„Aufeinander aufpassen“: Was König Haakon von seinem Vater gelernt hat

Norwegens verstorbener König Harald V. (M) neben dem damaligen Kronprinzen Haakon, bei der Regierungseröffnungsrede anlässlich der offiziellen Eröffnung des norwegischen Parlaments im Jahr 2010.
Hakon Mosvold Larsen/Scanpix Norway/dpaEs sind große Fußstapfen, in die König Haakon VIII. (53) getreten ist. Nach dem Tod seines Vaters Harald V. Ende August steht der norwegische Monarch nun selbst an der Spitze des Königshauses. Wie sehr ihm sein Vater dabei fehlt, machte er am Donnerstagabend (22. Oktober) deutlich. Beim traditionellen Abendessen für die Mitglieder des norwegischen Parlaments im Königsschloss in Oslo sprach Haakon offen über seine Trauer – und erinnerte mit persönlichen Anekdoten an den früheren König.
„Nun stehe ich hier und nicht mein Vater“, begann Haakon seine Rede. „Ich vermisse ihn heute Abend, und ich bin sicher, dass ich damit nicht allein bin.“
Für Harald sei dieses Abendessen immer etwas Besonderes gewesen. Der verstorbene Monarch habe die Begegnungen mit den Parlamentsmitgliedern geschätzt und die Gelegenheit gerne genutzt, seinen Humor unter Beweis zu stellen. „Er war, wie wir wissen, lustig – mit treffenden Kommentaren und gutem Timing. Und nicht gerade selten mit Dad Jokes“, erinnerte sich Haakon an die typischen Witze seines Vaters.
König Haakon verrät die wichtigsten Lebensweisheiten seines Vaters
Besonders persönlich wurde der neue König gegen Ende seiner Rede. Dort verriet er, welche drei Grundsätze seines Vaters er selbst bewahren und an andere weitergeben möchte.
„Alle Menschen sind gleich viel wert. Wir müssen gut aufeinander aufpassen. Versuche, du selbst zu sein“, zitierte Haakon die Überzeugungen des verstorbenen Königs.
Doch damit war die Aufzählung noch nicht beendet. Einen vierten Ratschlag gab es als kleine Zugabe: „Lass niemals eine Gelegenheit verstreichen, einen trockenen Witz zu machen.“
„Ich bin mir nicht sicher, ob das ein guter Rat ist, aber es ist auf jeden Fall ein netter Rat“, scherzte Haakon. Ein Moment, der zeigte, wie sehr der Humor seines Vaters in ihm weiterlebt.
Auch Prinzessin Astrid wird schmerzlich vermisst
Neben Harald fehlte an diesem Abend ein weiteres langjähriges Mitglied der Königsfamilie: Prinzessin Astrid, Haakons Tante. Auch an sie erinnerte der Monarch mit liebevollen Worten.
Astrid habe über viele Jahre hinweg an dem traditionellen Parlamentsdinner teilgenommen und sei bis zuletzt aufmerksam, unterstützend und neugierig gewesen. Dabei durfte offenbar auch ihre Hündin Wilma nicht fehlen, die häufig auf ihrem Schoß saß. Die kleine Hündin ist nur einen Tag nach Astrids Beerdigung ebenfalls gestorben.
Besonders ihre direkte Art sei unvergessen geblieben. Wer bei einem solchen Abendessen schon einmal neben Astrid gesessen habe, wisse, dass sie kein Blatt vor den Mund genommen und stets offen gesagt habe, was sie denke, erzählte Haakon.
Bewegende Worte an Königin Sonja: „Eine wichtige Unterstützung für uns“
Eine besondere Rolle nahm an diesem Abend Königin Sonja ein. Nach dem Tod ihres Ehemannes Harald ist die frühere Königin weiterhin eine wichtige Stütze für ihren Sohn.
Haakon richtete sich in seiner Rede persönlich an seine Mutter und dankte ihr für alles, was sie und Harald in den vergangenen Jahrzehnten für die Monarchie geleistet hätten.
„Königin Mette-Marit und ich haben das Glück, auf dem soliden Fundament aufbauen zu können, das du und mein Vater in 35 Jahren geschaffen habt“, erklärte der König.
Gemeinsam mit seiner Frau freue er sich darauf, in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten, durch Norwegen zu reisen und den Menschen im ganzen Land zu begegnen. Gleichzeitig betonte Haakon, wie dankbar er sei, dass Sonja ihn auch künftig bei seinen offiziellen Aufgaben unterstützen werde.
„Das ist eine wichtige Unterstützung für uns“, sagte er.
Zwischen Trauer und neuer Verantwortung
Haakon machte deutlich, wie tief der Verlust seines Vaters die Familie getroffen hat. Die vergangenen Wochen seien eine besondere Zeit gewesen – sowohl für die Königsfamilie als auch für das gesamte Land. Die vielen Beileidsbekundungen und die Anteilnahme aus der Bevölkerung hätten ihm und seinen Angehörigen viel bedeutet.
„Die Erfahrung einer kollektiven Fürsorge stärkt uns und gibt uns ein starkes Gefühl der Gemeinschaft in der Trauer“, erklärte er. Dann fügte er schlicht hinzu: „Das hilft.“
Auch wenn Haakon seine neue Aufgabe nun ohne den Rat seines Vaters meistern muss, bleibt dessen Einfluss spürbar. Vor allem die drei Lebensweisheiten, die er am Ende seiner Rede hervorhob, dürften ihn bei seiner Amtsführung begleiten. Und vielleicht auch der vierte Ratschlag: selbst in ernsten Zeiten den Humor nicht zu verlieren.



