Wittwer-Bau Stuttgart
: „Nicht nur eine Frage der Ästhetik“ - Uni Stuttgart schreibt Offenen Brief zum Thema Wittwer

In einem Offenen Brief appellieren Architekten der Uni Stuttgart eindringlich an OB Frank Nopper, den Baubürgermeister Peter Pätzold und den Bauherrn Dinkelacker AG. Sie machen Vorschläge, wie der Abriss des Wittwer-Baus zu verhindern wäre.
Von
Nicole Golombek
Stuttgart
Der Wittwer-Bau in Stuttgart ist erst 1970 fertiggestellt worden. Nun soll das funktionstüchtige Gebäude abgerissen werden. Die Kritik daran reißt nicht ab.

Der Wittwer-Bau in Stuttgart ist erst 1970 fertiggestellt worden. Nun soll das funktionstüchtige Gebäude weichen. Die Kritik daran reißt nicht ab.

STZN/Nicole Golombek
  • Uni Stuttgart wendet sich mit Offenem Brief gegen Abriss des Wittwer-Baus in Stuttgart.
  • Adressaten sind OB Frank Nopper, Baubürgermeister Peter Pätzold und die Dinkelacker AG.
  • Begründung: bedeutendes Zeugnis der Nachkriegsmoderne und des Brutalismus mit solider Substanz.
  • Abriss sei klimaschutztechnisch nicht zu rechtfertigen – Bestandserhalt habe Priorität.
  • Gefordert wird die ergebnisoffene Prüfung von Sanierung, Umnutzung oder Weiterentwicklung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wöchentlich mehrere Diskussionsrunden, Eingaben, Zurufe gibt es derzeit zum umstrittenen Plan der Dinkelacker AG, den Stuttgarter Wittwer-Bau abzureißen und gegen einen Neubau zu ersetzen. Nun meldet sich die Fakultät für Architektur und Stadtplanung der Universität Stuttgart mit einem Offenen Brief zu Wort, gezeichnet vom Dekan, Professor Martin Ostermann. Das Schreiben geht an den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart, Frank Nopper, den Stuttgarter Baubürgermeister, Peter Pätzold, und  an den Aufsichtsratsvorsitzenden der Dinkelacker AG und Vorstandsvorsitzenden von Sedlmayr Grund und Immobilien AG, Hermann Brandstetter.

Als Institution, die sich in Forschung und Lehre intensiv mit Baukultur, Stadtentwicklung und nachhaltigem Bauen auseinandersetze, sehe man sich „in der Verantwortung, zu diesem Vorhaben öffentlich Stellung zu beziehen“, heißt es in dem Brief, der unserer Zeitung vorliegt: „Aus architektonischer Sicht handelt es sich bei dem Gebäude um ein bedeutendes Zeugnis der Nachkriegsmoderne und insbesondere des Brutalismus in Deutschland."

Dem Stuttgarter Bau wird „solide Bausubstanz“ bescheinigt

Entworfen wurde der Bau von Hans Kammerer und Walter Belz. Der Verlust des Gebäudes  „würde nicht nur eine Lücke im städtebaulichen Gefüge hinterlassen, sondern auch einen irreversiblen Einschnitt in das kulturelle Gedächtnis der Stadt Stuttgart bedeuten.“

Zudem sei der geplante Abriss „aus klimaschutztechnischer Perspektive nicht zu rechtfertigen“.  Internationale wie nationale Strategien zum Klimaschutz betonen ausdrücklich die Priorität von Bestandserhalt vor Neubau. „Dies gilt insbesondere für funktionstüchtige Gebäude wie das Buchhaus Wittwer, das durch seine solide Bausubstanz und räumliche Möglichkeiten das Potenzial einer langen Lebensdauer mit bringt.“ Ein Abriss widerspreche nicht nur fachlichen Empfehlungen, sondern auch den klimapolitischen Zielsetzungen des Landes Baden-Württemberg.

„Wir appellieren daher nachdrücklich an Stadt und Land, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, den Eigentümer zu veranlassen, die Abrisspläne zu überdenken und eine ergebnisoffene Prüfung von Alternativen wie Sanierung, Umnutzung oder Weiterentwicklung im Bestand einzuleiten“, heißt es.

Die Fakultät für Architektur und Stadtplanung erklärt „ausdrücklich ihre Bereitschaft, sich konstruktiv in einen solchen Prozess einzubringen und ihre Expertise zur Verfügung zu stellen.“ Der verantwortungsvolle Umgang mit der gebauten Umwelt sei eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Erhalt statt Abriss sei dabei „nicht nur eine Frage der Ästhetik“, sondern „der ökologischen und kulturellen Verantwortung“ gegenüber kommenden Generationen.

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