Überraschende Ursache: Warum gibt es aktuell so viele Spinnen?

Nosferatu-Spinne auf einem Holzblock. Die Spinnenart wird in Baden-Württemberg immer häufiger gesichtet.
Nabu/dpa- Im Herbst wirken Spinnen häufiger, da bei vielen Arten jetzt die Paarungszeit beginnt.
- Vor allem Männchen verlassen Verstecke auf Partnersuche – Sichtungen nehmen daher zu.
- Winkelspinnen tauchen oft in Wohnungen auf, Badewannenspinnen rutschen hinein und kommen nicht raus.
- Netze sind sichtbarer: ausgewachsene Radnetzspinnen und Tau machen Fäden im Garten gut erkennbar.
- Nosferatu-Spinne breitet sich aus, doch gefährliche Bisse sind bei hiesigen Arten selten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eine große Spinne in der Badewanne, feine Netze am Fenster und achtbeinige Besucher im Wohnzimmer: Im Herbst scheinen Spinnen plötzlich überall zu sein. Dahinter steckt aber nicht automatisch eine „Spinnenplage“. Viele Tiere sind jetzt auf Partnersuche – und fallen uns deshalb stärker auf. Wer derzeit häufiger Spinnen entdeckt, beobachtet ein typisches saisonales Phänomen. Die Deutsche Wildtier Stiftung erklärt in einem Beitrag vom 18. September 2026: Bei vielen Arten beginnt im September und Oktober die Paarungszeit. Vor allem die Männchen werden aktiver und verlassen auf der Suche nach Weibchen ihre Verstecke. Dadurch begegnen wir ihnen häufiger.
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Mehr Sichtungen sind deshalb noch kein Beleg dafür, dass es insgesamt mehr Spinnen gibt. Einen belastbaren Nachweis für eine deutschlandweite, außergewöhnliche Spinnenvermehrung im Herbst 2026 gibt es nicht.
Warum laufen große Spinnen durch die Wohnung?
Bei den auffälligen Besuchern handelt es sich häufig um Winkelspinnen. Die Große Winkelspinne lebt unter anderem in geschützten Bereichen an Gebäuden, in Garagen, Gartenhäusern und nicht zu trockenen Kellern. Die nachtaktiven Männchen können bei ihrer Partnersuche auch in Wohnräumen auftauchen. Weibchen bleiben dagegen eher in ihren Verstecken.
Dabei gilt: Nicht jede Spinne, die wir im Herbst sehen, ist gerade erst von draußen eingezogen. Manche Hausbewohner waren schon vorher da – nur unbemerkt. Die verbreitete Erklärung, alle Spinnen würden jetzt vor der Kälte ins Wohnzimmer flüchten, greift deshalb zu kurz.
Auch das Rätsel um Spinnen in der Badewanne kann gelöst werden: Sie kommen nicht aus dem Abfluss, sondern sind hineingeraten und finden an den glatten Wänden keinen Halt. Ein über den Rand gelegtes Handtuch kann ihnen als Ausstieg dienen.
Warum hängen plötzlich überall Spinnennetze?
Nicht nur im Haus, auch im Garten wirken Spinnen jetzt besonders präsent. Viele auffällige Radnetzspinnen sind im Spätsommer ausgewachsen und entsprechend leichter zu entdecken. Gleichzeitig machen Tautropfen die sonst unscheinbaren Fäden an kühlen Morgen sichtbar. Ein Gebüsch kann dadurch plötzlich voller Netze erscheinen, obwohl diese nicht erst über Nacht entstanden sind.
Hinzu kommen die feinen Fäden, die an manchen Herbsttagen durch die Luft schweben. Kleine Spinnen nutzen sie, um sich vom Wind an andere Orte tragen zu lassen. Auch das gehört für die Jahreszeit zum typischen Geschehen.
Ist es bei Spinnen genauso wie bei Stinkwanzen?
Nur teilweise. Gesichert ist, dass Stinkwanzen im Herbst geschützte Winterquartiere suchen. Dabei sammeln sie sich beispielsweise an Fassaden, Fenstern und Türen. Bei Spinnen muss man stärker nach Art und Lebensweise unterscheiden. Schutzmöglichkeiten an Gebäuden können ebenfalls eine Rolle spielen. Für die auffälligen Begegnungen mit umherlaufenden Hausspinnen ist jedoch häufig die Partnersuche entscheidend. Die Erklärung „Sie suchen alle ein Winterquartier“ lässt sich von Stinkwanzen nicht pauschal auf Spinnen oder Insektenarten wie Wanzenfliegen übertragen.

Nosferatu-Spinne in der Nahaufnahme.
Benjamin Westhoff/dpaNosferatu-Spinne in Baden-Württemberg
Breiten sich auch neue Spinnenarten aus? Ja – ein Beispiel ist die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Nosferatu-Spinne. Sie hat sich inzwischen in Deutschland weit verbreitet, insbesondere in Baden-Württemberg. Auch bei ihr beginnt im Herbst die Hauptpaarungszeit, sodass die Tiere dann häufiger auffallen können. Das ist allerdings eine Entwicklung bei einer bestimmten und eher raren Art und kein Beweis für eine allgemeine Zunahme aller Spinnen. Eine große braune Spinne im Schlafzimmer ist zudem nicht automatisch eine Nosferatu-Spinne. Laut NABU wird diese gerade im Herbst häufig mit Winkelspinnen verwechselt.
Sind Spinnen gefährlich?
Die üblichen Spinnen in deutschen Wohnungen sind vor allem nützliche Mitbewohner: Sie fangen unter anderem Mücken und Fliegen. Bisse kommen selten vor. Einige Arten, darunter die Nosferatu-Spinne, können zwar die menschliche Haut durchdringen und lokale Beschwerden verursachen. Schwere Giftwirkungen sind nach Angaben des Umweltbundesamtes bei den in Deutschland vorkommenden Arten jedoch nicht zu erwarten.
Was hilft gegen Spinnen in der Wohnung?
Wer Spinnen nicht im Wohnraum haben möchte, kann schonend vorgehen:
- Mit Glas und Pappe umsetzen: Ein ausreichend großes Glas über die Spinne stellen und vorsichtig eine feste Pappe darunterschieben.
- Zugänge begrenzen: Fliegengitter erschweren das Eindringen weiterer Tiere.
- Auf chemische Bekämpfung verzichten: Das Umweltbundesamt empfiehlt grundsätzlich, Spinnen im und am Haus zu tolerieren.
Herbstzeit ist Spinnenzeit
Dass wir aktuell häufiger Spinnen begegnen, lässt sich vor allem durch Partnersuche, ausgewachsene Tiere und besser sichtbare Netze erklären. Hinter dem Eindruck einer plötzlichen Invasion steckt somit oft ein gewöhnlicher Wechsel im Jahreslauf – nicht zwangsläufig eine außergewöhnliche Vermehrung.

