrern am Handy. Berlin mit der Kreuzung Danziger Straße/Greifswalder Straße (Quote: 10,5 Prozent) liegt auf Rang drei. Bei lediglich vier Checks in Braunschweig (Niedersachsen), Jüterbog (Brandenburg), Oschatz (Sachsen) und Trostberg (Bayern) wurden dagegen keine Verstöße gemeldet.

Auch das Telefonieren hinter dem Steuer ist verboten.
Jan Woitas/dpaBei Erhebungen dieser Art müsse man scharf unterscheiden, was genau gemeint sei, sagte Unfallforscher Siegfried Brockmann von der in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) ansässigen Björn Steiger Stiftung der Deutschen Presse-Agentur. Das Handy am Ohr zu haben sei etwas ganz anderes, als dass das Handy zum Texten unten auf dem Schoß liege. Wenn jemand Textnachrichten während des Fahrens lese oder schreibe, sei dies sehr viel schwieriger nachweisbar. In amtlichen Statistiken komme dies jedoch immer nur mit einem sehr geringen Prozentsatz vor. „Das heißt aber nicht, dass es nicht vorkommt, sondern dass man es nicht nachweisen kann.“
Junge Autofahrer dürften das Problem verschärfen
Die Handynutzung am Steuer nehme gerade unter jungen Autofahrern dramatisch zu, sagt Björn Steiger. „Meine Prognose ist, dass wir davon noch viel mehr sehen werden, weil die Digital Natives ja gerade erst am Steuer angekommen sind und die eben überhaupt keine Minute aushalten können, ohne zu gucken, ob es irgendwas Neues gegeben hat“, sagte Brockmann. Je jünger und unerfahrener die Autofahrer dabei seien, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht richtig einschätzen könnten, wann sie kurz eine Sekunde von der Fahrbahn wegschauen könnten.
Ablenkung beim Autofahren spielt nach Einschätzung der Unfallforscher der Allianz eine weit größere Rolle bei Autounfällen als angenommen. Erhöht wird das Risiko aber nicht nur durch das Handy, sondern auch durch die zunehmende Verbreitung der Digitaltechnik im Auto, schreiben die Fachleute des Münchner Konzerns in einer Studie.
„Mindestens 30 Prozent der Unfälle sind durch Ablenkung verursacht“, sagte Christian Sahr, der Leiter des Allianz Zentrums für Technik (AZT). „Das Thema verschärft sich, weil Ablenkung durch Design im Auto quasi verbaut ist.“ Laut polizeilicher Unfallursachenstatistik würden um die 1,5 Prozent der Unfälle durch Ablenkung verursacht. „Aber das ist eine Zahl, die nicht mit der Realität übereinstimmt“, sagte Sahr.
Experten fordern seit Längerem höhere Strafen für die Handynutzung beim Autofahren. Auch sind sogenannte Handyblitzer im Südwesten im Gespräch. Die Nachbarn aus Rheinland-Pfalz haben solche Geräte bereits in Betrieb. Die Kamera filmt passierende Autofahrer von erhöhten Positionen, wie etwa Autobahnbrücken. Schilder am Straßenrand weisen darauf hin. Erkennt die künstliche Intelligenz des Systems ein Handy in der Hand, wird ein Foto gespeichert. Polizisten überprüfen später, ob tatsächlich eine illegale Handynutzung vorliegt. In Baden-Württemberg fehlt dafür noch die Rechtsgrundlage.
Mit Material von dpa.
