Das ist die Ursache: Warum gibt es aktuell so viele Stinkwanzen?

Aktuell scheinen sich die Wanzen stark auszubreiten.
Sergei Grits/AP/dpaSie sitzen an Fenstern, krabbeln über Hausfassaden und verirren sich zunehmend auch in Wohnungen: Im Spätsommer und Herbst fallen vielerorts wieder ungewöhnlich viele Stinkwanzen auf. Dass die Tiere gerade jetzt so präsent sind, hat allerdings einen einfachen Grund. Sie suchen einen geschützten Platz für den Winter.
Viele Wanzenarten überwintern als erwachsene Tiere. Sobald die Temperaturen sinken und die Tage kürzer werden, machen sie sich auf die Suche nach trockenen, geschützten Verstecken. Normalerweise finden sie diese beispielsweise unter Baumrinde, zwischen Laub oder in der Bodenstreu. Häuser bieten jedoch ebenfalls zahlreiche geeignete Schlupfwinkel – etwa in Mauerritzen, hinter Holzverkleidungen oder an Fenstern und Türen. Besonders wenn Gärten, Bäume oder Felder direkt an Gebäude angrenzen, können Wanzen deshalb in größerer Zahl auftauchen.
Warmes Wetter kann die Zahl der Wanzen erhöhen
Wie stark die Tiere in einem Jahr auftreten, hängt auch von der Witterung ab. Warmes Wetter kann günstige Bedingungen für viele Insekten schaffen. Der NABU verweist beispielsweise auf den außergewöhnlich warmen und trockenen Sommer 2018: Damals hatten sich zahlreiche Insektenarten stark vermehrt. Ab Ende September wurden insbesondere im Südwesten Deutschlands entsprechend viele Stinkwanzen beobachtet, die nach Winterquartieren suchten.
Auch das Umweltbundesamt erklärt, dass sich in warmen Jahren besonders viele Wanzen im Garten befinden können. Im Herbst erhöht sich damit zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Tiere oder größere Gruppen in Häuser gelangen.
Der Eindruck einer regelrechten „Wanzenplage“ entsteht daher häufig durch zwei Effekte gleichzeitig: In günstigen Jahren gibt es tatsächlich viele Tiere – und im Herbst sammeln sie sich zusätzlich an wenigen geeigneten Orten wie warmen Hausfassaden oder Fenstern.
Auch neue Wanzenarten breiten sich in Deutschland aus
Hinzu kommt, dass sich die Zusammensetzung der heimischen Wanzenfauna verändert. In Deutschland leben nach Angaben des Umweltbundesamtes etwa 900 Wanzenarten. Neben heimischen Arten breiten sich inzwischen auch Arten aus wärmeren Regionen weiter nach Norden aus. Die Lindenwanze beispielsweise stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und ist laut Umweltbundesamt unter anderem infolge des Klimawandels mittlerweile auch in Deutschland zu finden.
Das niedersächsische Landesamt LAVES nennt außerdem mehrere eingewanderte Arten. Dazu gehört die Marmorierte Baumwanze, die ursprünglich aus Ostasien stammt und mittlerweile auch in Deutschland nachgewiesen wurde. Ebenso hat sich die aus Nordamerika stammende Amerikanische Zapfenwanze in Europa ausgebreitet. Auch diese Tiere suchen im Herbst geschützte Plätze zur Überwinterung und können deshalb an und in Gebäuden auffallen.
Nicht jede braune Wanze am Fenster ist deshalb automatisch eine klassische Grüne Stinkwanze. Mehrere Wanzenarten zeigen im Herbst ein ähnliches Verhalten.
Sind Stinkwanzen gefährlich?
Für Menschen sind die häufig in Wohnungen auftretenden heimischen Arten in der Regel harmlos. Grüne Stinkwanzen, Feuerwanzen und Gemeine Bodenwanzen sind keine menschlichen Parasiten und übertragen nach Angaben des Umweltbundesamtes keine Krankheiten. Auch das LAVES stuft die von ihm beschriebenen Überwinterungsgäste als ungefährlich für Menschen ein.
Sie gelten damit meist eher als sogenannte Lästlinge als als echte Schädlinge. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass nicht jedes Tier, das sich in oder an einem Haus aufhält, bekämpft werden muss. Entscheidend ist zunächst, die betreffende Art zu bestimmen und zu klären, ob überhaupt ein Schaden zu erwarten ist.
Eine Ausnahme kann beispielsweise die eingeschleppte Marmorierte Baumwanze darstellen. Anders als viele heimische Arten kann sie erhebliche Schäden an Obst und anderen Pflanzen verursachen.
Was hilft gegen Wanzen in der Wohnung?
Chemische Insektizide sind bei vereinzelten Stinkwanzen normalerweise weder notwendig noch sinnvoll. Das Umweltbundesamt rät bei den ungefährlichen Arten ausdrücklich von einer Bekämpfung mit Insektiziden ab.
Am effektivsten ist es, den Tieren den Zugang zum Haus zu erschweren. Das LAVES empfiehlt unter anderem Insektenschutzgitter an Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen. Außerdem können Spalten und mögliche Verstecke am Gebäude reduziert werden. Auch bei Kaminholz oder Pflanzen sollte darauf geachtet werden, nicht versehentlich Tiere ins Haus zu bringen.
