: Die Jugend forscht – und plant das zukunftsfähige Tiny House
Erstmals lobte die Architektenkammer einen Wettbewerb für Schulklassen aus. Die in Stuttgart prämierten Beiträge zeigen, was junge Leute von guter Architektur fordern.
Eines von neun Gewinner-Projekten: Ein offener Pavillon zum Tauschen und Lesen von Büchern: „Biblion2“ von Stella Kugler, Klasse 11a, Kreisgymnasium Riedlingen.
Lichtgut/Leif Piechowski
„Museum Better Together“ von Sophie W. und Sophie M., Klasse 9a, Montfort-Gymnasium, Tettnang. Recyceltes Material kommt zum Einsatz, die Jury war angetan von der „ innovativen Idee, das Dach aus unterschiedlich geformten Drei- und Viereck-Solarmodulen zu gestalten“. Das verleihe dem Gebäude „eine markante, identitätsstiftende Ästhetik und unterstützt zugleich das ökologische Ziel der Energiegewinnung.“ I
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Viel Grün! „Vierbeinertreff“ von Zara Scheidel und Frieda Messerschmidt, Klasse 6d, Leibniz-Gymnasium, Östringen. „ Die großzügige und naturnahe Bepflanzung lässt die Grenzen zwischen Architektur und Natur geschickt verschmelzen“, lobte die Jury. „Dabei ist ganz vom Tier her gedacht mit Rückzugsräumen im oberen Stockwerk für die nötige Ruhe.“
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„Gemüse-Kiosk“ von Lina Molnar, Klasse 7b oder 7e, Schönbuch-Gymnasium, Holzgerlingen mit Dachterrasse. So lobte die Jury: „Dieser aus Holz gebaute Kiosk vereint auf nur 25 Quadratmetern den Verkauf von Essen aus selbst angebautem Gemüse und den Tausch von Büchern und Kleidung.“ Die im Modell gut umgesetzte einfache Pavillonstruktur passe gut zur Bauaufgabe und zum Low-Budget-Konzept, so die Jury. Regenwasser wird zur Bewässerung der Beete aufgefangen und Reste werden im Kompost zu Dünger.
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„The box“ von Franziska Heckenberger, Jonah Janßen und Luis Bauer, Klasse 10, Erasmus-Widmann-Gymnasium aus Schwäbisch Hall. Dies schrieb die Jury: „Das Hausboot überzeugt durch eine klare architektonische Idee und eine erfreulich abstrahierte Modellgestaltung.“ Gelobt wurde auch „die Autarkie des Gebäudes – vom Ort und energetisch. Nachhaltig konzipiert mit PV-Dach, Wasserrad und Stromspeicher wird ökologische Energieerzeugung sicht- und erlebbar.“
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„Gather“ von Maja Raißle, TG13/1+2, Kerschensteinerschule, Reutlingen. Jurylob: „Das prämierte Architekturmodell überzeugt durch seinen klaren Aufbau, ausgewogene Proportionen und eine sehr sorgfältige Ausführung.“ Mit der Öffnung zur Umgebung und die natürliche reduzierte Materialität (Holzbau) werde die Intention schlüssig umgesetzt.
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„Drachenburg“ von Anna Fuchs, Klasse 11c, Kreisgymnasium Riedlingen. Die Jury war überzeugt von der „Raum-Collage mit spannendem Wechsel von geschlossenen und offenen Raumelementen“. Nachhaltigkeit entstehe unter anderem „durch die Möglichkeit des Auf- und Abbaus an unterschiedlichen Orten.“
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Mit Windrad. „Multienergiehaus“ von Alessa Simon und Elisa Hoernig, Klasse 7a/b (Kunstzug), Droste-Hülshoff-Gymnasium, Freiburg. Eine „Öko-Bäckerei“ mit Food-Sharing-Konzept, durch das Obdachlose kostenlos Lebensmittel erhalten können. Die Jury war auch beeindruckt von der eigenen Energieversorgung durch Solarpanele, das Windrad sowie die stromproduzierenden Stand-Fahrräder. Da das Objekt auf Stelzen gebaut wird, wird zudem wenig Boden versiegelt.
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„Bienenwabenpavillon“ von Julia Ullmann und Johanna Böckmann, Klasse 10a, Helmholtz-Gymnasium, Karlsruhe. Architektonisch besteche der Pavillon „durch seine ikonischen, wabenförmigen Tragelemente“, so die Jury.
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Blick in die Ausstellung.
Lichtgut/Leif Piechowski
Schauen, was die Konkurrenz gebaut hat: Bauten mit weniger als 30 Quadratmetern sollten die Schülerinnen und Schüler entwerfen – Modelle aus dem Wettbewerb sind im Haus der Architektinnen und Architekten in Stuttgart zu begutachten.
