Zwergflusspferde am Neckar
: Warum die Verwaltung mit Zwergflusspferden am Neckar noch Probleme hat

Der Wilhelma-Förderverein plant seit etlichen Jahren ein Zwergflusspferd-Projekt am Neckar. Eine Antwort auf einen Grünen-Antrag zeigt nun weitere Hürden auf. Welche?
Von
Iris Frey
Stuttgart
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Blick vom stählernen Fußgängersteg auf den Neckar. Im oberen Bereich ist die Flusspferd-Anlage geplant.

Iris Frey

In einem knapp 20 Minuten langen Imagefilm über den Bau des Rosensteintunnels steht Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) mit Heiko Volz, Autor, Moderator und Redakteur, auf der stählernen Fußgängerbrücke, die unter der neuen Eisenbahnüberquerung am Neckar verläuft, der dort „Neckarknie“ genannt wird, weil der Neckar in einer Art Knick verläuft. Das Stadtoberhaupt erläutert wortgewaltig seine künftigen Vorstellungen über das frühere Baustellengelände am Uferbereich des Flusses, das sich gegenüber der Wilhelma befindet: „Nicht zuletzt soll auch das Wilhelma-Außengehege dorthin kommen mit den Zwergflusspferden.“ In dem Film der Stadt Stuttgart von 2021 zeigt Nopper die Vision vom Neckar mit schwimmenden Pontons vor den Schiffen, ein grünes Ufer mit Wegen, flanierenden Menschen. Und Nopper deutet auf die Grünfläche, die einmal oberhalb der Schiffsanlegestelle Wilhelma entstehen soll.

Die Baustelle samt Container ist längst abgeräumt und es gibt leere Grünflächen. Doch die Planung der Stadt für das Neckarknie und die vorgesehenen Plattformen lassen sich nicht so ohne weiteres realisieren, wie ursprünglich gedacht.

Das geht aus einer Antwort der Stadtverwaltung auf einen Antrag der Grünen im Bezirksbeirat Bad Cannstatt hervor.

Die neuen großen Freiflächen am Neckarknie.

Foto: Iris Frey

Die angedachte Zwergflusspferdeanlage kommt wohl auf längere Zeit erst einmal nicht. Denn: Die Stadt hat am Neckarufer zuerst mal vor, große schwimmende Plattformen einzurichten. Doch diese lassen sich aus technischen, wirtschaftlichen und genehmigungsrechtlichen Gründen nicht umsetzen, wie sie nun mitteilt, auch, weil es sich dort um ein Heilquellenschutzgebiet handelt. Jetzt muss umgeplant werden.

Stadt hält am Bau der schwimmenden Plattformen fest

Die Stadt hält dennoch am Bau der Plattformen fest, sieht aber bei einer neuen Planung Platzprobleme für die Besucherströme zur Neckarschifffahrt und zur Zwergflusspferdanlage sowie dem Fuß- und Radverkehr am Ufer.

Kein verlässlicher Zeitplan fürs Projekt

Laut Verwaltung gibt es deshalb keinen verlässlichen Zeitplan und verweist auf unklare Rahmenbedingungen, fehlendes Personal für die Planung und die prekäre aktuellen Haushaltslage. Und welche weiteren Hürden sieht die Verwaltung noch? Die Stadt brauche noch Unterlagen für die zoorechtliche Genehmigung, heißt es. Sie habe Bedenken wegen Lärmkonflikten bezüglich der Flusspferde und sieht Konflikte mit dem Tierschutz. Ob das Projekt kommt? Allenfalls am Ende der Baumaßnahmen. Doch wann diese starten, ist unklar.

Schon 2024 hatte die Stadt es nicht als IBA-Projekt gesehen

Als Vorzeigeprojekt für die Internationale Bauausstellung 2027 (IBA) war das Flusspferd-Projekt diskutiert worden. Doch schon 2024 hatte die Stadt es nicht als IBA-Projekt gesehen. Jetzt informiert sie, dass sie die Neckarinsel als IBA-Projekt 2027 mit einbezieht und das Projekt „Kleines Wasenufer“ mit einer „minimalinvasiven baulichen Maßnahme.“

Plan für die Zwergflusspferdanlage am Neckarknie vor der Wilhelma

Foto: mkk-Architekten

Bereits 2024 hatte IBA-Geschäftsführer Andreas Hofer Interesse für das Flusspferde-Projekt angezeigt, welches der Wilhelma-Förderverein komplett selbst finanzieren und nach den Vorgaben der Wilhelma bauen würde. Die Stadt hatte damals erklärt: Für die IBA sei das Projekt nicht relevant. Aktuell sieht die Stadt Bautätigkeiten im Umfeld des geplanten Geheges bis zum Ausstellungsjahr der IBA nicht abgeschlossen.

Die komplett eingehauste Zwergflusspferd-Anlage als Visualisierung.

Foto: mkk-Architekten

Der Vorsitzende des Wilhelma-Fördervereins, Georg Fundel, sieht in dem aktuellen städtischen Vorhaben am Neckarknie „keinerlei Nutzen in den schwimmenden Plattformen“. Dies sei eine „unausgewogene Idee von Stadtplanern“. Er versteht die Planung nicht. Neben der Verwirklichung des Zwergflusspferde-Projekts, plädiert der Vereinsvorsitzende dafür, die Plattformen im Wasser sein zu lassen und dafür besser den Aufenthaltsbereich am Seilerwasen mit dem Stadtstrand zu entwickeln, der im Sommer stets von vielen Besuchern bevölkert sei. Da könnte er sich eine bessere Ausstattung vorstellen statt einer „Bewirtung aus dem Container“.

Neckar-Käpt’n sieht Projekt als Bereicherung am Neckarufer

Auch der Neckar-Käpt’n, der das Zwergflusspferd-Projekt begrüßt als Bereicherung am Neckarufer, hat die Planung von schwimmenden Plattformen nicht in Auftrag gegeben. Jens Caspar erklärt auf Nachfrage: „Wir kennen die Pläne nicht im Detail, wären aber gerne mit eingebunden. Platz- oder Lärm-Probleme sehen wir keine.“

Grünen-Fraktionssprecher Eberhard Wachter erklärt zur Antwort der Stadtverwaltung: „Wir wollen, dass die Cannstatterinnen und Cannstatter endlich direkt ans Wasser können, statt den Neckar nur aus der Ferne zu betrachten. Den Impuls rund um die Zwergflusspferde sollten wir nutzen, um das Rosensteinufer als urbanen Freiraum für alle zu öffnen – ein Ort, an dem man gemeinsam Zeit verbringt und buchstäblich die Füße ins Wasser halten kann.“ Damit es hier zügig vorangehe, müsse die Stadt jetzt alle Beteiligten an einen Tisch holen. „Wenn wir an einem Strang ziehen, schaffen wir eine Lösung, die alle Belange respektiert und den Fluss am Rosensteinufer endlich erlebbar macht“, so Wachter.

Auch CDU fordert rasche Planung und Auskunft

Zuletzt hat nun die CDU-Gemeinderatsfraktion die Stadtverwaltung aufgefordert, über den Stand der Planung noch vor der Sommerpause zu berichten, wie sie die Wilhelma dabei bestmöglich und zügig unterstützt bei dem Projekt der Flusspferde, welches einen „erheblichen Mehrwert sowie die Attraktivität Stuttgart“ bedeute. Hierzu steht eine Antwort der Stadt noch aus.

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