„Erfüllt mich mit tiefster Trauer“: König Charles spricht über dunkelstes Kapitel der Monarchie

Der britische König Charles III. (l) trifft bei einem Besuch in Nelson’s Dockyard, einem historischen Marinestützpunkt, der 1725 in Saint Paul gegründet wurde, auf Bürger. Der König informierte sich dort über die Restaurierungsarbeiten an historischen Gebäuden, ein innovatives Programm zur Aufzucht von Korallen sowie die Bemühungen zur Bekämpfung von Braunalgen.
Isabel Infantes/PA Wire/dpaEs sind ernste Worte, mit denen König Charles III. die Staats- und Regierungschefs des Commonwealth in Antigua und Barbuda begrüßt. In seiner Eröffnungsrede beschäftigt sich der britische Monarch mit einem der dunkelsten Kapitel der Geschichte seines Landes: dem transatlantischen Sklavenhandel.
„Wir können die Taten derer, die vor uns kamen, nicht ändern. Aber wir können aus der Vergangenheit lernen“, erklärt der König. Der Handel mit versklavten Menschen werfe bis heute einen Schatten auf die Karibik und andere Mitgliedstaaten des Commonwealth.
Charles spricht von einem „beschämenden Kapitel der Geschichte“, das ihn persönlich mit tiefster Trauer erfülle. Gleichzeitig betont er, dass sich historisches Unrecht nicht rückgängig machen lasse, die heutigen Generationen aber Verantwortung für den Umgang mit dessen Folgen übernehmen könnten.
König Charles will aus der Vergangenheit lernen
Der 77-jährige Monarch macht deutlich, dass er sich selbst intensiv mit der britischen Kolonialgeschichte auseinandergesetzt hat. Je mehr er durch Zuhören, Lernen und eigene Erfahrungen über die Folgen der Sklaverei erfahren habe, desto entschlossener sei er geworden, gemeinsam mit den betroffenen Staaten nach Wegen für eine bessere Zukunft zu suchen.
„Die Geschichte können wir uns weder aussuchen noch verändern“, sagt Charles. Zum historischen Erbe gehörten sowohl die Errungenschaften früherer Generationen als auch deren Fehler und Verfehlungen.
Eine ausdrückliche Entschuldigung für die britische Beteiligung am Sklavenhandel spricht der König dennoch nicht aus. Dabei hatten mehrere Commonwealth-Staaten im Vorfeld des Gipfels eine offizielle Entschuldigung Großbritanniens gefordert.
Schwierige Mission für Charles und Camilla
Die Rede bildet einen zentralen Moment der neuntägigen Karibikreise, auf der König Charles von Königin Camilla begleitet wird. Bereits zuvor hatte sich der Monarch mehrfach mit den Folgen der britischen Kolonialherrschaft beschäftigt.
Auf den Bahamas sprach er über das Leid der Vergangenheit. In Guyana besuchte er einen historischen Schauplatz eines Sklavenaufstands, bei dem Hunderte versklavte Menschen getötet wurden. Nach Angaben des Buckingham-Palasts sollte der Besuch Charles die Möglichkeit geben, mehr über die Geschichte der Sklaverei und den Widerstand dagegen zu erfahren.
Für den König ist die Reise eine diplomatische Gratwanderung. Einerseits möchte er Verständnis für das historische Leid zeigen. Andererseits muss er sich als konstitutioneller Monarch aus politischen Entscheidungen heraushalten.
Der Buckingham-Palast hatte vor der Rede angekündigt, Charles werde die schmerzhaften Kapitel der Vergangenheit mit schonungsloser Offenheit und aufrichtigem Bedauern ansprechen. Über eine formelle Entschuldigung oder mögliche Entschädigungszahlungen müsse jedoch die britische Regierung entscheiden.
Britische Regierung erwägt offizielle Entschuldigung
Während Charles seine persönliche Betroffenheit zum Ausdruck bringt, zeichnet sich in London ein politischer Kurswechsel ab.
Premierminister Andy Burnham zeigt sich offen für eine offizielle Entschuldigung Großbritanniens für seine historische Rolle im Sklavenhandel. Finanzielle Entschädigungszahlungen an betroffene Staaten lehnt seine Regierung allerdings weiterhin ab.
Stattdessen setzt Burnham auf eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Commonwealth-Staaten, Unterstützung bei Schuldenproblemen und Investitionen in Klimaschutz und Entwicklung.
Für König Charles ist die Debatte von besonderer Bedeutung. Als Oberhaupt des Commonwealth liegt ihm die Zukunft des Staatenbundes mit seinen 56 Mitgliedsländern am Herzen. Er sieht in der Organisation eine Möglichkeit, internationale Zusammenarbeit zu stärken und historische Gräben zu überwinden.
Trotz Krebserkrankung absolviert Charles zahlreiche Termine
Die Reise ist für Charles auch körperlich anspruchsvoll. Der Monarch, der am 14. November seinen 78. Geburtstag feiert, wird nach Angaben des Buckingham-Palasts bis zum Ende seines neuntägigen Aufenthalts rund 36 offizielle Termine absolviert haben – bei teils großer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit.
Charles wird weiterhin wegen seiner Anfang 2024 bekannt gewordenen Krebserkrankung behandelt. Der Palast spricht jedoch von einer positiven Entwicklung.
Hinzu kommen schwierige Monate für das britische Königshaus, das zuletzt auch durch familiäre Angelegenheiten rund um Charles' Bruder Andrew und seinen Sohn Prinz Harry in den Schlagzeilen stand.
Bei seiner Karibikreise richtet Charles den Blick dagegen auf die Zukunft der Monarchie und die Beziehungen zu den ehemaligen britischen Kolonien. Seine Rede zeigt, wie sehr ihn die historische Verantwortung Großbritanniens beschäftigt. Die zentrale Frage, ob auf seine Worte eines Tages eine offizielle Entschuldigung folgen wird, bleibt allerdings offen.