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Gruppenbild mit vielen Siegerinnen und Siegern – aus der Landeshauptstadt ist keine Schule als Gewinnerin hervorgegangen.
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Auch interessant – der Beira von Hannes Romer vom Kreisgymnasiums Riedlingen und . . .
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. . . das farbenfrohe Modell von Lina Lauterbach vom St. Konrad Gymnasium, Ravensburg (Klasse 7b) sowie . . .
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. . . sowie diese schwungvolle Anordnung mit Grün von Mia Mes, Schönbuch Gymnasium, Holzgerlingen (Klasse 10c).
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Um den architektonischen Nachwuchs muss man sich wahrlich keine Sorgen machen. Zumindest nicht in Baden-Württemberg. Wer das nicht glaubt, sollte mal in der Landesgeschäftsstelle der Architektenkammer in der Stuttgarter Danneckerstraße 54 vorbeischauen. Zu bestaunen sind hier auf drei Etagen die Ergebnisse des erstmalig von der hiesigen Architektenkammer landesweit ausgelobten Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse unter dem Motto „Kleine Bauten – große Wirkung!“.
Gute Form
Ihre Aufgabe war es, ein kleines Gebäude – Kiosk, Café oder Tiny House – mit etwa 25 Quadratmetern Grundfläche im Modell (Maßstab 1:50) zu entwerfen, das den Erfordernissen einer für alle Bürgerinnen und Bürger gerechten und produktiven Stadt entspricht. Die jungen Leute sollten sich mit dem Klimawandel, der eigenen Lebenswelt sowie einer zeitgemäßen Baukultur auseinandersetzen mit dem Ziel, selbst eine gute und wertschätzende architektonische Form für gesellschaftliches Engagement zu entwickeln.
Klingt nicht so einfach, doch die 4500 teilnehmenden Kinder und Jugendlichen waren offensichtlich trotzdem voll bei der Sache. Die Fachjury hatte dann auch unter 304 Einsendungen die Qual der Wahl. Die in der Kammer ausgestellten Modelle atmen fraglos den Geist der Zeit, die meisten sie eindeutig experimentell angelegt und wollen das Klima schonen. Ein Trend, ganz klar: die Photovoltaikanlage. Ein anderer: begrünte Dächer, überhaupt viel Platz zum Gärtnern, Gemüseziehen, Spielen und Abhängen.
Gar nicht angesagt: Toskanahäuser. Autos sind woanders geparkt, auch Garagen gibt es so gut wie keine. Das Satteldach scheint bei den jungen Menschen ebenfalls keine Zukunft zu haben. Manche Meisterwerke erinnern entfernt an einen frühen Sobek, andere sind eine Hommage an Le Corbusier. Nicht wenige sind wirklich originell und individuell, und die meisten machen einfach nur Spaß.
Blick in die inspirierende Ausstellung im Haus der Architektinnen und Architekten in Stuttgart.
Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Der Wettbewerb, der unter der Schirmherrschaft von Bildungsministerin Teresa Schopper stand, ist nun entschieden, mehrere Siegerbeiträge wurden gekürt, je drei aus der Unter-, Mittel- und der Oberstufe. Darunter ist etwa ein Multi-Energiehaus mit einer „Ökobäckerei“ mit einem Food-Sharing-Konzept für Obdachlose, ein Gemüsekiosk, ein Hausboot mit großem Wasserrad und auch ein Bienenwabenpavillon. Auffällig: es sind meistens Mädchen, die beim Wettbewerb abgeräumt haben.
Info
Ausstellung Alle eingereichten Modelle sind noch bis 29. Mai im Haus der Architektinnen und Architekten (Danneckerstraße 54 in Stuttgart ausgestellt. Öffnungszeiten: Mo-Do, 8.30-16.30 Uhr, Fr 8.30-15 Uhr.
Preis Volker Schebesta, Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, nahm in Vertretung der Schirmherrin, Kultusministerin Theresa Schopper, die Ehrung der „kleinen Geschichten des Gelingens“ vor. Der Wettbewerb mache Architektur erfahrbar. Davon könnten alle profitieren und den einen oder anderen „für den Beruf motivieren.
Aufgabe 4500 Schülerinnen und Schüler im ganzen Land befassten sich mit dem Thema „Kleine Bauten – große Wirkung! I Architektur in einer Welt des Wandels“. Je Klasse durften drei Modelle eingereicht werden. Die Aufgabenstellung nahm Bezug auf die „Neue Leipzig-Charta“ und die darin geforderte „gerechte, produktive und grüne Stadt“: Es war also ein Gebäude zu entwerfen, das den Umwelt- und Klimaverträglichkeitsaspekt ebenso berücksichtigt wie den Gemeinwohlgedanken.