Grenze Österreich-Italien
: Brenner-Blockaden gerügt – schwarzer Tag für Tirol

Inwieweit darf Österreich den Verkehr auf der Brennerroute einschränken? Italien klagte vor dem höchsten europäischen Gericht und bekam zum Teil Recht.
Von
Michael U. Maier
Innsbruck
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Die Brennerautobahn ist eine Autobahn, die von Innsbruck in Österreich  Brenner Autobahn, A 13  über den Brennerpass nach Modena in Italien  Autostrada A22  führt. Sie ist Teil der europäischen Nord-Süd-Verbindung mit der Europastraße 45. Brennerautobahn *** The Brennerautobahn is a highway that runs from Innsbruck in Austria Brenner Autobahn, A 13 over the Brenner Pass to Modena in Italy Autostrada A22 It is part of the European north-south connection with the European route 45 Brennerautobahn

Immer wieder wird der Brenner zum Nadelöhr für den Personen- und Güterverkehr.

IMAGO/Manngold

Mehrere österreichische Verbotsregeln und Straßensperren für Lkws auf der Brennerroute verstoßen einem Gutachten des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zufolge eindeutig gegen EU-Recht. Nach Ansicht von Generalanwalt Manuel Campos Sánchez-Bordona sind das Nacht- und Winterfahrverbot sowie Einschränkungen bei bestimmten Gütertransporten klar rechtswidrig. Die umstrittenen Blockabfertigungen seien dagegen nicht zu beanstanden, hieß es. Ein Urteil folgt erst später, die Richterinnen und Richter in Luxemburg müssen sich dabei nicht unbedingt an die Schlussanträge des Generalanwalts halten, folgen diesen aber in den meisten Fällen.

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Italien hatte Österreich vor dem EuGH verklagt, weil es die vier in Tirol eingeführten Maßnahmen für Lkws auf der Inntal- und der Brennerautobahn für rechtswidrig hält. Österreich begründet die Fahrbeschränkungen mit dem Schutz von Umwelt, Gesundheit und Verkehrssicherheit.

„Brenner-Rebellen“ drohen mit neuer Blockade

Ärger machen unterdessen auch Proteste von „Brenner-Rebellen“, die am 30. Mai den Pass komplett gesperrt hatten. Sie richten sich gegen Belastungen durch den Transitverkehr. „Der Schaden interessiert uns überhaupt nicht. Es interessiert die Wirtschaftstreibenden ja auch nicht die Gesundheit der Bürger“, sagte Demo-Organisator Karl Mühlsteiger im Gespräch mit den OVB-Medien. Der Bürgermeister von Gries am Brenner droht sogar damit, die Proteste im kommenden Jahr zu wiederholen und dann die gesamte A13 zwischen Innsbruck und Brenner zu sperren. Radler könnten dann ebenfalls eingeladen werden, so Mühlsteiger.

Brenner-Nachtfahrverbot „ungeeignet“

Das Nachtfahrverbot am Brenner ist aus Sicht des EU-Gutachters jedenfalls nicht geeignet, das angestrebte Ziel zu erreichen, weil es den Verkehr nicht auf alternative Strecken umleite, sondern ihn lediglich auf Tageszeiten verlagere. Das Winterfahrverbot sei diskriminierend, weil es je nach Endziel eines Fahrzeugs angewendet werde. Beim sektoralen Fahrverbot für bestimmte Güter hätte Österreich mittlerweile prüfen müssen, ob die Maßnahme hätte gelockert werden können. Dagegen sei eine Begrenzung der Anzahl der Lkws, die einfahren dürfen, auf höchstens 300 pro Stunde - auch Blockabfertigung oder „Dosierung“ genannt - in Ordnung, wenn sie in einer bloßen Geschwindigkeitsbegrenzung bestehe.

Landeshauptmann mit der EU im Brenner-Clinch

Der Regierungschef des betroffenen österreichischen Bundeslandes Tirol reagierte unbeeindruckt. „Tirol gibt beim Transit nicht nach“, sagte Landeshauptmann Anton Mattle. Nun sei es an den Richterinnen und Richtern des EuGH, entweder für die Gesundheit der Menschen oder die Interessen der Frächter zu entscheiden, meinte der konservative Politiker (ÖVP). Tirol werde immer Mittel ergreifen, um die Bevölkerung vor dem überbordenden Transit zu schützen, so Mattle.

Brenner-Sperrungen im Mai und im Juli/August

Der Brenner gilt als wichtigste Nord-Süd-Verbindung der Alpen. Er spielt für die Wirtschaft und die Reisenden von und nach Italien eine zentrale Rolle, ist jedoch chronisch überlastet. Zuletzt hatte eine mehrstündige Sperre des gesamten Brenner-Korridors am 30. Mai 2026 für Aufsehen gesorgt. Außerdem ist die Zugstrecke über den Brennerpass ab Mitte Juli für zwei Wochen gesperrt. Autobahnbaustellen an Brücken werden auch in den nächsten Jahren immer wieder für Staus sorgen.

Der Verkehr auf der Route über den Brenner nahm im ersten Halbjahr weiter zu. Nach einer Bilanz des österreichischen Autobahnbetreibers Asfinag wurden an der Mautstelle Schönberg 6,57 Millionen Fahrzeuge gezählt, ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bei den Lastwagen fiel der Zuwachs mit knapp 3,6 Prozent noch deutlicher aus.

Brenner-Basistunnel und Dialog mit Deutschland/Italien

Angesichts der Bedeutung des Brenners räumte der österreichische Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) ein, dass die Diskussion um die Tiroler Maßnahmen langfristig nur im Dialog mit den Nachbarstaaten Deutschland und Italien gelöst werden könne. In einigen Jahren soll der Brenner-Basistunnel, der längste Eisenbahntunnel der Welt, für Entlastung sorgen.

Mit dpa-Agenturmaterial